augsburger-huetteHier findet Ihr Bilder zur Fahrt!     


Wie bereits in den letzten Jahren stand auch diesen August für den Augsburger Stützpunkt ein Besuch auf der Augsburger Hütte im Kalender. Unser Schwerpunkt galt diesmal der Erschließung von anspruchsvolleren Routen, die auch den Einsatz von mobilen Sicherungsgeräten zwingend erforderlich machen. Gestartet hatten wir die Aktion vor ein paar Jahren, nicht nur um grundsätzlich den Jugendlichen die Welt der Berge näher zu bringen, sondern auch um bei den Kids statt Konsumdenken einen aktiven Einsatz für den Klettersport zu fördern. In Absprache mit dem Hüttenwirt, Hüttenreferent und dem Wegebauteam versprechen wir uns im Übrigen davon eine Aufwertung der Hütte, da neben Bergsteigern so auch alpin interessierte Kletterer einen Anreiz für einen Besuch der Hütte haben. Dieses Jahr nahmen außer uns 15 Augsburgern noch 4 junge Freunde aus Darmstadt und Freiburg an der Aktion teil, von denen einer hier von der Woche berichtet. 


Christin Hoch, von unseren Darmstädter Gästen:Augsburger H 2014 1

„Im Sommer ist wieder eine große Einbohraktion an der Augsburger Hütte“, meint Ferdl bei einer Stützpunktausfahrt in Heubach im Odenwald. Ich bin gleich total begeistert: „Routen einbohren, so etwas wollte ich ja schon immer mal machen!“. Fünf Monate später machen Johannes und ich uns auf die Reise. Treffen ist Sonntagnachmittag auf dem Parkplatz in Grins. Tobi und Reni, die beiden Stützpunkttrainer, sind schon da, wenig später kommen Ruth und Tim aus Freiburg und schließlich rollen auch Ferdls Bus und Ingrids Auto ein. Mit an Bord sind 10 motivierte Jugendliche aus dem Augsburger Stützpunkt sowie alles nötige Material, was man halt für so eine Aktion benötigt.
Gleich zu Beginn gibt es eine schlechte Nachricht: Der Generator auf der Hütte ist kaputt. So, wie es aussieht, müssen wir also jeden zweiten Tag ins Tal laufen und Akkus für die Bohrmaschinen laden, wobei der einfache Weg 1200 Höhenmeter und somit ca. 3 Stunden dauert. Trotzdem bleibt die Stimmung gut und nachdem alle Materialhaufen auf die Rucksäcke verteilt sind, geht’s los.

Montag soll wettermäßig gleich der beste Tag werden. Deshalb werden geschwind die Aufgaben verteilt. Die Freiburger Seilschaft hat es sich zur Aufgabe gemacht, eine Mehrseillänge an einem Grat einzubohren. Dabei möchte sie möglichst viel mobil absichern und auf Haken verzichten. Maxi und David erschließen eine Sportkletterroute von oben und allen restlichen Bohraspiranten erklärt Ferdl, wie das mit dem Hakensetzen funktioniert: „Man braucht eine Stelle mit solidem Gestein. Dann klopft man mit dem Hammer, ob sich der gewählte Bereich auch gut anhört. Es darf nicht dumpf, sondern muss klar klingen. Nun kann man sicher sein, dass der Fels gut ist und man kann anfangen zu bohren, im Uhrzeigersinn ;) Jetzt nur noch das Loch putzen, Haken einschlagen und festziehen!“. Natürlich gibt es noch allerlei Kleinigkeiten zu beachten und nachdem der erste Stand eingebohrt ist, habe ich schon ein mulmiges Gefühl im Bauch, nur noch an meinen zwei frisch gesetzten Haken gesichert zu hängen.
Zwar ist das Wetter für die nächsten Tage nicht ganz so gut vorhergesagt, jedoch findet man auch bei Regen auf der Augsburger Hütte eine Beschäftigung. Unzählige Kartenspiele (mit deutschem Blatt!), interessante Bücher und Musikinstrumente vertreiben geschwind das schlechte Wetter. Das absolute Highlight ist jedoch ein Geschicklichkeitsspiel namens „Jenga“. Trotz vieler Beinahe-Herzinfarkte schaffen wir es bis zum dreißigsten Stock. Selbst in den Regenpausen arbeiten einige Unermüdliche tapfer an der Markierung des Weges von der Hütte sowie dem Bau kleiner Terrassen im Schuttfeld vor der Wand weiter, damit zukünftige Besucher einen sinnvollen Weg zur Kletterei finden und nicht wild ins Gelände laufen…

Einen Vorteil hat der Regen: Der kleine Bach führt wi
Augsburger Hütte 2014 2eder genug Wasser, um die Turbine anzutreiben und somit unsere Akkus zu laden. So stehen wir am Donnerstag wieder alle bereit für neue Taten - die einen für Bergtouren zu den Gipfeln über der Hütte, die andern fürs Klettern.
Wenn man sie jetzt so vollbepackt dastehen sieht, kann man sich wirklich fragen, was schwerer ist, Anouk oder ihr Material. Sie ist mit 12 Jahren die jüngste Teilnehmerin. Mit umso mehr Motivation bohrt sie mit Olivia (14 Jahre) heute eine tolle Route ein, die selbstverständlich auch gleich erstbegangen wird.
Insgesamt sind 16 neue Sportkletterrouten zwischen 6 und 9, sowie 5 Mehrseillängentouren (mit gesamt 17 Seillängen) im Schwierigkeitsgrad von 6 bis 8 entstanden, davon einige mit weitestgehend "cleaner" Absicherung. Es wurden also nur da Haken gesetzt, wo man sie unbedingt braucht, weil die Passagen nicht mit Klemmgeräten abzusichern sind. Alle diesjährigen neuen Routen befinden sich im oberhalb der Hütte gelegenen Felsstock, wo letztes Jahr schon begonnen wurde, einen Schulungssektor zu errichten, der nun, neben den neuen anspruchsvollen Touren, mit dieser Aktion ausreichend erweitert wurde.
Alle Teilnehmer sind heil wieder unten angekommen, wenn auch ziemlich platt, und hatten eine tolle, erlebnisreiche Woche. Danke an Ferdl und Ingrid, dass ihr euch die Mühe gemacht hat, das alles vorzubereiten und dass ihr Johannes und mich mitgenommen habt.

Berg Frei
Christian