Der Begriff “Rocklands” ist für jeden Boulderer mit sagenhaften Felsen, unberührter Natur und schweren Linien belegt. Daher war für uns klar: auf nach Südafrika!

Der Flug war schnell gebucht und da wir ein paar Wochen bleiben würden haben wir auch gleich ein paar andere Ausflüge in Südafrika geplant wie eine kurze Safari, Wale gucken und so. Man fliegt ja schließlich nicht jedes Jahr nach Südafrika. Dachten wir.

Auf dem Weg vom Flughafen in Kapstadt in Richtung Rocklands konnten wir bereits einige Bergketten sehen und hier und da ein paar Blöcke. Nach 2 Stunden Fahrt und ein paar Kehren den letzten Pass hoch brachen wir dann in hysterisches Jubelgeschrei aus und konnten uns einfach vor Freude nicht mehr beherrschen. Wir konnten nicht fassen, was da vor uns lag! Wir kannten ja schon ein paar Bilder, hatten uns brav den Film “Orange Crush” angesehen, aber live und in Farbe war das Ausmaß der Blöcke atemberaubend! Nachdem wir unfassbare 15 Minuten an den Blöcken vorbeigefahren sind (mit dem Auto, 15 Minuten, an millionen von Blöcken!!!) und den Pass wieder runter mussten kamen wir vor Vorfreude völlig erschöpft an. Unsere Sachen haben wir aus dem Auto geworfen, unsere Pads auf den Rücken gepackt und sind sofort los. Wie passend, dass am Campingplatz auch schon die erste Boulderarea ist. Ehrlich! Hier fällt man aus dem Zelt und landet vor den Blöcken!

 

Vor lauter wunderschönen Blöcken mit Dächern, Slopern, Leisten, Huecos und allesamt Prachtlinien aus unglaublichen Farben und Formationen haben wir uns, ohne den Führer aufzuschlagen, an die ersten Blöcke gehängt. Bei Dunkelheit hingen wir immernoch am Fels, bis uns schließlich zwei nette Niederländer mit Stirnlampen sicher am Campingplatz abgesetzt haben.

In den nächsten Tagen und Wochen sind wir in viele Gebiete der Rocklands gekommen. Wir haben unzählige unbenannte Linien probiert vom 5. bis 8. Fb-Grad, konnten uns an den Klassikern der Großen Meister wie Fred Nicole und Klem Loskot messen. Wir konnten uns nicht satt sehen an der unglaublichen Vielfalt der Felsformationen und –farben und hatten stets einen Gedanken im Kopf: “Man hätte ich nur mehr Haut für das alles hier.” Man sagt, es gibt in den Rocklands ca. 2000 begangene Linien. Wir glauben, dass das nur einen Bruchteil des Möglichen ist. Wer schon am Pass saß, der weiß, dass die Rocklands in ihrer Unendlichkeit den Horizont zu berühren scheinen.

Wir waren an den Blöcken, die man aus Videos und Bildern kennt wie Pendragon (8a), Witness the Sickness (8a), Minki (7b), Gliding Through the Waves Like Dolphins (8a), dem Rhino (7b), A Question of Balance, (7b), oder El Corazon (8b). Wir haben uns dort die Finger blutig gebouldert, unsere Stärken und unsere Schwächen ausgelotet und viele viele Projekte für die nächsten Jahre gefunden.

Wir sind uns einig: die Rocklands sind ein unglaublicher, verzauberter Ort von dem sich keiner verabschieden mag. Wir für unseren Teil waren weder auf Safari noch beim Wale gucken und hatten nur einen Ruhetag. An diesem einzigen Tag hat es geregnet in den Rocklands.

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