HV 2021 1Am 29. und 30. Oktober fand die diesjährige DAV Hauptversammlung in Friedrichshafen statt, die beiden Sektionsvorsitzenden Alina Dajnowicz und Thomas John haben die Sektion vertreten. Neben vielen anderen Themen stand vor allem das Klimaschutzkonzept zur Diskussion. Dazu eine gemeinsame Stellungnahme:

Das Konzept wurde am zweiten Tag mit großer Mehrheit angenommen, auch die Sektion Augsburg hat selbstverständlich dafür gestimmt. Das große Ganze war trotz einiger Bedenken schließlich wichtiger als die Details. Es ging um die Außenwirkung unseres 1,4 Millionen Mitglieder starken Alpenvereins und darum, mit dem Streben nach Klimaneutralität ohne weitere Verzögerungen anzufangen.
Das in seinen Grundzügen 2020/21 von einer Reihe von Sektionsvertretungen erarbeitete Konzept folgt der Selbstverpflichtung des DAV, die auf der Hauptversammlung 2019 beschlossen wurde. Auf der Versammlung klang aber auch wiederholt an, dass das jetzt verabschiedete Konzept ein Anfang ist und in den nächsten Jahren an die gemachten Erfahrungen angepasst werden muss und wird.
Der Anpassungsbedarf zeigte sich schon bei zahlreichen Gesprächen mit den Sektionen im Vorfeld der diesjährigen Hauptversammlung und erst recht durch die vielen Wortmeldungen auf der Hauptversammlung selbst. Es wurden eine Reihe von Befürchtungen in Bezug auf das vorgestellte Konzept laut und konzeptionelle Ungenauigkeiten artikuliert. Von verschiedenen Sektionen wurden Änderungsanträge eingereicht, auch von Augsburg. Die von der Beisitzerin für Natur, Umwelt und Kultur Katharina Holzer und Thomas John erarbeiteten Vorschläge wurden im Vorfeld im Vorstandskreis und mit Vertretungen anderer Sektionen diskutiert.
Gegenstand langer Diskussionen war das wenig pragmatische Analysetool, mit dem ab 2022 erstmalig und dann regelmäßig Sektionen im Hinblick auf ihren CO2-Ausstoß bilanziert werden sollen. Dies bedeutet gerade für kleine Sektionen unverhältnismäßig viel Arbeit. Kritisiert wurden hier die unter dem Gesichtspunkt konkreter Klimaschutzmaßnahmen nicht unbedingt hilfreichen, aber geforderten Detailaussagen zum CO2-Ausstoß.
HV 2021 2Unser Anliegen, die Maßnahmentrilogie „Vermeiden vor Reduzieren vor Kompensieren“ in ein praxisgerechteres „Vermeiden und Reduzieren, wo möglich, und Kompensieren, wo nötig“ abzuändern, wurde abgelehnt. Dies hätte den Handlungsspielraum im Sinne des Ziels einer „Klimaneutralität bis 2030“ erweitert.
„Kompensieren“ wird im Sinne von Ausgleichen im Klimaschutzkonzept leider nur als Verrechnung eigener Emissionen mit CO2-Reduktionsmaßnahmen externer Anbieter verstanden. Die Möglichkeit eines vereins-/ sektionsinternen Ausgleichs wird im Konzept unvollständigerweise nicht als Kompensation betrachtet. Davon abgesehen kann auch eine externe Kompensation gemäß Bundesumweltamt durchaus solide und vor allem zielführend sein. Eine PV-Anlage auf dem eigenen Dach hat den gleichen Klimanutzen wie eine auf dem Nachbarhaus.
Wir können aber mit einer Ablehnung unseres Vorschlags gut leben, da der CO2-Bepreisungsmechanismus, der vereinbart wurde, exakt unserem Ansinnen entspricht, wenn auch ohne ein Etikett „Ausgleichen“ (Kompensieren). Damit wird die Möglichkeit geschaffen, einen vorerst nicht vermeidbaren, kaum reduzierbaren CO2-Ausstoß in einem Bereich der Sektion (z.B. bei der Mobilität) zu bepreisen und damit eine vereinsinterne Reduktionsmaßnahme an anderer Stelle zu finanzieren.
Die im Klimaschutzkonzept vorgesehene CO2-Bepreisung ist somit per se ein guter Ansatz. Die eingenommenen Gelder verbleiben zweckgebunden in der Sektion. Der Einstiegspreis von 90 Euro ab 2023 und 140 Euro ab 2025 wurde von uns in einem Änderungsantrag als zu hoch kritisiert. Leider konnten wir uns mit einer Deckelung auf 50 Euro nicht durchsetzen.
In der Diskussion war in der Kürze der Zeit nicht vermittelbar, dass sich ein vereinsinterner CO2-Preis nicht an Klimafolgekosten orientieren sollte, da mit dem Geld ein Ausgleich im Sinne von Reduktionsmaßnahmen und nicht eine Schadenswiedergutmachung erreicht werden soll. Eine Bepreisung sollte unter Rücksicht auf die Vereinskultur auch nicht als eine Art Bestrafung von Bergsportaktivitäten wahrgenommen werden, was bei der jetzt beschlossenen Höhe von vielen so gesehen wird.
Hier ist sicher das letzte Wort noch nicht gesprochen, vor allem da Sektionen ohne Hütten und/ oder Kletterhalle so gut wie keine Möglichkeit haben, die in der Sektion verbleibenden CO2-Gelder zweckgebunden auszugeben. Sonst würde die Zeit bis 2030 gerade in kleinen Sektionen unnütz verstreichen, wenn erst danach kompensiert werden dürfte.
HV 2021 3Immerhin konnte erreicht werden, dass das Klimaschutzkonzept auch für den Leistungssport gilt und nicht nur für den Breitensport. Vom DAV Summit Club soll bis zur nächsten Hauptversammlung ein für dieses Geschäftsfeld tragbares Konzept vorgestellt werden. Eine rigorose Bepreisung wie oben genannt würde das Aus der GmbH bedeuten, was niemand will.
In Bezug auf die Zwischenziele steht jetzt eine CO2-Reduktion von 30 Prozent bis 2026 im Raum, danach sollen die nächsten Ziele formuliert werden. Im Endeffekt will man bis 2030 durch Vermeiden (Verhaltensänderungen) und Reduzieren insgesamt den heutigen CO2-Ausstoß um 60 Prozent verringern, um danach den verbleibenden Rest extern zu kompensieren. Schade! Mit unseren Anträgen wollten wir eine ehrliche Klimaneutralität bis 2030, also eine klare Null, erreichen.

Fazit: Das Klimaschutzkonzept bleibt etwas hinter seinen Möglichkeiten zurück, es wird - so auch Kommentare aus dem Präsidium des DAV - nachgebessert werden müssen, um im Sektionsalltag seinen Zweck zu erfüllen. Die Sektion Augsburg wird ihren eingeschlagenen Weg fortsetzen und Maßnahmen ergreifen, die dem Klima dienen. Damit sind wir mehr als konform mit dem verabschiedeten Klimakonzept. Gut ist, dass wir schon in den letzten Jahren trotz interner Widerstände angefangen haben, zu handeln, statt auf den Beschluss einer Hauptversammlung zu warten.
In Sachen Mobilität sind wir auf einem guten Weg und haben schon viel erreicht. Unsere Strom- und Gaslieferungen sind alle auf Ökoverträge umgestellt, PV-Anlagen wurden und werden ausgebaut, problematische Heizungen werden schrittweise ersetzt, Umweltgütesiegel für die Hütten werden angestrebt. Nach den wichtigsten Themen werden wir uns dann den nachrangigen zuwenden. Nächstes Jahr werden wir trotz unserer Vorbehalte die Sektion bilanzieren und sind gespannt auf das Ergebnis und das sich daraus ergebende Potential.
Wir stehen zum Klimaschutz und werden bei den entsprechenden Arbeitskreisen des Bundesverbandes weiter konstruktiv und engagiert mitarbeiten.
Um in der Sektion den Prozess voranzutreiben und vor allem die anstehende Bilanzierung zu stemmen, soll das NUK-Team, das von Jochen Cantner ins Leben gerufen wurde und dem Beisitz Natur, Umwelt Kultur im Vorstand zuarbeitet, dafür aktiviert werden. Katharina Holzer, die im Vorstand seit April 2021 verantwortliche Beisitzerin ist, wird dazu – und für weitere NUK-Themen – interessierte Vereinsmitglieder und bereits in diesem Bereich bereits tätige Ehrenamtliche ansprechen.


Fotos: DAV/Georg Hohenester