Der Cevedale ist an sich kein spektakulärer Hochtourengipfel - wären da nicht die Yaks von Reinhold Messner, die einem beim Aufstieg begegnen und die vorbeiziehende Bergsteiger ungläubig begutachten. Während in ihrer tibetischen oder nepalesischen Heimat so mancher Gipfel in Flipflops bestiegen wird, stiefeln wir bei maximaler Sonneneinstrahlung in voller Hochtourenmontur hinauf... Aber Flo ist glücklich - nachdem er im Himalaya keine Yaks gesehen hatte, kann er sich diesen Traum endlich erfüllen! Im Trentino!

Schon vor unserem Etappenziel, dem Rifugio Gianni Casati, müssen wir die Steigeisen anlegen. Die Spalten sind zum Glück noch weitgehend zugeschneit, sodass wir ohne Schwierigkeiten die Hütte erreichen. Diese ist proppenvoll, weshalb die Hüttenwirte (so unsere Vermutung) die Getränke fast ausnahmslos in Plastikbechern ausschenken. So viel zum Thema Müllsparen auf Hütten...

Am nächsten Morgen reihen wir uns in die Cevedale-Autobahn ein. Dies wäre prinzipiell nicht schlimm, da wir selbst ja teil des Hochtouren-Zirkus' sind. Allerdings staut es sich an der "Schlüsselstelle" - dem etwas steileren und schmalen Übergang am Gletscherschrund und anschließenden Gipfelgrat - aufgrund konditionell und technisch überforderter Seilschaften dermaßen auf, dass längere Wartezeiten entstehen und die eisigen Temperaturen im Schatten nicht unbedingt für gute Laune sorgen. So (oder so ähnlich) muss es sich am Hillary-Step anfühlen!

Doch irgendwann kommen auch wir oben auf 3.769 m an und gönnen uns im Windschatten eine ausgiebige Pause. Unter Zuhilfenahme von Katjas orignal slowenischem Slivovitz tauen wir wieder auf und genießen das Panorama. Königsspitze und Ortler bilden eine tolle Kulisse. Noch ein letztes "Foto di grupo" und dann geht es wieder hinunter - eine Lücke zwischen zwei Seilschaften am Grat nutzend. Im letzten Gegenanstieg neben der Suldenspitze werden wir so richtig gebrutzelt, der Schweiß fließt, der Schnee sulzt. Aber danach geht es "nur" noch bergab - zunächst zum Rifugio Città di Milano / Schaubachhütte und nach verdienter Mittagspause endlich zum Parkplatz. Insgesamt ganze 1.800 Höhenmeter im Abstieg. Da freuen sich Knie und Oberschenkel!

Noch größer ist allerdings die Freude, die harten Hochtourenstiefel endlich auszuziehen und auf das Geschaffte zurückzublicken: Alle 12 Teilnehmer sind gesund hoch- und auch wieder runtergekommen, die Aussicht war grandios und die Stimmung mit Ausnahme der Widrigkeiten beim Aufstieg und des Müll-Schocks gut. Nächstes Jahr wird es sicherlich wieder eine Hochtour der JUB-Gruppe geben!

ab4 2018 JUB Gruppe Cevedale0 (1) Zufriedene Yaks im Suldental. Foto: Wolfgang Bullemer.

ab4 2018 JUB Gruppe Cevedale1(2) Beginn der Cevedale-Autobahn. Foto: Johannes Lechler.

(3) Gipfelglück für 12 JUBs. Foto: Johannes Lechler.

(4) Blühende Landschaften. Foto: Laura Jantz-Klinker.

(5) Stimmungsvolles Licht mit toller Kulisse. Foto: Laura Jantz-Klinkner.





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ab4 2018 JUB Gruppe Cevedale4ab4 2018 JUB Gruppe Cevedale3