Das „Reich der Coburger Hütte“ in den Miemingern gehört für viele zu einer der schönsten Gegenden in den Alpen. Zwei smaragdgrüne Bergseen, umgeben von schroffen Gipfeln und dabei die Zugspitze, diesen Felskoloss, immer im Blick – das malerische Ambiente zieht so viele Bergsteiger an, dass die Hütte oft schon Monate im Voraus ausgebucht ist. Auch wir hatten kein Glück mit unserer Übernachtungsanfrage, sodass wir auf den Campingplatz in Ehrwald auswichen, um uns zumindest morgens die Anfahrt zu sparen und direkt aufbrechen zu können.

Hatten wir bei der Tourenplanung im Winter noch befürchtet, unser Klettersteigabenteuer könnte aufgrund der Schneemassen in Gefahr geraten, zeigte sich dieser Frühsommer nun wochenlang von seiner schönsten Seite. Doch ausgerechnet an unserem Wandertag sollte es ab Mittag gewittern – daher beschlossen wir, auf den Seebensteig zu verzichten und lieber schnellstmöglich in den Klettersteig Tajakante einzusteigen. Immerhin stand dieser schon lange auf der Wunschliste der beiden Organisatoren und war der eigentliche Hauptgrund der ganzen Unternehmung. Und es lagen fast 600 Höhenmeter ausgesetzter Kraxelei mit einigen D-Stellen vor uns.

Der gefürchtete Stau, der auf so manch beliebtem Klettersteig an schönen Wochenenden auftritt, blieb zum Glück aus. Am Einstieg befand sich eine Gruppe vor uns, die jedoch schnell davonkletterte, und nach uns kam lange Zeit niemand. So konnten wir den abwechslungsreich angelegten Steig und die atemberaubenden Tiefblicke genießen. Nach dreieinhalb Stunden erreichten wir schließlich den Vorderen Tajakopf auf 2.450 m – leider im Nebel, aber immerhin ohne Regen (der es den ganzen Tag bei drohenden Wolkenbergen beließ). Bei der Sicht und nach den ersten Abstiegsmetern hatte dann auch niemand so recht Lust, noch den Hinteren Tajakopf über den Coburger Klettersteig zu erklimmen, sodass die Devise „Einkehr und Abstieg“ lautete. Insgeheim hofften einige Tourenteilnehmer, rechtzeitig zum Anpfiff des Deutschlandspiels wieder im Tal zu stehen…

In der Coburger Hütte füllten wir unseren Flüssigkeits- und Kalorienhaushalt wieder auf, Aron nahm noch ein erfrischendes Bad im Seebensee und nach insgesamt zehn Stunden und 1.350 Hm (einfach) erreichten wir den Parkplatz der Ehrwalder Almbahn. Zwar konnten wir nur noch die letzte Viertelstunde des (Trauer-)Spiels sehen, aber die Freude über die tolle Tour überwog dann glücklicherweise doch bei allen!

K800 ab3 2018 Jantz JUB Gruppe Tajakante Bild1.jpgTolle Kraxelei auf dem zerklüfteten Grat des Vorderen Tajakopfes.

Foto: Christian Schmid.