Nach dem schönen, aber doch ziemlich überfüllten Cevedale im vergangenen Jahr fiel die Wahl heuer auf einen eher einsamen Gipfel: den Schrammacher in den Tuxer Alpen. Der Schrammacher ist einigen vielleicht für seine knackige Nordwand-Diagonale bekannt, die von ambitionierten Alpinisten auch gern im Winter erklommen wird. Wir wählten für unsere Sommer-Gemeinschaftsfahrt allerdings den deutlich zahmeren Anstieg über den Südgrat.

Zunächst standen Anreise und Aufstieg zum Pfitscher-Joch-Haus auf dem Programm. Treffpunkt war der Parkplatz Zamsgatterl am Schlegeisstausee im hinteren Zillertal. Vorbei an Wasserfällen, Bachläufen und abwechslungsreicher Vegetation zog sich der Weg die 400 Hm vom Zamser Grund zum Pfitscher Joch auf 2.246 m hinauf. Die erste Herausforderung lauerte jedoch bereits an der Lavitzalm: Hier gab es zahlreiche Tiere zu sehen (und zum Teil zu streicheln) und allein das Wort "Kaiserschmarrn" verursachte bei einigen Teilnehmenden Magenknurren. Doch es galt zu widerstehen, wollten wir noch rechtzeitig zum Abendbrot oben ankommen. Im Pfitscher-Joch-Haus, seit 1888 älteste private Schutzhütte Italiens, dann die erste Überraschung - es gab richtige Zimmer mit frisch bezogenen Betten und eigenen Bädern mit heißer Dusche!

Nach dieser ersten, ungewohnt komfortablen Nacht starteten wir entspannt unseren Gipfeltag mit einem Anstieg über eine bereits von der Hütte aus zu sehenden Moräne gen Grawandkofel (Beschilderung "Schneescharte" hinter dem ehemaligen Zollhäuschen folgen). Diesen ließen wir jedoch wortwörtlich "links liegen", um über Schneefelder unseren Anseilpunkt bei ca. 2.800 Hm auf dem Stampflkees zu erreichen. In zwei Sechser-Seilschaften querten wir den kleinen Gletscher, der lediglich im aperen unteren Bereich größere Spalten zeigte. Dass allerdings auch sehr kleine Spalten sehr tief sein und Kameras verschlucken können, davon konnte sich ein Teilnehmer selbst überzeugen... Man sollte folglich nicht nur sich selbst, sondern auch sämtliches Equipment gut sichern!

Ziel war ein steiles Firnfeld, das bei ca. 3.100 Hm den Übergang zum Schrammacher-Südgrat - zum Glück ohne größere Randkluft - erlaubte. Nun folgten 300 Hm herrliche Blockkletterei am Grat mit Schwierigkeiten bis II, wobei die Schlüsselstelle durch ein Seilstück und Schnüre/Schlingen entschärft wurde. Nach ca. fünf Stunden erreichten alle zwölf JUBs bei strahlendem Sonnenschein den Gipfel auf 3.411 m. Da außer uns nur drei weitere Personen auf der gesamten Tour unterwegs waren, hatten wir diesen ganz für uns und gönnten uns eine ausgiebige Pause. Die Idee des Abstiegs Richtung Ameiskopf wurde in Anbetracht des Steinschlagrisikos im Oberschrammachkees verworfen und so nahmen wir den gleichen Weg zurück. Bei der Rückkehr zur Hütte dann die nächste Überraschung: Es gab eine kleine, aber feine Sauna mit Bergblick sowie Leihhandtücher! So entspannten wir noch unsere müden Muskeln und sanken anschließend erschöpft und glücklich in die weichen Betten.

Am Sonntag wurde trotz des einsetzenden Regens noch die "Neumarkter Runde" mitgenommen, die entlang des Unterschrammachbaches (der zum Wasserfall wird) zum Schleigeisspeicher hinabführt.

Auch wenn der Gletscheranteil bei dieser Hochtour eher kurz ausfiel, war es dennoch eine tolle Gemeinschaftsfahrt mit toller Gratkletterei und einem fantastischen Panorama. Und der Schrammacher hat das Prädikat "einsam" definitiv verdient! Was will man mehr?

Fotos: Marius Klinkner.

Bild 1: Blick auf den Hochfeiler.
Bild 2: Der letzte steile Anstieg vor dem Grat.
Bild 3: Blockkletterei am Grat mit Aus- und Tiefblicken!
Bild 4: Alle 12 JUBs haben den Gipfel auf 3.411 m geschafft! (v.l.n.r.: Marius, Jojo, Jenni, Andrea, Flo, Wolfi, Micha, Bernd, Eva, Daniel, Laura, Christian)

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