Königsjodler 010

Ein Hoch auf den König - Begehung des Königsjodlers auf den Hochkönig in den Berchtesgadener Alpen vom 21. bis 22. September 2019

Samstag, 4:30 Uhr – das Klingeln des Weckers reisst mich aus dem Schlaf. Schlaftrunken taumle ich ins Bad und überlege dabei, warum ich mir das freiwillig antue. Doch jetzt bin ich eh wach und die seit Tagen anhaltende Vorfreude lässt mich den Mangel an Schlaf vergessen.

Ich persönlich zähle eher zum Chronotyp der „Nachteulen“. Um eine Eule entgegen ihrer Gewohnheit um diese Zeit aus dem Bett zu locken, bedarf es schon einer besonderen Motivation.

Dieser Anreiz in Gestalt des Königsjodlers, einem der schwersten Klettersteige im Ostalpenraum, stand schon lange auf meinem Wunschzettel. Umso erfreuter war ich, als diese Tour im Veranstaltungsprogramm der Bergsteigerabteilung angekündigt wurde. Schnell war klar, dass ich dabei sein wollte, auch wenn ich mir bewusst war, dass die Anforderungen nicht gering sein würden.

Der Klettersteig in Zahlen: 1700 Höhenmeter - davon ca. 700 Klettermeter - sind insgesamt zu überwinden – vom Dietner Sattel (1400 m) bis zum Matrashaus hoch oben auf dem Hochkönig (2941 m). Der Steig führt über die Teufelshörner, den Kummetstein und endet am Hohen Kopf (2875 m). Dabei verläuft er meist direkt an der wilden Gratkante und äußerst spektakulär über kleine und große Schluchten sowie acht zum Teil sehr spitze Türme.

Da man von den Turmgipfeln meist sehr steil wieder absteigt und den darauffolgenden Turm wieder raufsteigen muss, werden die 700 Klettermeter zur Belastungsprobe. Auch landschaftlich ist der Steig sehr eindrucksvoll. An schönen Tagen ist das Panorama unschlagbar. Die Erbauer verlegten über die gesamte, sehr abwechslungsreiche und zum Teil recht ausgesetzte Länge eine fast durchgehende Seilsicherung - bis auf einige leichte ungesicherte Gehpassagen.

Gegen 11:30 Uhr war es dann endlich soweit. Nach Anlegen der Klettersteigausrüstung und des obligatorischen Sicherheitschecks konnten wir die ersten Klettermeter am Einstieg an der Hohen Scharte überwinden. Von jetzt ab waren höchste Konzentration und immer wieder auch Kraftanstrengung gefordert, um die Klettersteigpassagen - überwiegend im Grad C, einige Stellen auch D - zu meistern. Darüber hinaus erwarteten uns einige besonders spannende Einlagen, wie z.B. der sogenannte „Jungfrauensprung“, ein gewagter Spreizschritt am Dientner Turm, oder die fünf Meter lange luftige Dreiseilbrücke über die Teufelsschlucht.

Ein weiteres Schmankerl sollte uns eigentlich in Form des 20 Meter langen Flying Fox am Teufelshörndl erwarten. Leider war vor Ort keine Rolle vorhanden, so dass uns dieser Spaß leider verwehrt blieb. Nur zwei hartgesottene Teilnehmer nahmen die Herausforderung mit viel Kraftanstrengung auf sich. Alle anderen Teilnehmer entschieden sich für die Umgehung durch die 20 Meter tiefe Rinne.
Königsjodler 037

Dass wir – aufgrund der langen Anreise – relativ spät gestartet waren, erwies sich mit Blick auf die schier endlos erscheinende Karawane an Bergsteigern auf dem Weg zum Hohen Kopf als Vorteil. Wir waren fast alleine im Klettersteig unterwegs und mussten auch an schwierigen Stellen nie anstehen.

Dieser letzte Turm erforderte nochmals volle Armkraft und erst am Ausstieg waren wir dem letzten Ziel, dem Matrashaus, wirklich nah.

Das traumhafte Wetter und die fantastische Fernsicht erlaubten immer wieder den Genuss des Panoramas, aber auch atemberaubende Tiefblicke. Doch jetzt, nach getaner Arbeit, konnten wir die faszinierende Landschaft erst richtig genießen.

Die letzten Höhenmeter legten wir erschöpft, aber glücklich bis zu unserem Tagesziel, der Schutzhütte des Österreichischen Touristenklubs auf dem Gipfel des 2941 Meter hohen Hochkönigs - und damit einem der höchstgelegenen in den Ostalpen - zurück. Wir passierten auch den Einstieg zum Abstieg durch das Birgkar, einer ungesicherten Abstiegsvariante durch steiles Schrofengelände, die berüchtigt ist wegen der auch im Spätsommer oft noch steilen Schneefelder und der großen Steinschlaggefahr. Bei unserem Weg über den Klettersteig hatten wir immer wieder die entsprechenden Warnrufe - „Achtung Stein!“ - von Bergsteigern aus der Tiefe vernommen und waren froh, nicht diesen Weg nehmen zu müssen.

Der Abstieg am nächsten Tag gestaltete sich nicht minder anstrengend. Insgesamt 1400 Höhenmeter waren zu überwinden, um vom Matrashaus über die (längere) Normalroute via Übergossener Alm, Torsäule, Mitterfeldalm zum Arthurhaus und weiter über die Brandstatthütte zum Ausgangspunkt am Dietner Sattel zu gelangen. Die urige Mitterfeldalm, traumhaft gelegen auf der Sonnenterrasse des Hochkönigs, bot nicht nur Gelegenheit für eine ausgiebige Brotzeit, sondern auch um im Liegestuhl den herrlichen Panoramablick auf das Tennengebirge bis zu den Hohen Tauern zu genießen.

Bei der Abschlusseinkehr in der Dientalm gegen 17 Uhr konnten wir diese eindrucksvolle Bergtour bei einem frischen Kaltgetränk begießen und die Erlebnisse Revue passieren lassen.

Mein persönliches Fazit: Das Highlight der Bergsteigersaison 2019!
Königsjodler 049


Lischanahütte4-Tages-Tour durch den Schweizer Nationalpark/Sesvennagebiet vom 22. – 25.08.2019

Unter der Führung von Werner und Annette waren 11 Teilnehmer unterwegs, die Gipfel im Sesvenna-Gebiet zu ersteigen. Für 4 Teilnehmer war es ein besonderes Abenteuer, denn sie hatten noch nie einen 3.000er bestiegen. Sollte es diesmal gelingen?

1.Tag: Donnerstag brachen wir um 6:30 Uhr bei sonnigem Wetter in Augsburg auf ins Unterengadin nach Sur-En, dem Endpunkt der Uina-Schlucht. Dort deponierten wir ein Auto, über das wir am 4. Tag sehr froh waren. Mit den nun vollgepackten restlichen Autos ging es weiter nach Scuol und hoch zum Parkplatz der Lischanahütte auf ca. 1.400m. Mit vielen Fotopausen wanderten wir in 3 ½ Stunden über blumenreiche Bergwege zur Lischanahütte auf 2.500m. Ein großartiger Aussichtsbalkon mit Sicht auf die südliche Silvretta! Nach einer kurzen Rast auf der Hütte erkundeten wir noch die Umgebung (Steinböcke in Hüttennähe und Anni entdeckte sogar ein Edelweiss), bevor es zum Abendessen (gut, reichlich mit Nachschlag-Möglichkeit!) ging. Und danach erlebten wir, mit welcher Gewalt ein Gewitter in dieser Region sich austobt. Der Weg zum auswärtigen WC war trotz Schirm mit nassen Füßen verbunden!

2. Tag: Freitagmorgen lachte die Sonne wieder. Nach dem Frühstück mit echtem Bircher Muesli und selbstgebackenem Brot ging es bei schönem Wetter hinauf zur Rims-Hochfläche - mit Parkbank auf 2.800m! – und Weiterweg zu unserer großen und einsamen Kammüberschreitung mit tollem Panorama. Nach der Besteigung des Piz D’Immez (3.026m und 3.033m, Schneehühner!) wurden unsere vier 3.000er-Aspiranten am Gipfel von der Gruppe mit einem Wanderstockspalier per Handschlag empfangen. Nach den Glückwünschen und einer Gipfelrast ging es auf dem Grat weiter zu den nächsten 3.0000ern (Piz Cristanas (3.092m) – Piz Rims (3.050m)) und über den Schadler (2.948m) zur Sesvennascharte. Bei zunehmender Bewölkung stiegen wir zur Sesvennahütte ab. Wir hatten Glück, der Regen setzte erst ein, als wir schon in der Hütte mit einem Willkommensgrappa empfangen wurden. Der restliche Nachmittag wurde dann gemütlich auf der Hütte verbracht. Abends genossen wir gemeinsam ein kulinarisches 4-Gänge-Menü auf der Sesvennahütte.
Sesvennahütte



 


3. Tag: Am Samstag stand dann eine Rundtour mit Tagesgepäck an. Wir stiegen zunächst auf Gipfelspalier am Piz dImmezden Piz Rasass (2.941m) und über den langen Gratweg hinüber zur Seebodenspitze (2.859m) mit schöner Aussicht auf den Reschensee. Weiter ging es bergab über die Haider Alm zur Einkehr auf der Brugger Alm und hinauf zum Mäuerle. Heute hatten wir wieder Wetterglück: die für nachmittags angekündigten potentiellen Schauer- und Gewitterwolken verzogen sich Richtung Ortler und Weißkugel und wir blieben trocken. Der ebene Panorama-Höhenweg zurück zur Sesvennahütte war noch ein schöner Abschluss. Abends gab es wieder ein ausgezeichnetes 4-Gänge-Menü. Dazu wurden wir von unseren vier Teilnehmen zur Feier der ersten 3.0000er-Gipfelerfolge zum Rotwein eingeladen, so daß der Abend feuchtfröhlich in netten Gesprächen über die vergangenen Touren zu Ende ging.

4. Tag: Am Sonntag kam dann der alpinhistorische Abschluss: Der Abstieg durch die Uina-Schlucht! (erbaut 1908-1910, 1000m langer Felsenweg mit 2 Tunneln und 1 Gallerie in senkrechter Wand). Um 8:00 Uhr (wiederum bei herrlichem Wetter) brachen wir auf. Noch vor der Schlucht überholten uns die Radfahrer von der Hütte und wir hatten durch die Schlucht hindurch keinen Gegenverkehr. Erst danach kamen uns die ersten Radler von Sur-En entgegen. So konnten wir den spektakulären schmalen Felsenweg in Ruhe genießen und fotografieren. Es folgte noch eine gemütliche Einkehr in der Alpe Uina Dadaint mit Trinkjoghurt und Informationen über Alpkäseherstellung sowie ein Treffen des örtlichen Försters, der uns die Möglichkeit der Gemsenbeobachtung durch sein Fernglas anbot. Danach stiegen wir noch 2 Stunden ab nach Sur-En. Schön, daß wir hier eines unserer Autos hatten, so daß die Rückholung der restlichen Autos vom Ausgangsort reibungslos funktionierte. Der Rest der Gruppe vergnügte sich zwischenzeitlich auf dem Volksfest in Sur-En.

Vielen Dank an alle Beteiligten, es war eine superschöne Tour und hat Riesenspaß gemacht!

Annette Gröbner
Gipfel Piz dImmez 3.026 m

Königsjodler

Königsjodler

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