Nachlese Spontane NATour rund um die Otto-Mayr-Hütte

Von Jochen Cantner, Annette Gröbner und Thomas Sailer

Aussichtspunkt Achsel
Angesichts der hervorragenden Wetterprognose fürs zweite Juniwochenende veranstaltete die Bergsteigerabteilung mittels kurzfristiger Ausschreibung und Durchführung eine spontane NATour zu unserer sektionseigenen Otto-Mayr-Hütte in den Tannheimer Bergen. Hierbei wurden Bergsport und Naturerlebnis & -lernen kombiniert. Der Aufstieg in Richtung Hütte erfolgte von Musau zunächst auf den Aussichtspunkt Achsel und weiter zur Musauer Alm. Dort teilte sich die Teilnehmerschaft in zwei Gruppen auf. Die erste Gruppe erklomm auf schmalen und steilen Pfaden den Hausberg Große Schlicke (2.059 m), die zweite Gruppe peilte den Friedberger Klettersteig an mit Bestieg des Schartschrofens (1.968 m). Später traf man sich zur fröhlichen Einkehr auf der Otto-Mayr-Hütte und besichtigte bei dieser Gelegenheit den nahegelegenen Alpenpflanzengarten, der von unserer Sektion vor rund 35 Jahren angelegt wurde und mit großem Engagement vom Referenten Reinhard Mayer und seinem Team instandgehalten und betreut wird.

Auf unserer Tour konnten wir bereits im Aufstieg durch den herrlichen Mischwald eine Vielzahl an Frühblühern entdecken, bei denen eine Identifizierung relativ einfach ist, so etwa Frauenschuh, Knabenkraut, Schusternägele, Stängelloser Enzian, Storchenschnabel und Weißes Waldvögelein. Schwieriger gestaltet es sich bei noch blütenlosen Pflanzen, bei denen man sich insbesondere an den Blattformen und -anordnungen orientieren kann. So konnten wir beispielweise den recht ähnlich aussehenden Weißen Germer und Gelben Enzian am Blattstand unterscheiden. Am Schartschrofen machten wir sogar das Edelweiß aus, erkennbar an markanten Laubblättern und Ansätzen der späteren Blütenkörbchen. Interessant ist auch der Einfluss der Geologie: Die im Zielgebiet vorherrschenden Raibler-Schichten bieten mit ihrem großen Spektrum an Sedimenten einer Vielzahl von bodenspezialisierten Alpenpflanzen Lebensräume in unmittelbarer Nachbarschaft. Eindrückliches Beispiel hierbei ist die Alpenrose, die je nach saurem oder basischem Bodenmilieu als rostblättrige oder behaarte Variante in Erscheinung tritt. Und auch die Fauna kam nicht zu kurz: Schwebfliegen und Schmetterlinge allerorten, allen voran der Kleine Fuchs, eine Kolonie Junikäfer und schließlich die obligatorische Gams!

Bergsportlich hatten wir ebenfalls viel Freude. Der Aufstieg zur Großen Schlicke war zwar recht mühsam, denn die Sonne brannte und der letzte Steilhang erfordert Trittsicherheit. Aber oben wehte ein kühles Lüftchen, und der Panoramablick auf die mächtigen Tannheimer Gipfel mit ihren Kalksteinspitzen Rote Flüh, Gimpel, Kellen- und Gehrenspitze ist phänomenal! Auch der Friedberger Klettersteig hatte seinen Reiz: Für Novizen bestens geeignet, zudem gab es im Vorfeld einen umfänglichen Ausrüstungscheck sowie einen basalen Knotenkunde-Kurs. Unser Einstieg erfolgte an der Gelben Scharte, von dort aus geht es im Schwierigkeitsgrad B/C zum Schartschrofen-Gipfel. Alles gelang hervorragend – jetzt sind die Teilnehmer*innen zu Höherem berufen!

Fazit: Ein herrlicher Tag, das neue Konzept „Spontane Touren“ der Bergsteigerabteilung findet großen Anklang!
Impressionen Große Schlicke




































Impressionen Friedberger Klettersteig





































Titelbild: Gruppenbild am Aussichtspunkt Achsel, Foto: Annette Gröbner
Bildblock 1: Impressionen Große Schlicke, Fotos: Annette Gröbner
Bildblock 2: Impressionen Friedberger Klettersteig, Fotos: Jochen Cantner und Thomas Sailer

 

Bild1 Gipfelglück auf dem Monte Scherbelino

Von Jochen Cantner;

Die von der Bergsteigerabteilung Mitte Mai sehr kurzfristig ausgeschriebene und bei herrlichem Frühsommerwetter veranstaltete „Augsburger 3-Gipfel-Tour“ war nicht nur rad- und bergsportlich interessant, sondern umfasste fachlich das gesamte Themenspektrum Natur, Umwelt, Kultur.

Bereits am Startpunkt der Tour, dem Hochablass am Augsburger Alpenfluss Lech, konnte man erfahren, dass das historische Wehr von 1911/12 eine tragende Komponente der weltberühmten Wasserwirtschaft der Stadt Augsburg darstellt (Stichwort UNESCO-Welterbe). Leider gibt es aber auch Schattenseiten: die vielen Staubauten und Wehre, die ihren Anfang am Forggensee bei Füssen nehmen, verhindern das natürliche Kiesgeschiebe, was eine Vertiefung des Flussbettes mit negativen Auswirkungen auf das Grundwasser hat, ganz abgesehen von den ungünstigen Bedingungen für Fauna & Flora. Mit diesen Hintergrundinformationen radelten wir am Lech entlang flussabwärts nach Gersthofen zum ersten Gipfel der Führungstour.

Gipfel 1: Monte Scherbelino

Es handelt sich dabei um die ehemalige Hausmülldeponie Nord der Stadt Augsburg, betrieben seit den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts, mittlerweile stillgelegt, saniert und auch renaturiert. Seit 2016 wird der Altberg als Naherholungsgebiet genutzt, an seine Vergangenheit erinnern nur noch die Entgasungsschächte und – gut versteckt zwischen üppigem Grün – die technischen Einrichtungen des Deponiegaskraftwerks und der Kläranlage für das Sicker- und Oberflächenwasser. Hinauf zum Gipfel sind 55 Höhenmeter zu überwinden, dazu gibt es unterschiedliche Wanderwege mit einem Wegenetz

von rund 2400 Metern. Seit September 2019 ziert den „Monte Scherbelino“ ein sturmgeprüftes Gipfelkreuz, gestiftet von der Abteilung Alpin des TSV Gersthofen. Im Frühjahr und im Herbst nutzen Zugvögel das Gebiet als Rastplatz. Die angelegte Graslandschaft, die ursprünglich aus der Firnhaberau-Heide in Jute-Kokosmatten eingewebt und umgesiedelt wurde, bietet Nahrung und Schutz. Weiter unten im bewaldeten Bereich fühlen sich Kleinwild und Reptilien wohl.

Intermezzo 1: Branntweinbach und Höhgraben

Ganz in der Nähe nordwärts liegt die Gersthofener Lechheide, durchzogen von verschiedenen Bächen und Gräben. Interessant für die Erkundung im Rahmen unserer Exkursion waren die beiden einstmaligen Quellbäche Branntweinbach und Höhgraben. Der Branntweinbach hatte seine Quelle im heutigen Gebiet der Hammerschiede und verlief in nördlicher Richtung durch Feldflure und mündete gegenüber von Stettenhofen in den Lech. Allerdings fiel er bereits im 19. Jahrhundert sukzessive trocken. Grund hierfür war die Regulierung des Lechs mit der Folge der bereits benannten Eintiefung, wodurch auch der Grundwasserspiegel sank und die Quellen des Branntweinbachs versiegten. Im Jahr 1996 begann man zur Wiederherstellung des einstmaligen Wasserbiotops, Lechwasser durch eine Rohrleitung aus dem Lechkanal und über den neugeschaffenen Chardonnaybach in den Unterlauf des Branntweinbachs einzuleiten. Durch die Wiederbewässerung konnten sich in der trockengefallenen Lechaue wieder wertvolle Feuchtlebensräume entwickeln. Ein ähnliches Schicksal widerfuhr dem Höhgraben, dessen Quellen nahe des heutigen Industriegebiets Lechhausen lagen. Nach dem Jahrhundertsommer im Jahr 2003 fiel er nahezu komplett trocken. Eine Erholung fand aber nicht mehr statt und mit Trockenfall verschwanden seltene Tier- und Pflanzenarten. Ursachen sind hier die Flächenversiegelung des stetig wachsenden Industriegebiets, wodurch das Regenwasser in der Kanalisation verschwindet und somit nicht mehr ins Grundwasser gelangt, und auch die allgemeinen Auswirkungen des voranschreitenden Klimawandels, gekennzeichnet durch geringere bzw. niederfrequentere Niederschläge. Mittels eines Flurneuordnungsverfahrens möchte die Stadt Augsburg zunächst auf die Flächen des Höhgrabens Zugriff erlangen und im Weiteren eine Wiederherstellung des Biotops erreichen.

Gipfel 2: Mount Bärenkeller

Als Beispiel für vorbildliche Landschaftsgestaltung gilt der „Mount Bärenkeller“, der zweite Gipfel unserer NUK-Exkursion. Hierbei handelt es sich um die naturschutzrechtliche Ausgleichsfläche des vor 25 Jahren von den Städten Augsburg, Gersthofen und Neusäß errichteten Güterverkehrszentrums Raum Augsburg (GVZ), welche rund ein Drittel der Gesamtfläche des Zentrums von 120 Hektar einnimmt. Dabei handelt es sich um Grünland-, Gehölz-, Rohboden- und Wasserflächen, dabei auch mit einer Erhebung, die aus dem Aushub für die Baulichkeiten des GVZ stammt. Der größte Teil davon ist mit zahlreichen Wegen und Bänken öffentlich zugänglich. Der höchste Punkt, der „Mount Bärenkeller“, wird auch hier von einem Gipfelkreuz geziert. Insgesamt wurde ein artenreicher Lebensraum für Tiere und Pflanzen und ein abwechslungsreiches Gelände für Spaziergänger geschaffen. Diese Art der Grünplanung sollte für alle Gewerbe- und Entwicklungsgebiete gelten.

Intermezzo 2: Naturschutzrechtliche Ausgleichsfläche an der Universitätsklinik Augsburg

So auch für die neue Universitätsklinik Augsburg bei Neusäß, welche sich gerade mit umfangreichen Bauarbeiten aus dem ehemaligen Zentralklinikum entwickelt und entsprechende naturschutzrechtliche Ausgleichsflächen erfordert. Den aktuellen Stand konnten wir beim Vorbeiradeln in Richtung des dritten Gipfels unserer Exkursion einsehen. Dort wurde vom 

Landschaftspflegeverband Augsburg bereits arrondierendes Ackerland in blütenreiche Blumenwiesen umgewandelt und dabei Totholz, Sand- und Steinhäufen eingebracht, was insbesondere Insekten, Reptilien und Vögeln neuen Lebensraum bieten soll. Details der Planung und Umsetzung und vermittelt ein Naturerlebnispfad mit Informationstafeln.

Gipfel 3: Bismarckturm

Über die steile Asphaltrampe im Neusässer Ortsteil Steppach erreichten wir schließlich den guten alten Bismarckturm. Auch hier gibt es ein Gipfelkreuz, allerdings vorgelagert und mit vornehmlich religiöser Intention. Der Bismarckturm selbst wurde zu Ehren des ersten deutschen Reichskanzlers Fürst Otto von Bismarck beginnend im Jahr 1901 und in vierjähriger Bauzeit errichtet. Er entspricht dem Einheitsentwurf „Götterdämmerung“ und ist damit baugleich mit rund 50 anderen Bismarcktürmen und -säulen, die an vielen Orten des damaligen Deutschlands, in den ehemaligen Kolonien sowie auf allen Kontinenten errichtet wurden. Der Turm steht auf Neusässer Stadtgebiet, die Stadt Augsburg ist Eigentümer des Turms und des umgebenden Geländes, der Erholungsgebieteverein Augsburg e.V. ist für dessen Unterhaltung verantwortlich. Sommerzeits ist der 20 Meter hohe Turm öffentlich zugänglich, und vor dem Bau der Kletterhalle der DAV-Sektion Augsburg und anderer künstlicher Kletteranlagen war er ein beliebter Boulderfelsen. Thomas Sailer, Leiter der Bergsteigerabteilung, bot uns dazu eine eindrucksvolle Demonstration – wie auch schon zuvor an der öffentlichen Kletterwand am Wasserspielplatz Flößerpark am Lech.

Intermezzo 3: Wertach-Kraftwerk am Gollwitzer Steg

Die Weiterfahrt zum Endpunkt unserer Tour an der Wertach, dem zweiten Augsburger Alpenfluss, führte uns über den Gollwitzer Steg und vorbei am Wertach-Kraftwerk. Dieses Wasserkraftwerk wurde im Jahr 1920/1921 von der Stadt Augsburg zur Stromversorgung der Augsburger Straßenbahn erbaut und später dazu der Wertachkanal in Verlängerung des Fabrikkanals angelegt. Das Wertachflussbett ist an dieser Stelle heute sehr viel tiefer als der Wertachkanal, Stichwort Eintiefung. Das Kraftwerk, mittlerweile in privater Hand und bewohnt, soll weiterhin erhalten werden. Aktuell wird nach 101 Jahren Betrieb die zweite Turbine ersetzt. Ebenfalls bemerkenswert: das walmdachbesetzte Kraftwerksgebäude mit einem recht dekorativen Mosaikbild der Wertach, offensichtlich in einem Gustav Klimt Neo-Stil.

Mit diesen schönen und vielfältigen Eindrücken und mit rund 40 Rad- und Bergkilometern in den Beinen begaben wir uns zum Abschluss unserer Führungstour zur nahegelegenen Kulperhütte und ließen dort die reichhaltige NUK-Exkursion mit einem zünftigen Bio-Radler ausklingen. Herzlichen Dank für den gelungenen und lehrreichen Tag an alle Beteiligten!
Bildblock 1v4 Impressionen von Monte Scherbelino & Branntweinbach und HöhgrabenBildblock 2v4 Impressionen von Mount Bärenkeller & Ausgleichsfläche Universitätsklinik AugsburgBildblock 3v4 Impressionen vom Bismarckturm & FlößerparkBildblock 4v4 Impressionen vom Wertach-Kraftwerk & Kulperhütte
Titelbild: Gipfelglück auf dem Monte Scherbelino
Bildblock 1: Impressionen von Monte Scherbelino & Branntweinbach und Höhgraben
Bildblock 2: Impressionen von Mount Bärenkeller & Ausgleichsfläche Universitätsklinik Augsburg
Bildblock 3: Impressionen vom Bismarckturm & Flößerpark
Bildblock 4: Impressionen vom Wertach-Kraftwerk & Kulperhütte


























NATour rund um die Otto-Mayr-Hütte

NATour rund um die Otto-Mayr-Hütte

Nachlese Spontane NATour rund um die Otto-Mayr-Hütte Von Jochen Cantner, Annette Gröbner und Thomas SailerAngesichts der hervorragenden Wetterprognose fürs zweite Juniwochenende veranstaltete die...
﹥ Weiterlesen
NUK-Exkursion „Augsburger 3-Gipfel-Tour“

NUK-Exkursion „Augsburger 3-Gipfel-Tour“

Von Jochen Cantner;Die von der Bergsteigerabteilung Mitte Mai sehr kurzfristig ausgeschriebene und bei herrlichem Frühsommerwetter veranstaltete „Augsburger 3-Gipfel-Tour“ war nicht nur rad-...
﹥ Weiterlesen
Natur-Exkursion am Augsburger Alpenfluss Wertach

Natur-Exkursion am Augsburger Alpenfluss Wertach

Die von der Bergsteigerabteilung Ende April veranstaltete Exkursion „Natur erleben und entdecken an der Wertach“ fand den Erwartungen folgend großen Anklang – innerhalb kurzer Zeit war die...
﹥ Weiterlesen
Erfolgreiche Langlauf- und Schneeschuhwoche in...

Erfolgreiche Langlauf- und Schneeschuhwoche in...

Max Hetmanek (Skiabteilung-Langlauf) und Werner Böhm (Bergsteigerabteilung-Schneeschuhgehen) haben 2022 erstmals gemeinsam eine Tourenwoche mit dem Storz-Bus angeboten. Der Bus war mit ca. 3/4...
﹥ Weiterlesen
4 Tage Kalkkögel und Urgestein, rund um das...

4 Tage Kalkkögel und Urgestein, rund um das...

19.08.2021 Anreise Augsburg – Senderstal – Adolf-Pichler-Hütte; Nachmittagstour Gamskogelrunde Nach Zustiegen in Augsburg und Königsbrunn fuhr unsere zunächst 10-köpfige Truppe über...
﹥ Weiterlesen
Mehr Anzeigen
Don't have an account yet? Register Now!

Sign in to your account