alpenblick2 2019 Nepal 2018 Bild 9 WebAbendstimmung bei Gosainkund: ganz links die Annapurna-Gruppe, links der Mitte der Manaslu, rechts der Ganesh Himal

Das Langtang stand schon lange auf meiner Wunschliste. Beim schweren und tragischen Erdbeben am 25. April 2015 wurde diese Region stark getroffen. Tourismus ist jetzt in der Wiederaufbauphase das Wichtigste für die so schwer geprüfte Bevölkerung. Und die landschaftlich sehr reizvolle Region im Norden Kathmandus ist eine Trekkingreise unbedingt wert. Also diesmal, 2018, Langtang! Dreizehn Sektionsmitglieder haben sich von meinem Nepalvirus anstecken ließen, was mich natürlich ganz besonders gefreut hat.

Vorberge

Nach dem ersten Tag in Kathmandu mit Sightseeing und ersten Souvenireinkäufen fahren wir mit einem Bus in die nahe der Hauptstadt gelegene Region Helambu, um nach zwei Stunden Fahrt unser Trekking in den Vorbergen mit ihrer bäuerlichen Region zu beginnen. Unsere sieben Träger von Iceland Trekking, einer lokalen Agentur, übernehmen das Hauptgepäck. Start. Für die Menschen dieser Region ein Segen, für den Wanderer ein Wermutstropfen sind die in die Berghänge gefrästen Verbindungsstraßen zwischen den Dörfern. Zum Glück finden unsere beiden Guides immer wieder die alten, einfachen Fußwege.

In den ersten Tagen begleitet uns vor allem nachmittags feuchtkalter Hochnebel und die erste Lodge habe ich mir auch ganz anders gewünscht. Der Ort ist durch das Erdbeben gekennzeichnet, ein praktisch neues „Hotel“ ist nach einer Seite gekippt. Unsere Lodge steht gerade, dafür modert und schimmelt es in den Zimmern und „warm“ habe ich irgendwie anders in Erinnerung.

Dafür sind alle Folgeunterkünfte nepalesisch perfekt. Einfache Zimmer, ein holzbefeuerter Ofen garantiert einen warmen Gastraum, wir als einzige Gäste, freundliche Wirtsleute und unsere immer hilfsbereiten Begleiter.

Nach ein paar Anlaufschwierigkeiten schaffen wir vierzehn Individualisten es dann auch, uns auf ein paar praktische Basics zu einigen wie etwa ein oder zwei Einheitsgerichte zu Mittag, um die Garküchen nicht an ihre Grenzen zu bringen.

Laurebina Pass

Ganz so easy bekommen wir das erste Highlight nicht geschenkt. Der 4.600 Meter hohe Laurebina Pass will schon erobert werden. Dank der Empfehlung unseres erfahrenen ersten Guides Jangbu Sherpa nehmen wir uns beim Herantasten an die Höhe einen Tag mehr Zeit als geplant. Dass ein Teil von uns dann mit der Stirnlampe absteigen und erst spät am Abend die Lodge erreichen wird, ist den gesundheitlichen Umständen einiger Teilnehmer geschuldet, die sich aber mit zusammen gebissenen Zähnen tapfer schlagen.

Oben auf dem Pass freilich ist bei allen die Freude groß. Gebetsfahnen. Ein Traumrundumblick. Fern im Westen das Annapurna-Massiv, daneben der Manaslu, im Nordwesten die Berge des Ganesh Himal und direkt unter uns unter einer Eisdecke der Surjakund-See. Kurz nach dem Pass passieren wir die für Shiva-Anhänger heiligen Gosainkund-Seen, im weiteren Abstieg dominiert im Nordosten das imposante Massiv des Langtang Lirung.  Ein wunderschöner Sonnenuntergang taucht die Berge in goldenes Licht.

Langtang

Ich weiß nicht wie lange, aber am Rand der mächtigen Geröllhalde saß ich eine Weile und habe versucht, mir vorzustellen, wie der Ort vor dem Erdbeben aussah, was die Stein- und Eislawine begraben und zermalmt hat. Heute liegt die Geröllhalde fast unschuldig wirkend da, Fotos unmittelbar nach der Katastrophe zeigen zerstörte Häuser, zersplittertes Holz. Die gewaltige Druckwelle, die der Lawine vorauseilte, hatte die Häuser zerstört, die nachfolgenden Stein – und Eismassen haben dann alles unter sich begraben. Zum Zeitpunkt des Erdbebens inmitten der Trekkingsaison im Frühjahr muss hier um die Mittagszeit Hochbetrieb gewesen sein. Binnen Minuten kamen 243 Menschen ums Leben. Eine Gedenkstätte mit den Namen der Toten erinnert an sie. Traurig gehe ich weiter.

Fast fünftaused

Wir übernachten in einer schönen Lodge in Kyanjin Gompa auf 3.800 m Höhe und starten nach einer Tasse Tee bereits um fünf Uhr morgens. Die knapp 1.200 Höhenmeter hoch zum Fastfünftausender Tserko Ri sind hart erarbeitet. Es ist dunkel, es ist kalt, vor allem meine Finger werden taub – die haben vor vielen Jahren mal zu viel Frost abbekommen. Wenn ich nicht genau wüsste, was mich oben erwartet, würde ich sicher noch im Schlafsack liegen und mich nicht nach Luft ringend Schritt für Schritt durch das Blockwerk nach oben plagen.

Aber dann, nach sechs Stunden erreichen wir den Gipfel: Vier unserer Begleiter und acht von uns. Gebetsfahnen flattern und rund um uns stehen die imposanten Eisriesen, den Nordwesten dominiert ganz nah der Langtang Lirung (7.227 m). Und der südliche Horizont wird von vielen hohen Sechstausendern begrenzt. Freuen, Schauen, Fotografieren – das Losreißen fällt schwer.

alpenblick2 2019 Nepal 2018 Bild 17 WebGipfel-Panorama: v.l. Pemthang Karpo Ri (6.830 m), Langshisa Ri (6.413 m), Dorje Lhakpa (6.966 m), Gangchenpo (6.387 m)

Abschied

Der Rückweg durchs Langtangtal ist nochmal kräftezehrend. Wir müssen den „verlorenen“ Tag der ersten Woche wieder reinholen und geben beim Abstieg richtig Gas. In der letzten Lodge in unserem Zielort Syabru Bensi feiern wir dann ausgiebig mit unseren Begleitern. Gemeinsames Dal Bhat (das traditionelle Gericht mit Reis und Linsensauce), fetzige Musik, Bier, Raksi, Dankeschön an die Freunde, Trinkgeld und Tanz – alle sind glücklich an diesem Abend. Die ewig lange Rückfahrt auf unbefestigten Gebirgsstraßen mit unglaublichen Schlaglöchern ist zum Glück erst morgen – und von den üblen Nachwirkungen des mit was für einem Wasser auch immer verdünnten Raksi wissen wir auch noch nichts.

Zwölfmal Nepal

Nein, ich bin nicht abergläubisch! Daher Nepal, die dreizehnte: Vom 17.11. bis 07.12.2019 hat das nächste Trekking das Gokyo-Tal zum Ziel, es ist meine dreizehnte Reise nach Nepal und die vierte Reise mit der Sektion, auch 2019 zusammen mit der Alpinschule Augsburg als Veranstalter! Vor allem freue ich mich wieder auf die lokalen Begleiter, die einen super Job gemacht haben – und auf Sie.

Kommen Sie mit? Kontaktieren Sie mich gerne bei Interesse: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!