alpenblick2 2018 Nepal 2017 Bild 1 Web
Mount Everest (8.848 m), Südsattel (7.986 m) und Nuptse-Gipfel (7.879 m)

Da stehen wir nun oben, auf dem Kala Pattar, 5.643 m hoch. Und in zehn Kilometern Entfernung ist der Gipfel des Mount Everest zu sehen, rechts darunter der Südsattel, der letzte Zwischenstopp der Expeditionen auf dem Weg nach ganz oben.

Verwegene Fantasien

Daheim, beim Anschauen der Fotos, machen sich nach einiger Zeit ganz seltsame Gedanken breit. Der Berg wirkt nach längerer Betrachtung eigentlich gar nicht so schroff und schwierig, die Steigung der rechten Flanke des Gipfelaufbaus für die letzte Etappe ist eher moderat, der Südsattel schaut ziemlich harmlos und viel niedriger aus, das da drüben kommt mir nach ein paar Minuten fast schon vertraut vor, irgendwie ist das Ganze also wohl machbar.

Geerdet

Wenn da nicht die Erinnerung an den Kala Pattar wäre, an die letzten paar hundert Meter hoch auf den – nun ja – Geröllhaufen, an die Anfeuerungsrufe der Schnelleren der Gruppe, an die ganz langsamen Schritte und das heftige Schnaufen, die Hoffnung, dass die Quälerei bald zu Ende ist. Diese Erinnerung erdet einen sehr schnell wieder, die zehn Kilometer bis zum Everest sind für den Normalsterblichen nur mit dem Fotoapparat und einem Teleobjektiv überwindbar.

Zwölffache Gipfelfreude

Demut vor dem höchsten Berg der Erde, Riesenrespekt vor den Ersteigern und Zufriedenheit nach einer der schönsten Trekkingtouren in Nepal bleiben als Gefühle. Auch das Wissen um die tolle Gruppe lieber Bergfreund*innen, von 19 bis 62 Jahren bunt gemischt, mit unglaublicher Energie trotz vereinzelter Wehwehchen wie Kopfschmerz, Erkältung und Übelkeit – alles im unkritischen Bereich! – und einer zwölffachen Freude auf dem Gipfel. Die Aussicht, der Rundumblick: atemberaubend, passend zur Anstrengung. Everest, Nuptse, Lhotse gegenüber, Changtse, Pumo Ri, Jobo Lhaptshan, Taboche ganz nah und auf der anderen Seite des Haupttals Tramserku, Kang Taiga und die spektakuläre Ama Dablam.

Bizarre Welt

In der späten Jahreszeit Ende November bis Mitte Dezember waren wir (fast) alleine unterwegs auf der Nepal-Highlight-Tour zum Everest, die vom DAV Summit Club veranstaltet wurde. Der immer wieder spannende Flug nach Lukla, die spätherbstliche Stimmung, freundliche Begleiter, kalte Lodges, viele Yak-Kolonnen, schwer beladene Träger, trockene, staubige Wege prägten unsere Erinnerung. Um uns herum eine bizarre Welt aus hoch aufragenden Sechstausendern, Siebentausendern und Achttausendern, an deren Berghängen sich unsere Pfade entlang schlängelten. Frühstück und Abendessen in Mütze und Daunenjacke, sechs, sieben, acht Stunden unterwegs, und nach 21 Uhr waren die meisten schon im Schlafsack. Bizarr auch das Everest-Basecamp, Geröll auf Toteis und im Hintergrund der Khumbu-Eisfall, die erste schwere Hürde auf dem Weg der gut 40 Expeditionen, die 2017 im Frühjahr das Basecamp bevölkerten.

Höhe

Leider haben wir die Höhe auch von ihrer tragischen Seite kennengelernt. Ein junger Träger unserer Begleitmannschaft, Purna Rai, wurde in unserer höchsten Unterkunft auf 5.200 m krank, sein Abtransport hinunter in ein tiefer gelegenes Dorf und die Versorgung mit Sauerstoff haben nicht mehr geholfen. Beim Abstieg von Basecamp haben wir von seinem Tod erfahren. Unsere Freude und der Stolz nach dem schönen Trekking mischen sich jetzt mit tiefer Betroffenheit und Traurigkeit. Purna werden wir nicht vergessen. Die Leistung unserer Begleiter – ihr Kummer um den Freund und ihr trotzdem uneingeschränktes Sorgen um uns – lässt sich kaum angemessen würdigen.

Erste Hilfe

Ein solider Outdoor-Erste-Hilfe-Kurs ist meine Basis für unterwegs, für die Höhe reicht er aber nicht. Ich weiß jetzt, dass ich nach diesem schlimmen Vorfall vor der nächsten Tour nach Nepal eine Weiterbildung in Sachen Höhenkrankheiten absolvieren werde. Ich verlasse mich bei diesem Thema nicht mehr auf andere, vermeintlich entsprechend geschulte Guides. Es sollte doch möglich sein, auch einem Laien so viel an Rüstzeug zu vermitteln, dass er systematisch nach klaren Handlungsanweisungen gefährliche Symptome rechtzeitig erkennen und Gegenmaßnahmen einleiten kann – und darf. Gerade was Medikamente angeht, bräuchte ich ein wie auch immer geartetes OK für eine verantwortungsvolle Risikoabwägung. Mal sehen, von welcher Seite ich hierzu Unterstützung bekommen werde.

Elfmal Nepal

Noch immer nicht genug? Nein! Auch wenn viele Gipfel für mich zu weit weg sind, nah möchte ich ihnen trotzdem kommen. 15.11. bis 02.12.2018: Helambu, Gosainkund, Langtang – die nächste Sektionsreise zusammen mit der Alpinschule Augsburg! Kommen Sie mit? Kontaktieren Sie mich gerne bei Interesse: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!