Bei der Gründung der Sektion Augsburg reichte die gute alte Zeit bis ins Jahr 1869 zurück. Am 8. Juli dieses Jahres lud der Augsburger Buchhändler Theodor Lampart 40 Herren aus der besseren Gesellschaft unserer Stadt zur Gründungsversammlung des Deutschen Alpenvereins - Sektion Augsburg in das „Local Grünes Haus“ (die heutigen Hasenbräu-Stuben in der Annastraße). Zu diesen 40 gesellten sich 18 weitere, so dass die Sektion mit 58 Bergfreunden ihre Arbeit aufnehmen konnte. Nur wenige Monate zuvor hatte Lampart schon in München bei der Gründung des Dachverbandes mitgewirkt. Dank Lampart ist Augsburg eine der ältesten Sektionen im Alpenverein. Nur in München, Leipzig, Wien und Lienz/ Osttirol erfolgten die Gründungen noch früher.

Der Augsburger Alpenverein war einerseits zunächst ein Herrenclub mit wöchentlichen Treffen zur Geselligkeit, einer Bibliothek und monatlichen Vorträgen, um „die Kenntnis der Alpen zu erweitern und zu verbreiten“, wie es in der Satzung heißt. Aber die Sektion wandte sich auch unmittelbar praktischen Tätigkeiten zu, bemühte sich schon im Gründungsjahr um die Organisation des Bergführerwesens im Allgäu und finanzierte Wegarbeiten im Gebiet der Mädelegabel.

Arbeitsgebiet war zunächst das Allgäu. 1871 benannte sich die Sektion sogar zeitweise in „Section Allgäu“ um und verlegte 1873 ihren Sitz nach Immenstadt. Zu den berühmtesten Sektionsmitgliedern während dieser Zeit zählt der Bergsteigerpionier und Naturwissenschaftler Herrmann von Barth, der in den Ostalpen zahlreiche Erstbegehungen unternahm, bis er 1876 auf einer Forschungsreise in Afrika den Tod fand.

1883 traf der Zentralausschuss des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins die Entscheidung, den Hüttenbau in den Ostalpen zu fördern, und beschloss hierfür eine Neuaufteilung der Arbeitsgebiete. Der Augsburger Sektion wurde die Erschließung des Hauptkamms der Lechtaler Alpen angetragen. Hier sollte eine Hütte und ein Wegenetz eingerichtet werden. Unter dem Vorsitz von Otto Mayr übernahmen die Augsburger Bergfreunde diese Aufgabe. In den Folgejahren schulterte der damals nur aus 228 Mitgliedern bestehende Verein den Bau der Augsburger Hütte und später die Einrichtung des 1910 eröffneten Augsburger Höhenweges. Doch in der schnell wachsenden Sektion wünschte man sich schon bald eine zweite, schneller zu erreichende Hütte. Auf einer Sportausstellung entdeckte der Sektionsvorsitzende Otto Mayr 1899 ein als Fertighaus konzipiertes „Musterhaus für Bergsteiger“. Noch im selben Jahr erwarb die Sektion dieses Musterhaus und lies es mit Pferdegespannen in die Tannheimer Berge transportieren. Dort steht es, mit einigen Neuerungen und Erweiterungen, noch immer und trägt den Namen „Otto-Mayr-Hütte“.

In der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg verschoben sich die Gewichte in der Sektion weg von den Geselligkeitsveranstaltungen und Vorträgen eines Herrenclubs und hin zum aktiven Bergsteigen und der Jugendarbeit. Die Ski- und Bergsteigerabteilung wurden gegründet. Aber diese Zeit ist auch von zunehmenden antisemitischen und völkischen Tendenzen in der Sektion und einer Politisierung des Bergsports geprägt. So darf es nicht wundern, dass der Sektionsvorsitzende Carl Wolfrum schon wenige Wochen nach Hitlers Machtergreifung ein klares Bekenntnis zur „nationalen Erhebung im Deutschen Reich“ ablegte und die Sektion keine jüdischen Mitglieder mehr aufnahm. Die Nanga Parbat Expedition und der tragische Tod des mit Augsburg eng verbundenen Alpinisten Willy Merkl 1934 wurden im nationalsozialistischen Sinn umgedeutet und zu Propagandazwecken missbraucht.

Nach dem Ende des Krieges galt die Mitgliedschaft im Alpenverein bei Entnazifizierungsverfahren als belastender Tatbestand und der Verein und seine Sektionen wurden von der amerikanischen Militärregierung verboten. Die in Österreich liegenden Hütten waren enteignet. Erst im September 1946 konnte die Sektion ihre Tätigkeit unter dem Namen „Alpenclub Augsburg e.V.“ wieder aufnehmen. 1949 erhielt sie schließlich ihren alten Namen und 1958 ihre österreichischen Hütten zurück. In diese Zeit fällt auch der Bau einer weiteren Hütte der Sektion, der Otto-Schwegler-Hütte, die 1954 eingeweiht wurde.

Heute ist unsere Sektion der mitgliederstärkte Verein Augsburgs. Sie unterhält nach wie vor drei Alpenvereins-Hütten (Augsburger Hütte, Otto-Mayr-Hütte, Otto-Schwegler-Hütte) und zwei Sektions-Hütten (Angerhütte, Schwarzbergalpe), den Augsburger Höhenweg und einen Alpenpflanzengarten in den Tannheimer Bergen. Zu den Aufgaben der Sektion in den einzelnen Abteilungen gehört auch die Förderung des Naturverständnisses.