Bundesländerindex Mobilität GesamtergebnisBaden-Württemberg, Thüringen und Rheinland-Pfalz sind deutschlandweit Spitzenreiter beim Thema nachhaltige Mobilität. Bayern hingegen belegt den letzten Platz. Zu diesem Ergebnis kommt ein wissenschaftlicher Ländervergleich, den das Forschungsinstitut Quotas im Auftrag von Allianz pro Schiene, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) erstellt hat. Der „Bundesländerindex Mobilität & Umwelt 2018/19“ spiegelt die mobilitätsrelevanten amtlichen Statistiken und die verkehrspolitischen Weichenstellungen aller 16 Länder.

Die Gesamtplatzierung eines Landes errechnet sich aus den Ergebnissen in den fünf großen Baustellen der Verkehrspolitik“, erläuterte Thomas Krautscheid, Abteilungsleiter Verkehr und Umwelt bei Quotas. „Verkehrssicherheit, Lärmminderung, Flächenverbrauch, Klimaschutz und Luftqualität, das sind die Kernindikatoren, die wir betrachten und bewerten.“ Die statistischen Daten stammen aus amtlichen Quellen, die politischen Zielsetzungen der Länder fragte Quotas direkt bei den Verkehrsministerien der Länder ab. „14 Bundesländer haben uns in einem detaillierten Fragebogen die eigenen verkehrspolitischen Ziele erläutert“, sagte Krautscheid. „Mit Statistik, Antwortbögen und Eigenrecherche können wir dann am Ende genau bestimmen, wo in jedem Land die größten verkehrspolitischen Herausforderungen liegen und ob es vor Ort Ziele gibt, um diese Probleme anzugehen. Wir betrachten außerdem, ob sich die Daten im Verlauf der Jahre innerhalb des Zielkorridors weiterentwickeln.“ Aus all diesen Faktoren lasse sich dann schließlich die Platzierung für jedes Bundesland ermitteln.

Die Ergebnisse für Bayern

Bayern hat …

  • mit 3,1% der Bevölkerung weniger Verkehrslärmbetroffene als viele andere Länder.
  • 2017 pro Million Einwohner 47 Getötete und 887 Schwer­verletzte im Straßenverkehr – hohe Zahlen im Ländervergleich, aber eine Verbesserung gegenüber 2012. Das Ziel, 30% weniger Getötete bis 2020, ist weniger ambitioniert, als das der Bundesregierung und anderer Länder.
  • erneut als einziges Land keine CO2-Zahlen nach der Verursacherbilanz für den Verkehr veröffentlicht. Auch das generelle Klimaschutzziel ist wenig anspruchsvoll: Bis 2020 weniger als 6 Tonnen CO2 pro Einwohner. Dieser Stand war schon 2007 erreicht.
  • die größte Stickstoffdioxid-Konzentration in Städten: Nur Hamburg kommt 2017 auch auf 27 Mikrogramm pro Kubikmeter. Der Grenzwert wird im Jahresmittel ebenfalls überschritten.

Resümee

Für den BUND-Vorsitzenden Hubert Weiger zeigt das Länderranking deutlich, dass neben erkennbaren Fortschritten in einigen Bundesländern bis jetzt auch auf Länderebene keine ausreichenden Maßnahmen für eine Verkehrswende getroffen werden. Insgesamt werde auf Bundes- und Landesebene viel zu wenig getan, um die Klima- und Umweltziele zu erreichen. "Bremen, Rheinland-Pfalz und Thüringen haben die CO2-Emissionen im Verkehr nur marginal reduziert, in allen anderen Ländern sind die Emissionen gestiegen. Und ernüchternd müssen wir festhalten, dass eine tatsächliche Verkehrswende in keinem der Bundesländer erkennbar ist. Zwar haben zumindest Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Sachsen-Anhalt bereits CO2-Minderungsziele für den Verkehrssektor beschlossen, tatsächlich steigen die Emissionen aber weiter", sagte Weiger. Kritisch sieht BUND die in Folge des Abgasskandals immer noch zu hohen Stickstoffdioxidwerte: In zehn von sechzehn Bundesländern gab es 2017 Grenzwertüberschreitungen. "Die Länder müssen den Gesundheitsschutz der Bürgerinnen und Bürger ernst nehmen und endlich ausreichende, effektive Maßnahmen für die Luftqualität in unseren Städten umsetzen." Der BUND-Vorsitzende hob positiv hervor, dass es in immerhin neun Ländern konkrete Ziele zur Verringerung des Flächenverbrauchs gebe. "Allerdings würden derzeit noch 61 Hektar pro Tag für Siedlungs- und Verkehrsflächen verbraucht", so Weiger. "Damit versiegeln wir unsere Landschaft immer noch in einem zu hohen Maße. Bis 2020 sollte Deutschland eigentlich bei 30 Hektor pro Tag sein. Davon sind wir noch weit entfernt. Anstatt für unsere Mobilität immer mehr neue Flächen aufwändig, kostspielig und umweltzerstörend zu erschließen, muss die vorhandene Verkehrsinfrastruktur optimiert und verbessert werden."

Detaillierte Informationen unter: https://www.bund.net/service/presse/pressemitteilungen/detail/news/bundeslaenderindex-mobilitaet-grossbaustelle-verkehr/

Bild: Bundesländerindex Mobilität Gesamtergebnis. © Allianz pro Schiene