MTB Park 860x860Nach dem beabsichtigten Bau eines Wasserspeicherbeckens zur künstlichen Beschneiung der geologisch sensiblen Skipisten in Grasgehren (vgl. nochmals unsere Newsmeldung vom 18.8.2018) soll nun auch auf der Balderschwanger Talseite in Sichtweite des Riedberger Horns ein weiterer Eingriff in die Naturlandschaft erfolgen. So liegen dem Landesbund für Vogelschutz e.V. (LBV) aktuell Pläne zum Bau eines gigantischen Mountainbike-Parks am Gelbhansekopf / Balderschwang vor. Geplant ist der Trassenausbau von mindestens 25 Kilometern für Mountainbikes.

Der Gelbhansekopf (1.440 m) ist ein unauffälliger Grasberg, der auch „Wächter von Balderschwang“ genannt wird. Ist er bald eine Attraktion für Downhill-Radfahrer? Die Räder könnten dazu mit der bestehenden Seilbahn transportiert werden. „Das Vorhaben ist unfassbar“, so Dr. Norbert Schäffer, Vorsitzender des LBV, „Die Staatsregierung hat erst vor kurzem für die Förderung eines naturverträglichen Öko-Tourismus den Gemeinden Balderschwang und Obermaiselstein 20 Millionen Euro Förderung in Aussicht gestellt“. Diese Zusage erteilte Ministerpräsident Dr. Markus Söder, nachdem er der umstrittenen Skischaukel am Riedberger Horn im April eine Absage erteilt hatte. Mittels des angekündigten 5-Punkte-Plans sollte, vor allem durch die Förderung des naturverträglichen Tourismus, die Region zu einem „Natur-Meilenstein mit enormer Strahlkraft“ ausgebaut werden.

Nach Informationen des LBV sind zur Errichtung des „Bike-Parks“ von einem privaten Investor größere Baumaßnahmen auf labilem Boden geplant. „Fast 100 Prozent der Flächen am Gelbhansekopf sind Schutzwald, Moore oder andere besonders geschützte Biotope, die einfach überbaut werden sollen“, so Schäffer. Des Weiteren befürchtet der LBV, dass auch regelmäßig außerhalb der vorgeschlagenen Abfahrtsrouten gefahren wird und flächendeckende Störungen der scheuen Raufußhühner, wie Auerhuhn und Birkhuhn, erfolgen. Dies zeige sich bereits in anderen Gebieten mit deutlich kleineren Anlagen, wie zum Beispiel am Imberger Horn. „Eine weitere Planung, die neben dem neuen Speicherbecken für die Kunstschneeproduktion im Skigebiet Grasgehren, aus naturschutzfachlicher Sicht kritisch ist“, erklärt der LBV-Vorsitzende.  Für den LBV ist das Vorhaben in keiner Weise mit den Zielen eines sanften, naturnahen Tourismus vereinbar. So könnte doch eine Art „Disneyland“ entstehen, das Ministerpräsident Söder im Großraum Riedberger Horn eigentlich nach eigener Aussage verhindern wollte. Skandalös sei außerdem, dass für die Umsetzung des Bike-Valleys zusätzliche Fördergelder der Tourismusförderung über das Bayerische Wirtschaftsministerium abgerufen werden könnten.

Nachrichtlich bestätigte Balderschwangs Bürgermeister, dass es erste Überlegungen und Vorgespräche mit einem privaten Investor gebe. Dabei gehe es der Gemeinde in erster Linie darum, die immer größer werdende Zahl der Mountainbiker zu kanalisieren. Es gebe aber keine konkreten Planungen.

MTB Park Skizze Bauplan

Bild 1: Gelbhansekopf. © LBV

Bild 2: Skizze des Bike-Parks bei Balderschwang. © LBV