Frankenwald Brücke ansicht 02Hängebrücken oder auch Hängeseilbrücken sind gegenwärtig der Trend im Bergtourismus. Nun gibt es im Mittelgebirgsraum Frankenwald zwei entsprechende Projektierungen. Unsere Partnerorganisation „Mountain Wilderness Deutschland e.V. (MW)“ lehnt das geplante Projekt „Frankenwald-Brücke“ entschieden ab. Nachstehend dazu die Pressemitteilung von MW:

„KEINE HÄNGEBRÜCKEN IM HÖLLENTAL!
Über die noch wunderschönen, fränkischen Mittelgebirgstäler Höllental und Lohnbachtal sollen zwei gigantische Hängebrücken von ca. 381 bzw. 960 Meter Länge gespannt werden. Es werden dadurch in der Anfangsphase bis zu 400.000 und langfristig bis zu 200.000 Besucher pro Jahr erwartet.
Dabei würde die Höllentalbrücke im FFH-Gebiet (Schutzzonen der EU Fauna-Flora-Habitat Richtlinie) „Selbitz, Muschwitz und Höllental“ sowie in einem Naturschutzgebiet verlaufen. Abgesehen davon, dass durch den Bau ein Naturparadies verschandelt wird und die dort lebenden (teils seltenen) Tierarten massiv gestört werden, beeinträchtigt ein solcher, auf künstliche Installationen ausgerichteter Event-Tourismus die bestehenden Wanderwege, auf denen Naturliebhaber bislang die fränkische Mittelgebirgslandschaft genießen konnten.
Das Höllental ist u.a. für Fischotter, Schwarzstorch, Uhu ein wichtiges Rückzugs- bzw. Nahrungshabitat. Für Vögel mit großer Spannweite sind die Abspannungen der Brücken tödliche Gefahren.
Seit vielen Jahren kämpft der gemeinnützige Umweltschutzverein Mountain Wilderness Deutschland e.V. gegen die Tendenz, wunderschöne Berglandschaften durch Aussichtsplattformen, Hängebrücken oder Achterbahnen zu Funparks zu degradieren. Bei einer Demonstration im Juli 2010 am sogenannten AlpspiX im Wetterstein brachte Spitzenkletterer Stefan Glowacz mit einem riesigen Transparent mit der Aufschrift „Unsere Berge brauchen keine Geschmacksverstärker“ die Problematik auf den Punkt.
Auch herrliche Mittelgebirgstäler brauchen mit Sicherheit keine Geschmacksverstärker, sondern müssen ganz im Gegenteil von allen technischen Eingriffen bewahrt werden! Zumal sich an diesem Standort ganz besonders gut zeigt, wie derzeit neben den Alpen auch die Mittelgebirge unter einer Erschließungsspirale zu ersticken drohen – wurde doch erst im Juli 2017 die mit 458 Metern bis dato zweitlängste Fußgänger-Seilhängebrücke der Welt am Rappbodestausee im Harz eröffnet.
Der Bayerische Staat subventioniert das unsägliche Projekt zu 80% der Gesamtkosten. Es ist offensichtlich, dass Ministerpräsident Markus Söder seinen fränkischen Parteifreunden damit ein naturzerstörendes Wahlkampfgeschenk machen will.
Mountain Wilderness Deutschland e.V. fordert alle diesbezüglichen Planungen zurückzunehmen und mit diesem Geld einen naturverträglichen Tourismus zu fördern.
Auf der Projekt Homepage heißt es übrigens „Von dem dortigen Besucherplateau aus lohnt sich der Blick auf die zurückgelegte Strecke und die unglaubliche Weite des HÖLLENTALS.“ Doch genau diese Weite wird durch eine Seilbrücke zerstört!“

Weitere Informationen zum Projekt unter: http://frankenwald-bruecke.de/

Die Positionierung von Mountain Wilderness entspricht im Übrigen auch den Positionen des DAV zur Zukunft der Alpen und Mittelgebirge. Im „Grundsatzprogramm zum Schutz und zur nachhaltigen Entwicklung des Alpenraumes sowie zum umweltgerechten Bergsport“ wird gefordert, zu umweltschonenden Tourismusformen überzugehen, indem technische Erschließungen beendet und unerschlossene Räume bewahrt werden. Konkret heißt das: „Unerschlossene und unverfügte Räume sowie Wildnisgebiete sind dabei auch von Einrichtungen freizuhalten, die lediglich einer Inszenierung der Bergwelt dienen, unabhängig von der Intensität des geplanten Eingriffes. Mit dem Begriff „Inszenierung der Bergwelt“ sind in diesem Zusammenhang alle Einrichtungen gemeint, die das authentische Erlebnis unverfügter Landschaften und Wildnisgebiete schmälern.“

Bild: Frankenwald-Brücke. © Landratsamt Hof