mw aktion zugspitze2018 Bild1Vor kurzem hatten der BUND Naturschutz in Bayern e.V. (BN) und Landesbund für Vogelschutz e.V. (LBV) ihre ausführliche Klagebegründung gegen die Alpenplanänderung am Riedberger Horn eingereicht (vgl. dazu nochmals unsere Newsmeldung vom 2.7.2018). Nun hat die Naturschutzorganisation „Mountain Wilderness Deutschland e.V. (MW)“ das Klageverfahren mit einer konzertierten Aktion am höchsten Gipfel Deutschlands demonstrativ und medienwirksam unterstützt. Bei einem Sternmarsch auf die Zugspitze sammelten die Aktionisten, zu welchen auch der DAV-Naturschutzreferent unserer Sektion zählt, etliche Kilogramm Abfall ein und platzierten anschließend die Müllsäcke nebst dem dringenden Anliegen, nämlich „Alpenschutz bedeutet nicht nur Abfallvermeidung (am Berg), sondern den Alpenplan Stufe C wieder einzuführen", am Gipfelkreuz. Ein Filmteam war auch dabei. Und die Touristen auf der neuen Zugspitz Plattform staunten nicht schlecht über das Spektakel!

Die MW-Vorstandschaft mit Michael Pröttel und Dr. Gotlind Blechschmidt haben dazu nachstehende Pressemitteilung formuliert und den Medien zur Publikation übergeben:

Tolle Aktion auf der Zugspitze
„Wir entsorgen den Müll der Wanderer. Und ihr bitte den Müll eurer verfehlten Politik!“ Mit dieser deutlichen Forderung an die CSU gipfelte auf der Zugspitze am 8.7.2018 eine besonders tatkräftige Aktion.
In der Dämmerung waren drei Teams von uns aufgebrochen, um an einem Tag den höchsten Gipfel Deutschlands zu besteigen und auf den verschiedenen Anstiegen (Höllental, Stopselzieher, Gatterl) auch noch den am Weg liegenden Müll einzusammeln. Dabei waren bis zu 2200 Höhenmeter und teils auch Gletscherpassagen zu bewältigen.
Bereits in den 1980er Jahren hat sich der Dachverband Mountain Wilderness International mit spektakulären Müllsammel-Expeditionen im Himalaja einen Namen gemacht.
Freilich wurden an der Zugspitze nicht wie seinerzeit am K2 Sauerstoffflaschen oder Fixseile entsorgt, sondern vor allem Getränkedosen oder Plastikbeutel, die uneinsichtige Bergwanderer auf den Zustiegen über Höllentalferner, Reintal oder Westflanke hinterlassen.
mw aktion zugspitze2018 Bild2Oben angekommen wurde am Gipfel zusammen mit den Müllsäcken ein großes Transparent präsentiert, mit dem die Zurücknahme der Änderung des Alpenplans gefordert wird.
Ministerpräsident Markus Söder hat zwar nach der formellen Klageeinreichung von Bund Naturschutz (BN) und Landesbund für Vogelschutz (LBV) das Aus für die Skischaukel am Riedberger Horn verkündet. Eine rechtliche Sicherung dieser Entscheidung ist allerdings nicht erfolgt.
Deswegen muss die Herausnahme des Riedberger Horns aus der höchsten Schutzzone C sofort wieder rückgängig gemacht werden. Der auch als Biotop einzigartige Allgäuer Berg muss (wieder) dauerhaft vor technischen Eingriffen bewahrt werden.
BN und LBV haben Anfang Juli eine ausführliche Klagebegründung eingereicht, um eine Rücknahme der Alpenplanänderung zu erreichen. Diese Klage wird auch von Mountain Wilderness Deutschland e.V. als sehr wichtig angesehen und soll mit der Aktion an Deutschlands höchstem Gipfel unterstützt werden.
„Es ist toll, dass die Wanderer heutzutage viel weniger Müll liegen lassen und sorgsam mit der Natur umgehen. Ganz im Gegenteil zu gewissen Bayerischen Politikern, die den Bayerischen Alpenplan mit ihren Füßen treten.“ resümierte Vorstandsmitglied Michael Pröttel am Ende der Aufsehen erregenden Aktion.
Apropos Müll: Wer von Westen her auf die Zugspitze aufsteigt, kommt an den scheußlichen Ruinen der früheren Ehrwalder Zugspitzbahn vorbei. Leider hat die Tiroler Landesregierung deren Belassung per Bescheid 1997 bestätigt. Mountain Wilderness fordert alpenweit den Rückbau nicht mehr genutzter Liftanlagen.

Einen Erlebnisbericht des Teams, welches die Zugspitze über das Höllental erklommen hat, findet Ihr hier in Bild und in Wort:

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Der Aufbruch am Parkplatz in Hammersbach (758 m) erfolgt bereits kurz nach 4 Uhr, um dem Massenansturm dieser beliebten Aufstiegsroute zu entgehen. Die Höllentalklamm erweist sich als reichlich feucht, was wohl dem Regen an den beiden Vortagen geschuldet ist. Hier finden wir bereits den ersten Abfall: Tickets für die Klamm, Verpackungsreste von Müsli-Riegeln und anderes Littering-Material. Nach rund 1,5 Std. passieren wir die Höllentalangerhütte (1.381 m), dort ist noch wenig Betrieb.
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Rasch absolvieren wir den ersten Klettersteig mit der „Leiter“ und dem „Brett“. Sodann kommen wir zum ersten Aussichtspunkt übers Tal, der auch ein recht frequentierter Rastplatz ist. Was sich dort nicht alles findet, zum Teil „gut versteckt“ zwischen den Steinen: Getränke- und Fischdosen, Eisenteile, Glasscherben zuhauf – weiterer Input für unseren Müllsack, der allmählich Gewicht bekommt.
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Bald darauf gelangen wir zum Höllentalferner, einem früheren Gletscher und nunmehr augenscheinlich eher kläglichen Schneefeld, ein Zeichen des Klimawandels. Trotzdem legen wir unsere Steigeisen an, denn im oberen Bereich ist eine Steifstufe zu überwinden. Hier angelangt gilt es, den Übergang vom Gletscherrand zum Fels zu meistern, eine der Schlüsselstellen der Route. Diese Randkluft ist heute jedoch kein Problem, wohl dank des schneereichen Winters.
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Der anschließende Klettersteig der Kategorie C führt uns zum Zugspitzgipfel (2.962 m). Auch in diesem Bereich findet sich immer wieder Littering-Material, der Müllsack wird zunehmend voll und gleichsam zur Last. Aber kurz nach 11 Uhr erreicht unser Team (Tobias, Rupert und Jochen) das Gipfelkreuz, wir sind gut durchgekommen. Nach einiger Zeit trudeln auch die anderen MW-ler ein, die weitaus später gestartet und über andere Routen nach oben gekommen sind.
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Nun beginnen wir gemeinsam unsere Demonstration mit Transparent & Müllsammelausbeute und freuen uns über die rege Resonanz der Schaulustigen!
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Fazit: Eine gelungene Aktion, glücklicherweise mit relativ wenig Müll und hoffentlich baldigem Einlenken der Politik!

mw aktion zugspitze2018 MW Gruppe vor Muenchner Haus

Bild 1: Tolle Aktion auf der Zugspitze. © MW / Michael Pröttel

Bild 2: Deutliche Forderung an die CSU. © MW / Michael Pröttel

Bild 3 bis 27: Impressionen von der Sternmarschroute zur Zugspitze übers Höllental. Fotograf: Dr. Jochen Cantner

Bild 28: Fröhlicher Ausklang vorm Münchner Haus. © MW / Dr. Gotlind Blechschmidt