Weniger Gift für mehr Vielfalt NABU BWAngesichts der am morgigen Freitag (27.4.2018) stattfindenden EU-Abstimmung zur Zukunft dreier bienenschädlicher Neonikotinoide fordert der Naturschutzbund Deutschland (NABU) ein vollständiges Verbot aller Neonikotinoide sowie ähnlich umwelttoxischer Wirkstoffe in der EU. Die Wirkstoffe breiten sich in unseren Ökosystemen aus und tragen zum Rückgang der Artenvielfalt bei. Sie sind hochgiftig, töten die Tiere direkt, schwächen ihr Immunsystem oder führen zum Verlust ihres Orientierungssinns. Betroffen sind nicht nur Insekten, sondern nachweislich auch Fledermäuse und Vögel.

EU-weit sind derzeit noch vier weitere Neonikotinoide zugelassen sowie mehrere ähnlich wirkende Insektizide. Neonikotinoide breiten sich in der gesamten Pflanze aus, auch in Wurzeln und Blüten. Sie stören die Fortpflanzung und Orientierung von Insekten. Auf einige Arten wirken sie unmittelbar tödlich. Neueste wissenschaftliche Untersuchungen zeigen zudem, dass höchstens 20 Prozent des Neonikotinoid-Wirkstoffs von Pflanzen aufgenommen werden. Der restliche Anteil geht in Boden oder Wasser über, wo er sich über Jahre anreichern und auch Folgekulturen oder benachbarte Flächen verunreinigen kann.

Seit 2013 gelten EU-weit Teilverbote für die Wirkstoffe Imidacloprid, Thiamethoxam und Clothianidin – doch diese bringen bislang wenig. Dies zeigen aktuelle Pestizid-Statistiken: Jährlich werden bundesweit noch rund 200 Tonnen dieser Stoffe eingesetzt. Der Grund: großzügig erteilte Sondergenehmigungen. In Kulturen wie Zuckerrüben dürfen sie zudem weiterhin uneingeschränkt eingesetzt werden – mit der Begründung, dass diese Pflanzen für Insekten nicht attraktiv seien.

Bild: Wir fordern weniger Gift für mehr Vielfalt auf dem Acker. © NABU BW