Bild1Die kalte Jahreszeit ist da – und vor den Indoor-Kletterwänden des DAV Kletterzentrums an den Siebentischanlagen herrscht allabendlich dichtes Gedränge. Gerade in den Wintermonaten springt die dringende Notwendigkeit einer Erweiterung der bestehenden Anlage ins Auge. Wir wollen aber nicht nur die Kapazitätsengpässe lösen, sondern auch ein neues Zentrum mit erweiterten Möglichkeiten und einem einladenden Ambiente schaffen.
„Wann wird die Halle endlich erweitert und modernisiert?“ und „Wie können wir uns die neue Halle vorstellen?“: Diese Fragen brennen Augsburgs Kletterern unter den Nägeln und werden dem Personal der Kletterhalle tagtäglich gestellt. Tatsächlich hat das Projekt in den letzten Monaten deutliche Fortschritte gemacht und nimmt nun Fahrt auf. Zwar ist die Sektion noch nicht am Ziel und es bleiben große Anstrengungen nötig, dieses anspruchsvolle Vorhaben zu schultern. Aber nach einer harten und arbeitsintensiven Phase im Sommer gehen Vorstand und Projektteam nach derzeitigem Stand davon aus, dass die Mitgliederversammlung im April 2016 über die nötigen Schritte zur Umsetzung des Projekts beschließen kann, um die neue Anlage in 2017 zu errichten.
Nachdem sich die Pläne einer Hallenerweiterung mit Schwerpunkt auf dem Breitensport als nicht förderfähig und deswegen nicht realisierbar herausgestellt hatten, sprachen sich die Mitglieder der Sektion auf der Jahresversammlung am 13. Mai des vergangenen Jahres mit einem klaren Votum für die Ausgestaltung des Kletterzentrums in einer Kombination von Breitensport und Landesleistungszentrum aus. Sie stellten damit die Weichen für ein Kletterzentrum, in dem Breitensport und bayerischer Leistungssport unter einem Dach Platz finden, voneinander profitieren und sich gegenseitig befruchten.

Breiten- und Leistungssport profitieren voneinander
Das Projektteam um Ferdl Triller hat das zuvor bestehende Nutzungskonzept zusammen mit dem Kletterfachverband Bayern des DAV (KVB) erweitert und an die Erfordernisse eines Landesleistungszentrums Sportklettern (LLZ) angepasst. Künftig sollen die Sportkletterkader Bayerns in Augsburg eine zentrale Trainingsstätte finden. Das LLZ in Augsburg würde das erste wirklich vollwertige Landesleistungszentrum für Sport- und Wettkampfklettern in Deutschland sein und es ist in der Kombination Leistungs-/ Breitensport ein Modell, das erhebliche finanzielle, wie auch sportfachliche und sportpolitische Synergien zur Entfaltung bringen kann. Breite braucht Spitze und Spitze braucht Breite. Daher ist das LLZ für die Politik und den DAV wichtiges Pilotprojekt und eine Alternative zu einem reinen Leistungssportzentrum. Für Augsburg wäre es ein positives Signal als Standortfaktor.
Für uns ist wichtig: Breitensport, Jugendarbeit und Ausbildung behalten nicht nur genügend Raum, sondern partizipieren äußerst positiv vom LLZ und seiner Förderung. Die leistungssportliche Nutzung wird zwar auch zeitweise Einschränkungen mit sich bringen, da bei Trainingsmaßnahmen der Leistungssportler einzelne Wandbereiche für Breitensportler gesperrt sein können und weil in der neuen Halle an einigen Tagen im Jahr Wettkämpfe stattfinden werden. Dafür erwarten den Breitensportler aber zusätzliche Kletter- und Boulderflächen in allen Schwierigkeitsgraden, Wandhöhen von bis zu 18 Metern, sowie Trainingsbereiche und physiotherapeutische Angebote, die nur durch das Landesleistungszentrum möglich sind. Nach Architektenplanung sollen durch den Anbau zu den jetzigen 1150m² Kletterfläche (Lead) weitere 1750m² hinzukommen. Der Boulderbereich, der zurzeit 290m² Kletterfläche bietet, soll durch eine Außenboulderanlage um ca. 200m² sowie durch einen zweiten Boulderraum im Neubau um weitere 280m² erweitert werden. Bistro und Klettershop werden neu gestaltet. Neu hinzu kommt ein Schulungsraum, ein Trainerraum, Flächen für Kraft-, Koordinations- und Ausgleichtraining sowie ein Raum für Physiotherapie.
Um die wirtschaftliche Machbarkeit des Projekts sicher zu stellen und als wichtige Grundlage für Förderanträge und Verhandlungen mit Fördermittelgebern hat die Sektion eine Wirtschaftlichkeitsstudie in Auftrag gegeben, die am 1. November von der Firma Orgasport vorgelegt wurde. Auch wenn das LLZ höhere Investitions- und Betriebskosten nach sich zieht, ist das Gesamtprojekt machbar.
Die Studie unterstreicht, dass es sich um ein sehr anspruchsvolles Projekt handelt, für dessen Realisierung erhebliche staatliche und städtische Fördergelder und eine optimale Betriebsführung notwendig sein werden. Sie zeigt, dass eine wirtschaftliche Machbarkeit erreicht werden kann, wenn alle Partner und Förderer konstruktiv zusammenarbeiten. In den Gesprächen mit den Fördergebern Stadt und Freistaat haben wir den Eindruck gewonnen, dass die Politik hinter dem Projekt steht und sich nach Kräften engagiert. Auch mit unserem Partner KVB / DAV, der als Nutzer des LLZ den Förderantrag beim Freistaat stellt, ziehen wir an einem Strang und treiben das Projekt gemeinsam voran. Der KVB wird sich anteilig an den durch den Leistungssport entstehenden Kosten beteiligen und für etwaige Auslastungsrisiken einstehen. Im Fazit gehen wir davon aus, dass das neue Konzept die Sektion wirtschaftlich nicht schlechter stellt als das alte, stärker breitensportlich orientierte.
Insbesondere macht die Studie die wirtschaftlichen Synergien durch den Mischbetrieb von Breitensport und Leistungssport deutlich. Die leistungssportliche Nutzung des Zentrums ist Voraussetzung für eine staatliche Förderung und macht die Bauinvestition somit erst möglich. Umgekehrt tragen im laufenden Betrieb Quersubventionen aus dem Breitensport zur Deckung der Betriebskosten im Leistungssport bei. Breitensport und Leistungssport profitieren so voneinander.
Ein Großteil der Arbeit der vergangenen Monate entfiel auf Gespräche und Verhandlungen mit Partnern und Fördergebern, sowie auf die Begründung der Anträge. Wichtige Meilensteine sind damit erreicht. Das Projekt Hallenerweiterung ist noch nicht in trockenen Tüchern, aber auf einem guten Weg. Wir sind zuversichtlich, dass das jetzige Gedränge vor den Kletterwänden bald der Vergangenheit angehören wird.