Tourentipp Laura Bild3Wandern mit Baby ist anders. Das wird einem erst recht bewusst, wenn das eigene Aktivitätsniveau vor der Geburt verhältnismäßig hoch war. Waren wir “Wander-Mamas” vorher fast jedes Wochenende beim Klettern, auf Hochtouren oder auf ausgesetzten Steigen unterwegs, gilt es nun zu überlegen: Wie lange hält der Nachwuchs wohl in der Trage durch? Wie viele Höhenmeter schaffe ich mit dem Zusatzgewicht? Welches Ziel erreiche ich möglichst ohne Fütterungs- oder andere Pause zwischendurch (denn wenn man das Kind beim Aufstieg aus der Trage nimmt, ist es nassgeschwitzt und muss umgezogen werden oder will womöglich nicht in die Trage zurück)? Gibt es oben eine gemütliche Hütte oder einen wind- und sonnengeschützten Rastplatz, an dem gewickelt werden kann und an dem die Kinder gefahrlos umherkullern können? Und natürlich: Wie kommen wir überhaupt in die Berge?

Für uns stand schnell fest: Am besten mit der Bahn! Da können die Kinder auf dem Schoß sitzen und andere Fahrgäste beobachten oder aus dem Fenster gucken, im Wagen, auf dem Arm oder in der Trage schlafen oder auf dem Boden spielen. Man kann während der Fahrt wickeln und stillen bzw. füttern. Es gibt keinen Stress durch ein schreiendes Baby auf dem Autorücksitz. Und mit dem 9€-Ticket oder dem Allgäu-Schwaben-Ticket für Gruppen ist es auch noch unschlagbar günstig!

Als Tourenziele bieten sich Wanderungen an, die möglichst ohne Umsteigen oder mit ausreichend Umsteigezeit zu erreichen sind. Denn trotz aller Vorzüge von Bahnreisen muss leider auch immer mit Verspätungen gerechnet werden, was besonders mit einem müden Baby am Abend zur Geduldsprobe wird. Eines meiner Lieblingsziele ist daher Immenstadt. In nur 1:13 h Fahrzeit ist man schon da und gelangt in wenigen Minuten zum Einstieg in den wunderschönen Steigbachtobel. Dieser lockt mit kaskadenartigen Wasserfällen, grün schimmernden Gumpen und eindrucksvollen Blöcken aus Nagelfluhgestein. Die Erfrischung im äußerst kühlen Nass ist allerdings den “Großen” vorbehalten. Dennoch fand auch unser Kleiner das viele Wasser spannend. Ein weiterer Pluspunkt: An heißen Tagen bietet der Tobel ausreichend Schatten. Oberhalb gibt es vielfältige Einkehrmöglichkeiten, von diversen Hütten im Gebiet der Mittagbahn bis hin zu urigen Alpen in den Nebentälern. Wer fit ist und ein ausdauerndes Tragebaby hat, kann noch einen der Gipfel der Nagelfluhkette erklimmen. Alternativ kann natürlich auch die Seilbahn genutzt werden.

Weitere lohnende Ziele locken entlang der Regionalbahn nach Füssen oder Oberstdorf oder mit Umstieg nach Reutte, wenngleich die Fahrt dann etwas länger dauert. Da unser Kleiner jedoch oft schon gegen 18 Uhr ins Bett will, schmälert das das Zeitbudget vor Ort enorm – da lohnt eine weite Anreise nur bedingt bzw. ist mit frühem Aufbruch verbunden. Weil wir die Täler um Oberstdorf so schätzen, sind wir dennoch ein Mal ins schöne Oytal gewandert und haben die Tour anschließend in einer der unzähligen Eisdielen Oberstdorfs (Bio-Heumilch-Eis!!!) ausklingen lassen. Und in Nesselwang sind wir dem Wasserfall- und Wurzelweg zum Sportheim Böck gefolgt, das ein kulinarisches Highlight und äußerst familienfreundlich ist.Tourentipp Laura Bild4

Das Tempo geben bei uns immer die Kinder vor. Man sollte sich stets vor Augen führen: Einem wenige Monate alten Baby ist es vermutlich egal, ob es durch den Siebentischwald oder einen Berg hinaufgeschleppt wird. Wahrscheinlich findet es die Bahnfahrt oder Kühe spannend, aber so ein Tagesausflug bedeutet auch Stress. Permanent neue Eindrücke, wenig Möglichkeiten zum Rückzug und eventuell Schwierigkeiten, unterwegs in den Schlaf zu finden. Andererseits ist so ein Trip eine tolle Gelegenheit, um viel Zeit an der frischen Luft und mit viel Körperkontakt zwischen Träger*in und Kind zu verbringen. Bisher war die Laune der Kinder auf unseren Touren meist besser als zu Hause, weil es so viel zu entdecken gab. Das Einschlafen abends dauerte dann aber umso länger…

Zum Abschluss hier noch ein paar Tipps, was – neben der Standardausrüstung – bei so einem Ausflug nicht fehlen sollte: Ausreichend Wechselsachen für Träger*in und Baby (man schwitzt sich gegenseitig enorm voll), Wickeltasche, Picknick- o.a. Decke für die Bahn oder Pause am Berg, Sonnenschutz für’s Baby (lange Sachen, Hut/Mütze und ggf. ein dünnes Tuch zum Drüberhängen, wenn es schläft sowie Sonnencreme für nicht bedeckbare Stellen). Auch Stöcke können hilfreich sein, um das Zusatzgewicht vorn etwas abzufangen.

Weitere Infos und Kartenmaterial zu den Touren sind auf www.alpenvereinaktiv.de zu finden. Für den Steigbachtobel z.B. hier: https://www.alpenvereinaktiv.com/de/punkt/steigbachtobel/17930646/  

Fotos: Laura Jantz/Klinkner