Crux EE TitelbildDie Energiewende ist ein wichtiger Beitrag zur Bewältigung der Klimakrise. Zentral dabei ist der Ausbau der „Erneuerbaren Energien“, d.h. insbesondere Sonnen-, Wasser-, Windenergie. All dies trägt dazu bei, konventionelle Technologien auf Basis fossiler Brennstoffe zu substituieren und deren klimaschädliche Treibhausgas- bzw. CO2-Emissionen zu vermindern oder gar zu vermeiden. Nicht unberücksichtigt bleiben sollten bei den Ausbauerwägungen jedoch jene negativen Effekte, die mit diesen neuen Technologien einhergehen, vor allem, wenn sie im großtechnischen Maßstab zur Anwendung kommen.

Den positiven Klimaschutzwirkungen stehen mehr oder weniger negative Einwirkungen im Natur- und in anderen Umweltbereichen entgegen. Man denke etwa an

  • die Flächen- und Nutzungskonkurrenz gerade bei Solarparks,
  • die Probleme mit Artenschutz, Lärm- und Lichteffekten bei Windparks,
  • die massiven ökologischen Eingriffe bei Staudämmen und Wasserkraftwerken, oder aber auch
  • die negativen Umwelteffekte bei der Rohstoffgewinnung für neue Technologien (z.B. die Lithiumgewinnung auf den Hochebenen der Anden für die Herstellung von Elektro-Auto-Batterien).

Jüngstes Beispiel für solche Konflikte speziell im Wirkungsbereich unserer DAV-Sektion Augsburg ist der geplante Windpark bei Ettelried in der Nähe von Dinkelscherben:

  • Das Unternehmen Juwi AG aus Rheinlandpfalz möchte dort im angrenzenden Wald zehn Windräder mit einer Höhe von rund 250 Meter errichten und somit 25000 Haushalte mit Ökostrom versorgen. Aufgrund der Nähe zu Ettelried kann die sogenannte „10-H-Regelung“, die in Bayern für Windparks gilt und den Mindestabstand eines Windrads vom Zehnfachen seiner Höhe zur nächsten Wohnbebauung fordert, nicht eingehalten werden. Mittlerweile hat sich ein Bürgerprotest organisiert, der auch die Nachbargemeinden umfasst. Weitere Argumente gegen das Projekt sind die Befürchtungen vor krankmachendem Infraschall und Schattenwurf, Beeinträchtigungen der geschützten Fauna & Flora und der Landschaftsästhetik. Gerade zu Letzterem sei darauf hingewiesen, dass Ettelried auch kulturhistorische Bedeutung besitzt. Gegründet wurde die Siedlung vermutlich im 11. Jahrhundert, ab der Mitte des 15. Jahrhunderts war die Siedlung im Besitz der Fugger, im Ort befinden sich bauliche Kleinode aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Nachstehend einige Bildimpressionen aus Ettelried:

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Der DAV Bundesverband plädiert dafür, die Relation von Naturzerstörung und energetischem Nutzen kritisch zu betrachten. In den Bergregionen sind derzeit insbesondere Wasserkraftprojekte in Planung oder bereits im Bau. Erst jüngst wurden die Stausee-Pläne in der Schweizer Trift thematisiert (vgl. dazu https://www.alpenverein.de/natur/stausee-plaene-in-der-schweizer-trift_aid_35211.html):

  • Bagger, Flutungen, Zerstörung, Staumauern – im Namen von Klimaschutz und Energiewende. Die Kraftwerke Oberhasli planen den Bau eines neuen Stausees in der Trift mit der Folge, dass hochwertige Lebensräume in diesem versinken, Wildbäche verschwinden und so das ökologische Gleichgewicht massiv gestört wird. „Wie schon beim Projekt Pumpspeicherkraftwerk bei Kühtai plädieren wir dafür, die Relation von Naturzerstörung und energetischem Nutzen kritisch zu betrachten. Klima- und Naturschutz dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden“, so Steffen Reich, Leiter des Ressorts Naturschutz beim DAV. Klar ist, wir brauchen die Energiewende, um das Klima zu schützen! Doch wie groß dürfen die Eingriffe in die Natur sein, die man dafür in Kauf nimmt? Zum Schutz des Schweizer Gebirgstals hat sich ein Komitee gebildet. Dessen Manifest lautet: Die Trift ist keine Einöde; Klimaschutz darf in diesem Fall nicht auf Kosten des Naturschutzes erfolgen; zu viele wertvolle Gebirgslandschaften in der Schweiz wurden bereits der Wasserkraft geopfert; für die Winterenergie ist das Projekt schlicht nicht nötig; zahlreiche grüne Alternativen wie Photovoltaik stehen zur Verfügung; das Trift-Projekt ist ökonomisch unsinnig.

Weitere Informationen

In jüngerer Vergangenheit haben wir zur Thematik Klimaschutz, zu mitunter kontroversen Ansichten, aber auch zu Best-practice-Beispielen bereits mehrfach berichtet. Vergleiche daher nochmals unsere Newsmeldungen

Titelbild: Anti-Windkraft-Plakat in Ettelried
Bildblock: Impressionen aus Ettelried – Sehenswürdigkeiten sind (im Uhrzeigersinn) die wunderschöne Kulturlandschaft, die Wegkapelle, das Schererhaus, das Schloss Ettelried, die Katholische Pfarrkirche St. Katharina nebst Pfarrhaus und die landwirtschaftliche Idylle
Alle Fotos von Dr. Jochen Cantner