Nachlese DAV Ressourcenschutz TitelbildVor kurzem fand die DAV-Fachtagung „#machseinfach – Ressourcenschutz im Bergsport“ in Regensburg statt. Die Tagung ist Teil des Projekts „Bergsport mit Zukunft“, das unter anderem vom Bayerischen Umweltministerium gefördert wird. Bei einem „Nachhaltigkeits-Slam“, drei Workshops und einem „Markt der Möglichkeiten“ konnten die Teilnehmer*innen einen Einblick in die vielfältigen Handlungsfelder des Ressourcenschutzes erhalten. Diskutiert wurden Aspekte rund um Ausrüstung, Aufenthalt auf der Hütte oder die Organisation von Bergsportaktivitäten. Bildung für nachhaltige Entwicklung bildete einen weiteren Schwerpunkt. Im Mittelpunkt stand dabei immer die Frage, wie jede Bergsportlerin und jeder Bergsportler seinen Beitrag zum Klima- und Ressourcenschutz leisten kann. Dies ist von größter Bedeutung bei der anstehenden Ausgestaltung der erst Ende letzten Jahres verabschiedeten DAV-Klimaresolution! Eine Delegation des NUK-Teams unserer Sektion war auf der Tagung vertreten. Nachfolgend der Veranstaltungsbericht von Laura Jantz zusammen mit Dr. Gabriela Ratz.

#machseinfach – Tagung des DAV zum Ressourcenschutz im Bergsport

Nachhaltigkeit hat viele Facetten – neben ökologischen spielen so auch soziale und ökonomische Aspekte eine Rolle. Dies trifft auch auf den Bergsport zu, dessen Ausübung unbestritten Auswirkungen auf unsere Umwelt hat. Indem wir Ausrüstung beschaffen, nutzen und entsorgen, zu den verschiedensten Aktivitäten an- und abreisen, uns in der alpinen Natur und auf Hütten bewegen und dort konsumieren oder mit Bewohner*innen vor Ort interagieren, hinterlassen wir unsere Spuren. Und unsere „Fußabdrücke“ werden stetig größer. Unter dem Motto „machseinfach“ lud der DAV-Bundesverband im Februar daher Interessierte aller Sektionen ein, um in Regensburg zwei Tage lang über aktuelle und künftige Herausforderungen beim Ressourcenschutz im Bergsport zu diskutieren. Verschiedene Formate wie ein Nachhaltigkeits-Slam, interaktive Workshops oder ein „Markt der Möglichkeiten“ luden zum Zuhören, Nachdenken und Austauschen ein. Mit dabei: Vertreter*innen des Augsburger NUK-Teams.

Nachhaltige Ausrüstung

Mit der bewusst polarisierend gewählten These „Die beste Ausrüstung ist die, die man gar nicht erst kauft“, wurde im ersten Workshop der Lebenszyklus von Bergsportausrüstung beleuchtet. Insbesondere Textilien verfügen mengenmäßig durch die Häufigkeit der Kollektionswechsel, ihre z.T. bedenklichen Produktionsbedingungen und die oftmals nur kurze Nutzungsdauer über erhebliches Verbesserungspotenzial. Hier sollte sich jede*r Alpinist*in vor der Kaufentscheidung selbst kritisch hinterfragen: Brauche ich dieses Teil wirklich? Oder kann ich es vielleicht beim DAV oder von Freunden leihen?

Beim Kauf kann man auf verschiedene Label achten, die die Einhaltung von Standards in Sachen Arbeitsbedingungen, Rohstoffeinsatz oder Tierwohl garantieren. Um einen besseren Überblick über diese Vielzahl an Siegeln zu erhalten, wünschten sich die Teilnehmenden eine Übersicht für die bergsportrelevanten Label ähnlich des „Wahl-O-Mat“ vom DAV. Besonders komplex gestaltet sich für Konsument*innen die Materialauswahl: Während Kunstfasern auf fossilen Rohstoffen basieren, durch Abrieb beim Waschen Mikroplastik freisetzen (s. alpenblick 1/2020) und als Materialmix nur schwer recyclingfähig sind, können sich Stoffe auf Basis nachwachsender Rohstoffe auf Wasserhaushalt, Humusbilanz oder Flächennutzungskonkurrenzen insbesondere in Ländern des globalen Südens auswirken. Daher ist es am besten, möglichst wenige „Lieblingsteile“ zu erwerben und diese lange zu nutzen bzw. mit anderen zu teilen. Diesbezüglich wurde auch die Bildsprache der Alpenvereinsmedien diskutiert, die eventuell künstliche (auf modische Aspekte fokussierte) Bedürfnisse wecken könnten.

Um die Nutzungsdauer von Produkten zu verlängern, sind die richtige Pflege, Reparaturangebote (etwa von Herstellern oder in Repair-Cafés), die Weitergabe (auf Alpinflohmärkten, Onlineplattformen oder an Sozialkaufhäuser) oder das Upcycling (z.B. gebrauchter Kletterseile zu Fußabstreifern, Gürteln etc.) wichtige Elemente. Hier können auch die Sektionen aktiv werden und durch entsprechende Informationsangebote, Workshops oder Marktplätze der Ausrüstung zu einem neuen Leben verhelfen. Und hat ein Teil tatsächlich einmal sein Lebensende erreicht, sollte es fachgerecht entsorgt werden. Durch Sammelaktionen wie das „DownUpcycling“ der JDAV im vergangenen Jahr können daraus dann sogar noch wertvolle Ressourcen für neue Produkte gewonnen werden.

Nachhaltig aktiv & Bildung für nachhaltige Entwicklung

Muss Nachhaltigkeit immer mit Verzicht und Einschränkungen einhergehen? Dieser Frage gingen die Teilnehmenden des zweiten Workshops nach. Die Antwort war einhellig: Nein! Indem ich mich auf das Wesentliche fokussiere und gleichzeitig für Veränderungen öffne, kann ich sogar etwas hinzugewinnen. Dies kann etwa die bewusste Entscheidung für regionale Produkte, die Inanspruchnahme von Sharingmodellen oder die Tourenauswahl anhand ökologischer Kriterien sein. Dennoch können das Propagieren von Bergerlebnissen und der Wunsch von immer mehr Menschen nach Naturgenuss auch gegenteilige Effekte hervorrufen – die Alpen werden mancherorts zum Sportgerät, Hütten und Gipfel sollen schnell erreichbar und konsumierbar werden. Darüber hinaus können weitere Interessengruppen z.B. aus dem Natur-, Landschafts- und Klimaschutz durchaus sehr unterschiedliche Ziele verfolgen. Diesem Spannungsfeld muss sich auch der DAV stellen, um sowohl seiner Rolle als Bergsport- als auch Naturschutzverband gerecht zu werden. Kooperation lautet hier der Schlüssel zum Erfolg, wie die „Kommission Klettern & Naturschutz“ seit vielen Jahren zeigt. Doch auch Kooperationen zur sinnvollen Besucherlenkung und  zur Steigerung von ÖPNV-Angeboten können sinnvolle nächste Schritte sein.

Vor allem im Mobilitätsbereich, der in den meisten Sektionen für den größten Anteil an CO2 sorgen dürfte, regt sich etwas: Die Idee des Augsburger Bergsteigerbusses etwa wurde von vielen positiv aufgenommen. Andere Sektionen wiederum unterstützen die klimafreundliche die Anreise zu offiziellen Touren finanziell. Der Klima-Euro des Bundesverbandes soll künftig u.a. dazu dienen, den Wegfall ökologisch bedenklicher Werbeeinnahmen (z.B. für Kreuzfahrten) im „Panorama“ zu kompensieren. Auch das Thema Ernährung wurde heiß diskutiert, insbesondere der Fleischkonsum auf Hütten. Hier gibt es Bestrebungen des Bundesverbandes, künftig auch ein vegetarisches Bergsteigeressen anzubieten. Es sind viele kleine Schritte, die am Ende jedoch – konsequent durchgeführt – eine große Hebelwirkung entfalten können.

Um mehr Mitglieder für all diese Aspekte zu sensibilisieren, bietet die „Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)“ hilfreiche Tools und Denkansätze. Vor zehn Jahren wurde sie im Rahmen einer UN-Dekade ausgerufen und soll Menschen zu „zukunftsfähigem Denken und Handeln“ befähigen und es ihnen ermöglichen, „die Auswirkungen des eigenen Handelns auf die Welt zu verstehen und verantwortungsvolle, nachhaltige Entscheidungen zu treffen“, so die UNESCO. Der Alpenverein sollte nach Auffassung vieler Teilnehmer*innen künftig im Rahmen der Ausbildung und Jugendarbeit verstärkt auf Aspekte der Nachhaltigkeit achten, damit diese in Kursen und bei Touren in die Vereine getragen werden. Im dritten Workshop wurden hier spielerische Ansätze vorgestellt. Darüber hinaus wurde der Wunsch nach beim DAV verfügbaren Materialien geäußert, um eigenständig in den Sektionen aktiv werden zu können.

Im BNE-Workshop durften 12 Teilnehmer aus verschiedenen DAV-Sektionen diese Methoden selbst testen. Angefangen mit der gemeinsamen Suche nach möglichen Ressourcen in einer Berglandschaft aus dem alten DAV-Kalender (s. Bildblock 1, Abbildung 1) ging es zu einem Spiel „Nachhaltige Waldnutzung“ in einer Erbengemeinschaft. In diesem Spiel wurde der optimale Nutzungsgrad der Ressource „Wald“, ohne diesen zu zerstören, zuerst gemeinsam gegeneinander und zuletzt gemeinsam miteinander erlernt. In einem anderen Spiel erfahren die Teilnehmer, woher ihre Hose kommt und wer und wieviel in der Produktionskette daran verdient. Mit einem Faden auf einer Weltkarte festgehalten, wird der lange Weg der Hose „von Baumwolle aus Taiwan bis zum Einzelhandel in Deutschland“ anschaulich gemacht. Bei der nächsten Bergtour können die Ausbilder oder Kursleiter die Nachhaltigkeit am Beispiel „Woher kommt meine Regenjacke“ lehren (s. Bildblock 1, Abbildung 2).

Nachlese DAV Ressourcenschutz Bildblock 1Zum Schluss wurden Vorschläge für bestimmte DAV-Leitungsbereiche und Bergsportaktivitäten erarbeitet, wie man das Thema Nachhaltigkeit näher bringen konnte. Kurz und einfach wird BNE in einem Video unter folgendem Link erklärt: https://www.youtube.com/watch?v=qF7B7kkqqb0

Einfach machen?

Bei der Abschlussdiskussion zeigte sich, dass alle Anwesenden hoch motiviert waren, das Thema Ressourcen- und Klimaschutz anzupacken. Doch wie viel „freundliches Bitten“ genügt, wenn die Zeit drängt? Wie erreichen wir die Mitglieder, wie viel „Zwang“ kann ihnen zugemutet werden, wo sich doch viele in erster Linie mit den bergsportlichen Angeboten des Vereins identifizieren und der Umweltschutz bei ihnen vielleicht eher eine untergeordnete Rolle spielt? Was dürfen wir noch wollen, damit unser Fußabdruck auf ein für die Erde erträgliches Maß schrumpft?

Insgesamt wurde deutlich, dass in den Sektionen bereits viele Ideen und Erfahrungen existieren, über die es sich weiter auszutauschen lohnt. Die Tagung lieferte viele interessante Impulse für die Handlungsebenen Mitglied – Sektion – Bundesverband. Viele Teilnehmer*innen wünschten sich dennoch seitens des Alpenvereins vehementere Forderungen an Politik und Wirtschaft in Sachen Nachhaltigkeit.

Fazit

Für unsere DAV-Sektion Augsburg bot die Fachtagung in einem unmittelbaren Austausch mit den Experten des DAV-Bundesverbands und anderer engagierter Sektionen vielfältige Anregungen für die Natur- und Umweltschutzarbeit im Verein. Etliches wird bei uns bereits angeregt, befördert und auch umgesetzt. Promotoren sind dabei das Ressort „Natur, Umwelt, Kultur“ mit dem NUK-Team, verbunden mit der Programmatik „Naturschutz im bergsportlichen Alltag“ auf der gesamten Vorstandsebene. Doch es gibt noch viel zu tun. Maßgeblich für den Erfolg ist das proaktive Handeln unserer Vereinsmitglieder!

Nachstehend einige Bildimpressionen von der DAV-Fachtagung:

Nachlese DAV Ressourcenschutz Bildblock 2Nachlese DAV Ressourcenschutz Bildblock 3 Weitere Informationen, insbesondere zu bereits laufenden Aktivitäten in unserer Sektion:. 

Titelbild: NUK-Team auf der DAV-Fachtagung „#machseinfach – Ressourcenschutz im Bergsport“ in Regensburg
Bildblock 1: BNE-Workshop
Bildblock 2&3: Impressionen von der DAV-Fachtagung zum Ressourcenschutz
Alle Fotos von Thomas Hecht, Dr. Renate Hirrle, Laura Jantz und Dr. Gabriela Ratz.