Wolf im Nationalpark Bayerisch kleinGanz zum Schluss des vergangenen Jahres hat der Bundestag neue Regelungen zum Umgang mit dem Wolf beschlossen. Mit der Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes werden „berechtigte Sorgen der Bevölkerung, die Interessen der Weidetierhaltung und der Schutz des Wolfs als streng geschützter Tierart in einen angemessenen Ausgleich gebracht“. Die Novelle muss allerdings noch den Bundesrat passieren.

Die Rückkehr des Wolfs nach Deutschland, der hier seit Mitte des 19. Jahrhunderts nach jahrhundertelanger Verfolgung faktisch ausgerottet war, ist ein Erfolg des Artenschutzes. Zugleich entstehen dadurch neue Herausforderungen, insbesondere für die Weidetierhaltung. Der Gesetzentwurf schafft mehr Rechtssicherheit bei der im Einzelfall notwendigen Entnahme von Wölfen, wenn trotz Herdenschutzmaßnahmen ernste wirtschaftliche Schäden drohen.

Zum Schutz von Schafen und anderen Nutztieren dürfen Wölfe künftig leichter geschossen werden. Nach dem neuen Gesetz soll ein Abschuss auch dann möglich sein, wenn unklar ist, welcher Wolf genau zum Beispiel eine Schafherde angegriffen hat. Es sollen so lange Wölfe in der Gegend geschossen werden können, bis es keine Attacken mehr gibt – auch wenn dafür ein ganzes Rudel getötet wird. Die Länderbehörden müssen aber jeden Abschuss einzeln genehmigen. Hierzu sollen die Jäger regelmäßig vorab einbezogen werden. Zudem soll schon eine Abwendung „ernster wirtschaftlicher Schäden“ als Begründung reichen, bisher ist im Bundesnaturschutzgesetz von „erheblichen Schäden“ die Rede.

Die Umweltschutzorganisation WWF begrüßt die Pläne der Bundesregierung. Sie machten deutlich, dass Ausnahmen vom strengen Schutzstatus des Wolfes und anderer geschützter Tierarten enge Grenzen gesetzt seien. Die Tötung eines Wolfes müsse auch bei der neuen Gesetzeslage Ultima Ratio sein. Um ein langfristiges Miteinander von Menschen, Weide- und Wildtieren zu ermöglichen, seien flächendeckende Maßnahmen zum Herdenschutz in allen Bundesländern mit Wolfsvorkommen das A und O.

Situation in Bayern

Standorttreue Wölfe leben in Bayern derzeit am Truppenübungsplatz Grafenwöhr, im Veldensteiner Forst, im Bayerischen Wald und in der Rhön. Durchziehende Wölfe sind in mehreren Landkreisen Bayerns gesichtet worden. In der Summe ist die bayerische Wolfspopulation allerdings nicht gewachsen. Zudem gab es 2019 nur einen sicher nachgewiesenen Nutztierriss durch einen Wolf, gegenüber zehn in 2018. Die wenigen bayerischen Wölfe haben sich an ihre reichlich verfügbare Lieblingsnahrung Reh gehalten. Sicher hat es hier auch eine Rolle gespielt, dass Schafhalter in Wolfsgebieten wie der Rhön dieses Jahr angefangen haben, sich mit Herdenschutzmaßnahmen pragmatisch auf die Anwesenheit des Wolfes einzustellen.

Um zu verhindern, dass einwandernde Wölfe sich zukünftig an die „leichte Beute Schaf“ gewöhnen, ist nach Ansicht vom BUND Naturschutz in Bayern e.V. (BN) allerdings der Aufbau eines wirkungsvollen Herdenschutzes in ganz Bayern notwendig. Der hat BN hierzu acht Forderungen aufgestellt. Von zentraler Bedeutung ist dabei, dass die angekündigte Förderrichtlinie für die investiven Kosten des Herdenschutzes rechtzeitig für die Weidesaison 2020 zur Verfügung steht. In gleicher Weise fordert der Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V. (LBV) die bayerische Staatsregierung auf, nun zügig die Weichen für die im Managementplan Wolf angekündigte Richtlinie zur Förderung von Schutzmaßnahmen für Nutztiere gegen Übergriffe durch Wölfe, Bären und Luchse zu stellen.

Der BN weist im Übrigen darauf hin, dass der Europäische Gerichtshof erst Anfang Oktober 2019 klargestellt hat, dass die Tötung von Wölfen nur in klar belegten Ausnahmesituationen zulässig ist. Forderungen nach präventiven Abschüssen ganzer Rudel, nach Quotenjagden und wolfsfreien Zonen haben damit einen klaren Dämpfer erhalten. Der Abschuss von Wölfen, die mehrfach ordnungsgemäßen Herdenschutz überwunden haben, ist als Ultima Ratio des Wolfsmanagements bereits mit der aktuellen Gesetzeslage möglich. Daher lehnt der BN die vorgeschlagene Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes ab, die u.a. von der bayerischen Staatsregierung unterstützt wird. Diese hat zum Ziel, die Tötung von Wölfen zu erleichtern und könnte einem Dammbruch im Artenschutz gleichkommen. Durch die Hintertür würde so auch die Tötung anderer gefährdeter Tiere, wie Luchs, Kormoran, Biber und Fischotter erleichtert.

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Bild: Wolf im Nationalpark Bayerischer Wald © By Kora27 - Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=40637005