Birkhuhn Werth modAktuell sind viele Wintertourengeher unterwegs, mit Tourenskiern oder Schneeschuhen oder auch einfach nur zu Fuß. Genau dort, wo sie sich in möglichst unberührter Landschaft bewegen, haben mitunter Wildtiere ihren Lebensraum und Rückzugsort gefunden. Die Tiere sind oft extrem präzise auf bestimmte Lebensräume und Überwinterungsgebiete angepasst und reagieren stark auf Veränderungen oder Störungen. Die mitunter harschen Bedingungen im Winter können die Tiere nur überleben, wenn sie möglichst wenig Energie verbrauchen. Jedes Aufschrecken durch einen Menschen kann auf Dauer lebensbedrohlich sein. Von besonderer Bedeutung sind dabei die streng geschützten Rauhfußhühner.

Cover Broschüre RaufußhühnerIn den letzten Jahrzehnten haben großflächige Lebensraumverluste dazu geführt, dass Raufußhühner, d.h. Auerhuhn, Birkhuhn, Haselhuhn und Schneehuhn, fast überall in Mitteleuropa stark gefährdet sind. Raufußhühner sind an extreme Lebensbedingungen hervorragend angepasst. „Was für die scheuen Tiere ein Lebensraum ist, ist für uns ein Skiparadies oder eine herrliche Wandergegend. Wenn wir die Vögel stören, verbrauchen sie auf der Flucht insbesondere in der Winterzeit lebensbedrohlich viel Energie.“ erklärt Claus Kumutat, der Präsident des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU), bei der Vorstellung der neuen Broschüre „Raufußhühner – begreifen, bestimmen, bewahren“. Richtiges Verhalten und angepasste Waldbewirtschaftung helfen, die Lebensräume zu erhalten. Olaf Schmidt, der Präsident der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF), führt weiter aus: „Die Broschüre enthält wertvolle Hinweise, um Gebiete zu einem guten Lebensraum für Raufußhühner entwickeln zu können. LWF und LfU bieten spezielle Fortbildungen für Waldbesitzer und Revierförster an, damit diese geeignete Maßnahmen in die Bewirtschaftung integrieren können.“ Als Schirmarten stehen Raufußhühner stellvertretend für ganze Artengemeinschaften. Von ihrem Schutz profitieren weitere gefährdete Arten urwüchsiger Wälder, Heiden und Moore.

HUG 2444 1200px 1200x800 ID66398 300dc1e1b7f4333e20f3e36825d6777bBereits 1995 hat der Deutsche Alpenverein damit begonnen, den Interessen von Wintertourengehern und besonders gefährdeter Tierarten möglichst ausgewogen Raum zu geben. Gemeinsam mit Fach- und Gebietsexperten unterschiedlichster Verbände, Behörden und Interessensgruppen wurden mögliche Konfliktgebiete erfasst und rund 500 Routenempfehlungen für den gesamten bayerischen Alpenraum sowie den Bayerischen Wald erarbeitet. Diese naturverträglichen Routen sind unter dem Kampagne-Motto „Natürlich auf Tour“ speziell ausgeschildert. Sie führen an besonders sensiblen Lebensräumen der Tiere vorbei, die als „Wald-Wild-Schongebiete“ gekennzeichnet sind. Die mittlerweile 230 ausgewiesenen Schongebiete auf den erarbeiteten Routen zu umfahren, ist eine Empfehlung, deren Einhaltung auf Freiwilligkeit basiert. Weitere Routenempfehlungen werden laufend erarbeitet, so etwa auch für den aktuell in die Schlagzeilen geratenen Grünten mit seinen umstrittenen Bergbahnprojektierungen (Stichwort „Overtourism“). Eine Ausschilderung für die Wintertourengeher erfolgt im Rahmen von Exkursionen vor Ort und im Winter (sog. Aktionstage der Kampagne „Natürlich auf Tour“). Exkursionstermin für 2020 ist Mitte Februar, hier wird sich auch das neue NUK-Team unserer Sektion beteiligen.

Weitere Informationen:

  • Die Broschüre „Rauhußhühner – begreifen, bestimmen, bewahren“ kann kostenlos im Shop der Bayerischen Staatsregierung bestellt oder als pdf herunterladen werden: https://www.bestellen.bayern.de/shoplink/lfu_nat_00365.htm
  • DAV-Wintertourenempfehlungen für 180 Tourenberge in den Regionen Allgäuer Alpen, Ammergebirge, Berchtesgadener Alpen, Chiemgauer Alpen, Estergebirge und Kocheler Berge, Karwendel, Kleinwalsertal , Mangfallgebirge, Wettersteingebirge und Bayerischer Wald finden sich auf der DAV-Webseite unter: https://www.alpenverein.de/Natur/Naturvertraeglicher-Bergsport/Natuerlich-auf-Tour/Tourengebiete/.
  • Zudem gibt es im Tourenportal der Alpenvereine Alpenvereinaktiv.com zahlreiche Skitouren- und Schneeschuhrouten mit ausführlichen Tourenbeschreibungen und hilfreichen Tipps. In den vorhandenen Karten sind alle Wald-Wild-Schongebiete und andere Schutzgebiete dargestellt. Alle Wintertouren mit dem DAV-Gütesiegel entsprechen den Vorgaben für naturverträgliche Touren.
  • Ein übergreifender Fachbeitrag zu „Schutzgebieten in den Bergen“ findet sich in unserer Sektionszeitschrift alpenblick demnächst in der Ausgabe 1/2020 (Erscheinungstermin Anfang Februar), online dann unter: https://www.dav-augsburg.de/aav/alpenblick-magazine

Titelbild: Birkhuhn-Männchen auf der Balz. © DAV / Henning Werth
Bild 1: Cover Broschüre „Raufußhühner – begreifen, bestimmen, bewahren“. © LfU & LWF
Bild 2: DAV-Kampagne Natürlich auf Tour. © DAV / Daniel Hug