GENUSStour Titelbild→ Nachlese Dolomiten-Fahrt „Ins Land der bleichen Berge“

Unsere „Besonderen Touren“ sind ja mittlerweile bekannt – es handelt sich um die NATour, UMWELTour und KULTour, welche Bergsportliches mit Natur-, Umwelt- und Kulturfachlichem verbinden. Nun aber gesellt sich ein weiteres Tourenformat dazu: Die „GENUSStour“!

So fand unlängst wieder einmal eine der beliebten Dolomiten-Fahrten unserer Bergsteigerabteilung statt, welche regelmäßig von Klaus Limmer erkundet, ausgearbeitet und organisiert werden. Dieses Jahr ging es unter anderem in das Sella-Gebiet, welches ich bislang nur radsportlich umrundet hatte, dabei mit Überquerungen des Sella-, Grödner- und Pordoi-Jochs. Damals hatte ich schon sehnsüchtig zu den mächtigen Felsformationen hinaufgeblickt und mir eine Begehung gewünscht.

Nun war es soweit: Ziel der diesjährigen Dolomiten-Fahrt war das „Land der bleichen Berge“, zu welchem wir umweltfreundlich mit dem Bergsteigerbus anreisten. Vor Ort gab es vier Sportprogramme auf unterschiedlichem Technik- und Konditionsniveau: „Auf den Plattkofel“, „Wanderungen und Klettersteige in der Geisler-Puez-Gruppe“, „Sella-Klettersteige“ und „Klettersteig-Klassiker“ – also die Qual der Wahl!

Ich entschied mich gemäß meiner Sehnsüchte natürlich für die Sella-Klettersteige mit Durchquerung des Massivs, zumal hier auch der Bestieg des Piz Boè, dem höchsten Gipfel de Sella-Gruppe, anstand. Hinzu kam, dass Klaus diese Tour selbst führte. Und gleich zu Beginn gab er die Devise aus, dass es sich dabei um eine GENUSStour handeln würde. Und er behielt Recht!

  • Schon zu Beginn war der Genuss vorprogrammiert: Unsere Gruppe bestand paritätisch aus sechs Bergsteigerinnen und sechs Bergsteigern. Erste Lockerungsübungen waren am Tag 1 unserer viertägigen Tour der Bestieg der Kleinen Cir-Spitze (KS B/C) und danach noch ein Abstecher auf die gegenüberliegende, kaum höhere Gran Cir (2.592 m). Unten auf dem Grödner-Joch im Refugio Frara erwarteten uns dann eine erfrischende Dusche und ein mehrgängiges feudales Menü – so ein Genuss!
  • Am zweiten Tag brachen wir zeitig auf. Der Pisciadù Klettersteig (KS C) ist die meistbegangene Via ferrata in den Dolomiten, und so ist Stauverkehr vorprogrammiert. Dem entgingen wir fast, nur eine an einem Klettersteig seltsam anmutende Seilschaft bremste unseren Elan. Aber das machte nichts, denn Wetter und Aussicht waren herrlich, zudem trugen wir volles Marschgepäck. Oben dann spektakulärer Ausstieg mit Hängebrücke, bald darauf Rast an der gut besuchten Cima Pisciadù mit Bergsee auf 2.585 m. Die fast 3.000 m hohe Pisciadù Spitze ließen wir links liegen und bestaunten lieber die tiefen Blicke ins Mittagstal, welches den Sella-Stock durchzieht. Schließlich Ankunft im Sella-Zentrum mit der Boè-Hütte, unserer heutigen Übernachtungsdestination. Wie alle früh in den Dolomiten entstandenen Hütten wurde auch diese von einer DOAV-Sektion vor langer Zeit im Jahr 1898 erbaut. Sie wurde von der Sektion Bamberg als gemauertes Gebäude mit einer großen Terrasse in Auftrag gegeben und war als Bamberger Hütte auf dem Boè bekannt. Nach ihrer Zerstörung im Laufe des Ersten Weltkriegs im Jahr 1921 ging sie zusammen mit anderen 13 Hütten des DOAV in die Hände der SAT über, die sie im Jahr 1924 erneut als Boè-Hütte zugänglich machte. In den darauffolgenden Jahren wurde die Hütte nach und nach durch Anbauten aus Mauer- oder Holzwerk erweitert. Gegenwärtig wird sie großartig mit einer weiteren Hütte vergrößert und modernisiert. Das ist auch bitter nötig, denn Schlaf- und Wascheinrichtungen sind doch sehr beengt und spartanisch. Aber die Lage ist herrlich und das Essen hervorragend – also voller Genuss!
  • Auch Ausschlafen war gestattet, denn unser bergsportliches Ziel lag heute unmittelbar vor der Haustür: der Piz Boè! Vorher nahmen wir noch die Eisseespitze (3.009 m) mit. Rüber gequert am Boè (3.152 m) dann lange Rast auf der Fassa-Hütte mit überwältigen Rundumblick, dabei auch auf die gegenüberliegende berühmte Marmolada, noch mit Eis bedeckt. Und die eifrig umherfliegenden und -hüpfenden Schnee-Sperlinge waren fast handzahm. Über den Lichtenfelserweg (KS A) ging es dann hinab auf 2.536 Meter zur Franz-Kostner-Hütte. Dort ließen wir unser Hauptgepäck zurück und wagten so erleichtert den Vallon-Klettersteig (KS C). Hier sind die Drahtseile eher moralische, denn physische Stütze. Und so beließen wir den Bestieg auch nur bis zur wackeligen Hängebrücke und kletterten von dort wieder ab. Zurück auf der Kostnerhütte eine angenehme Überraschung: Ein großes und schön ausgestattetes Mehrbettzimmer nur für unsere Gruppe, dazu heiße Dusche sowie Abendessen mit Sektempfang – Genuss pur! Und auch Spaß, als sich herausstellte, dass der Gasherd in der Küche versagt hatte. Von „Kalte Haxn-Tour“ war nun die Rede … ;-) Der aufmerksame Hüttenwirt entschädigte uns aber umfänglich. Wer länger aufgeblieben ist, wird so manches Hüttenschnapserl konsumiert haben.
  • In der Nacht hatte es geregnet. Nun stellte sich die Frage, ob wir bei nassem Gelände und mit vollem Gepäck die Via ferrata Piz da Lec (KS C mit D-Stellen) wagen sollten. Die Vernunft siegte und so bestiegen wir den Boèseekofel (2.570 m) auf dem Normalweg. Oben einige schöne Ausblicke, sofern es die Nebelschwaden zuließen. Der Abstieg dann über steile Häng Richtung Bergstation des Vallon-Lifts und von dort aus zur Bergstation der Boè-Gondelbahn. Hier wurde das karge Gelände des Sella-Massivs auch wieder richtig grün, und so konnten wir uns an einer zunehmenden Blumenreichhaltigkeit und -vielfalt erfreuen, so etwa Alpenmohn, Blauer Eisenhut, Teufelskralle. Und sogar da und dort ein Edelweiß – Bergsteigerglück und vollendeter Genuss!

Fazit: Eine wahrhafte GENUSStour! Unseren beiden Führern Klaus & Angelika und den weiteren Teilnehmern*innen sei herzlich gedankt!

Weitere Aus- und Einblicke:

  • Laut Klaus steht eine letzte Dolomiten-Region an, die unsere Sektion bislang noch nicht besucht hat. Gegenwärtig plant er diese Tour, welche dann 2020 auf dem Programm stehen wird. Ganz sicherlich wird es mit ihm wieder eine weitere GENUSStour! Und dann fängt der Dolomiten-Kanon wohl von vorne an?!
  • Vergleiche in diesem Zusammenhang auch noch einmal den Bericht zur Dolomitentour 2018 ins Schiara-Gebiet: https://www.dav-augsburg.de/aav/verein-berichte/896-fahrtziel-natur-kultur-schiara

Anschließend einige Bildimpressionen zu unserer GENUSStour 2019:

GENUSStour Bildblock 1GENUSStour Bildblock 2GENUSStour Bildblock 3GENUSStour Bildblock 4GENUSStour Bildblock 5Titelbild: Land der bleichen Berge. Foto: Rudi Kappler

Bildblock 1: Lagesondierung, hoch auf die Cir-Spitzen und unten im Refugio Frara

Bildblock 2: Pisciadù komplett – Klettersteig, Hütte, See und Spitze

Bildblock 3: Hoch über dem Mittagstal und weiter zur Boè-Hütte

Bildblock 4: Aufstieg zur Eisseespitze und zum Piz Boè, später unten bei der Franz-Kostner-Hütte und auf der Hängebrücke am Vallon-Klettersteig

Bildblock 5: Hinauf zum Boèseekofel, Blumenpracht

Alle Fotos von Angelika Piper-Bröhl und Rudi Kappler.