KULTour 2019 TitelbildDie letzte der drei „Besonderen Touren“ im DAV-Jubiläumsjahr 2019 fand Anfang August statt. Es handelte sich dabei um die KULTour, eine Exkursion zu alpinen Kulturlandschaften und -stätten. Nachdem wir speziell für diese Tour im Vorfeld bei einigen Gelegenheiten weitergehende Werbung gemacht und Hintergrundinformationen zur Verfügung gestellt hatten, war sie sehr bald bis auf den letzten Platz ausgebucht bzw. sogar überbucht.

Auf dem Programm stand „Rund um die Alp – Kühe, Menschen, Berge“, und dazu ging es in die Hindelanger Alpwirtschaft. Tourenstart war frühmorgens in Hinterstein, wo uns der Bad Hindelanger Tourismusdirektor Max Hillmeier persönlich begrüßte und einleitende Informationen und Aufmerksamkeiten zukommen ließ.

  • Mit „Bad Hindelang Tourismus“ steht unsere Sektion seit einiger Zeit in regem Kontakt, so insbesondere in der Pressearbeit zu natur-, umwelt- und kulturrelevanten Themen. Zur fruchtbaren Verbindung trägt auch eine besondere Affinität bei: In den Gründungsjahren war das Arbeitsgebiet der DAV-Sektion Augsburg zunächst das Allgäu. 1871 benannte sich die Sektion sogar zeitweise in „Section Allgäu“ um und verlegte 1873 ihren Sitz nach Immenstadt.
  • Noch heute ist das Gebiet für uns von hohem Interesse, nicht nur aus bergsportlicher Sicht. So wurde die „Hochalpine Allgäuer Alpwirtschaftskultur in Bad Hindelang“ 2016 von der Deutschen UNESCO-Kommission als besonders gutes Praxisbeispiel in das Bundesverzeichnis Immaterielles Kulturerbe aufgenommen.

Dieses Erbe galt es nun zu erkunden! Erstes Ziel war die Willersalpe, wo wir den Hindelanger Alp- und Sennbetrieb, die Älpler und das Braunvieh unmittelbar erfahren wollten. Für den Aufstieg bildeten wir zwei Gruppen. Die erste nahm einen „Umweg“ über die Zipfelsalpe (mit Einkehr auf einen Käsekuchen) und über die Gipfel Bschießer (2.000 m), Ponten (2.048 m) und Zirleseck (1.872 m). Die zweite Gruppe wählte den direkten „Jubiläumsweg“ und hatte so genügend Zeit, ausgiebiger Fauna und Flora zu beobachten und zu genießen. Auf der Willersalpe vereinte man sich wieder.

  • Die „Willersalpe“ gehört zu den 46 hochalpinen Alpen der Hindelanger Alpwirtschaft. Sie liegt südöstlich von Hinterstein in einem Hochtalkessel auf 1.456 m Höhe. Urkundlich erwähnt wurde sie schon um 1500 („Wilhorn-Alb“), seit dem Jahr 1999 ist sie in Privatbesitz der Familie Bertele. Die Willersalpe ist bewirtschaftet, produziert Bergkäse in der eigenen Sennerei und bietet eine Übernachtungsmöglichkeit mit 30 Matratzenlagerplätzen. Bei der Versorgung kamen bis 2017 noch Pferde zum Einsatz. Seither transportiert ein kleines Raupenfahrzeug, das „Eiserne Pferd“, schwere Lasten nach oben.

Kost und Logis nahmen wir gerne an, zudem auch Fachliches. Hierzu besuchte uns Henning Werth, der Gebietsbetreuer der Allgäuer Hochalpen sowie Sprecher sämtlicher Gebietsbetreuer in Bayern, und referierte über Geologie, Fauna und Flora. Im Anschluss gab es regen Austausch und Diskussion über weitergehende Themen wie Klimawandel, touristische Erschließungen und Mobilitätsverhalten. In der Zwischenzeit hatte der Alpwirt Markus Bertele und sein Team das Allgäuer Braunvieh in den Stall getrieben und mit dem abendlichen Melken begonnen. Dort konnten wir dann mit dabei sein und weitergehende Informationen zum facettenreichen Alpbetrieb erfahren, speziell auch übers Naturfutter, glückliche Kühe und „Kleinhirten“, sprich Hirtenbuben, die in den Schulferien an das Dasein eines Älplers herangeführt werden.

Das Endprodukt der alpwirtschaftlichen Bemühungen durften wir am anderen Morgen ausgiebig testen und erkunden. Zum Frühstück wurde reichlich vom delikaten „Allgäuer Bergkäse“ serviert. Dessen Herstellung konnten wir danach im Kleinstbetrieb auf der Willersalpe erleben. Später dann in einer größeren Manufaktur, der Bio-Käserei Obere Mühle in Bad Oberdorf, wo auch weitere Käsesorten produziert werden.

Gut gestärkt mit Biokäse und -milch begaben wir uns sodann hinauf zum Oberjoch, um von dort aus den Hausberg Iseler (1.876 m) zu erklimmen. Dabei nahm eine Gruppe den Normalweg, die andere probierte sich am Salewa-Klettersteig. Dort war allerdings Hochbetrieb mit „stockendem Verkehr“, so dass man sich im zeitlichen Rahmen nicht mehr auf dem Gipfel treffen konnte. Die Wandergruppe begab sich daher hinab zur Gundalpe mit weiterer Verköstigung. Derweil erfreuten sich die Kletterer an den schroffen Felsen des Iselers und an der schönen Aussicht über die Alplandschaft. Zu erwähnen gilt auch der löbliche Einsatz unseres Bergsteigerabteilungsleiters Thomas Sailer. Mit seiner unlängst erworbenen Zusatzqualifikation „Trainer B Klettersteig“ war es für ihn ein Leichtes, auch unerfahrene Klettersteiggeher sicher (und möglicherweise mit etwas reduzierter Adrenalinproduktion) auf den Gipfel zu führen. Später trafen wir uns alle mit „großem Hallo“ auf der Moorhütte am Oberjoch wieder und ließen die schöne Tour ausklingen.

Fazit: Eine rundum gelungene KULTour 2019, den interessierten Teilnehmern*innen und Unterstützern sei herzlich gedankt!

Weitere Informationen:

Abschließend noch einige Bildimpressionen zur KULTour 2019:

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KULTour 2019 Bildblock 5KULTour 2019 Bildblock 6KULTour 2019 Bildblock 7KULTour 2019 Bildblock 9KULTour 2019 Bildblock 10KULTour 2019 Bildblock 11KULTour 2019 Bildblock 12Titelbild: KULTour 2019 – Die Willersalpe, ein Paradebeispiel hochalpiner Allgäuer Alpwirtschaftskultur

Bildblock 1: Aufstieg zur Zipfelsalpe, vorbei am Zipfelsfall

Bildblock 2: Weiter über Ponten und Bschießer zum Zierleseck

Bildblock 3: Abstieg zur Willersalpe

Bildblock 4: Fachinformationen vor und in der Alpe

Bildblock 5: Im Stall der glücklichen Kühe

Bildblock 6: In der Alpsennerei

Bildblock 7: Beim Käsemachen

Bildblock 8: Auf dem Jubiläumsweg, an den „Wilden Fräulein“ vorbei hinunter nach Hinterstein

Bildblock 9: Bio-Käserei in Bad Oberdorf

Bildblock 10: Iseler – Hausberg am Oberjoch

Bildblock 11: Auf dem Salewa-Klettersteig

Bildblock 12: Letzter Schwung auf den Gipfel

Alle Fotos von Dr. Jochen Cantner