UMWELTour 2019 TitelbildDer Bergsommer neigt sich dem Ende zu. Und so ist es Zeit, über die „Besonderen Touren“ im DAV-Jubiläumsjahr 2019 zu berichten. Dieses neue Tourenformat, welches Bergsportliches mit Natur-, Umwelt- und Kulturfachlichem verbindet, wurde vergangenes Jahr vom Ressort „Natur, Umwelt, Kultur“ zusammen mit der Bergsportabteilung zunächst als Pilotprojekt erprobt und dieses Jahr im Regelbetrieb für unsere Sektion angeboten. Im Frühsommer starteten wir mit der UMWELTour, einer bergsportlichen Exkursion zu alpinen Umweltprojektierungen und -wissenschaften.

Bei der ersten Hitzewelle dieses Jahres – Ende Juni bis Anfang Juli – ging es umweltfreundlich im 9-Sitzer-Tourenbus nach Garmisch-Partenkirchen. „Berg- & Umwelt im Wettersteingebirge – Alpspitze, Höllental, Campus Alpin“ stand auf dem Programm. Dabei galt es zunächst, die pittoreske Alpspitze zu erklimmen. Mit der Seilbahn ging es hinauf zur Alpspitzbahnstation, quasi einem „Basislager“ auf dem vorgelagerten Osterfeldkopf (2.050 m). Aber nicht für alle, denn eine Schar von ambitionierten Tourenteilnehmern*innen nutzte den Hitzetag, um unter Schwerbedingungen in einem gut dreistündigen und steilen Aufstieg die Kondition zu testen.

  • Die Alpspitzbahn wurde schon im Jahr 1973 eröffnet. Um das Gebiet unterhalb der Alpspitze auch im Winter für den Skibetrieb nutzen zu können, wurden parallel zur Alpspitzbahn noch einige Schlepplifte und die Hochalmbahn gebaut. So entstand ein zusätzliches Skigebiet in der Garmischer Bergwelt. Dieses Skigebiet wurde drei Jahre später durch einen langen Ziehweg zum Kreuzeck erweitert und somit mit dem bereits bestehenden Skigebiet am Kreuzeck und Hausberg verbunden. Dieses sogenannte „Classic-Gebiet“ umfasst heute insgesamt rund 40 Pistenkilometer.

Oben an der Alpspitzbahnstation vereinte sich die Teilnehmerschaft wieder. Nach ausgiebiger Restauration unter Sonnenschirmen und mit reichlich Flüssigkeitszufuhr begutachteten wir die umstrittene Umweltverbauung Alpspix. Ein baulich interessantes Objekt, aber für die schöne Aussicht entbehrlich.

  • Der „Alpspix“ ist eine Aussichtsplattform nur wenige Meter oberhalb der Bahnstation. Die Wortkreation Alpspix stammt aus der Kombination Alpspitze und der X-förmigen Konstruktion der Plattform. Über den Alpspix wurde in der Vergangenheit viel gestritten. Unserer Partnerorganisation Mountain Wilderness (MW) organisierte dazu eine Protestaktion: Zur Eröffnung der Plattform am 4.7.2010 demonstrierte der berühmte Bergsteiger Stefan Glowacz gemeinsam mit MW gegen die beiden stählernen X-Plattformen. Freischwebend in einem Höhenbiwak, das an dem 24 Meter langen „Alpen-Balkon“ befestigt war, verdeutlichte Glowacz sein Engagement für die Natur mit dem MW-Banner.

Nach der Alpspix-Besichtigung teilte man sich wieder. Eine Teilnehmergruppe unternahm eine Höhenwanderung in der Umgebung der Bahnstation und genoss Ausblicke, Fauna und Flora. Die andere Gruppe widmete sich einer weiteren Umweltverbauung: Über die Alpspitz-Ferrata ging es nochmals schweißtreibend weiter hinauf auf die Alpspitze (2.628 m).

  • Die „Alpspitz-Ferrata“ ist mit Baujahr 1978 einer der älteren Klettersteige, bei denen – Name ist Programm – auch nicht mit Eisen gespart wurde. Hier geht es locker nach oben (KS-Kategorie A/B), die zahllosen Stahlseile, Leitern und Eisenstäbe sorgen für eine umfangreiche Absicherung. Auf rund 500 Höhenmetern geht es in Richtung Gipfel, wobei die Ferrata in erster Linie über die Nordwand führt, dann erst auf den letzten Höhenmetern auf die westliche Seite dreht und dabei den Blick hinunter ins Höllental und auf die Zugspitze im Westen freigibt. Das Gipfelkreuz der Alpspitze, das nun mittlerweile schon über 70 Jahre überdauert hat (im Gegensatz zum Zugspitzkreuz, das heuer Sturmschäden erlitten hat und repariert werden musste), liegt ein wenig unterhalb des höchsten Punktes.
Über den noch schneeigen Nordwandsteig gelangten wir wieder zurück zur Alpspitzbahn. Der weitere Abstieg ins Höllental erfolgte über die Rinderscharte. Auf der neuangelegten Höllentalangerhütte, unserer Übernachtungsdestination, trafen sich die beiden Teilnehmergruppen „mit großem Hallo“ wieder!
  • Die „Höllentalangerhütte“ (1.387 m) ist eine bewirtschaftete Hütte der DAV-Sektion München. Der Vorgängerbau wurde im September 2013 abgerissen, um einem kompletten Neubau zu weichen. Der nicht unumstrittene Bau entstand 2014 bis 2015, die Neueröffnung fand am 23. August 2015 statt. Aus Sicht des DAV war ein Ersatz unumgänglich, da die alte Hütte in wesentlichen Punkten nicht mehr den heutigen Anforderungen an Brandschutz, Arbeitsstättenrichtlinien und den hygienischen Anforderungen aus dem Lebensmittelrecht entsprach. Der Neubau mit modernem Pultdach trägt der großen Lawinengefahr im Höllental und den damit verbundenen versicherungsrechtlichen Vorgaben und behördlichen Auflagen Rechnung. Erst jüngst wurde die neue Hütte mit dem DAV-Umweltgütesiegel ausgezeichnet. Hervorzuheben ist insbesondere die energetische Eigenversorgung durch ein umweltfreundliches Kleinstwasserkraftwerk am Klammbach, dem sogenannten „Hammersbach“ durchs Höllental. Das Hütteninterieur ist modern und zweckmäßig ausgelegt, das Hüttenpersonal sehr freundlich und zuvorkommend.

Nach erholsamer Nachtruhe und guter Verpflegung ging es weiter: Von der Höllentalangerhütte stiegen wir weiter hinab gen Garmisch-Partenkirchen. Dabei nutzen wir als Weg den hochgelegenen Stangensteig mit schönen Aussichten über die Höllentalklamm.

  • Die „Höllentalklamm“ ist vom LfU, dem Landesamt für Umwelt in Augsburg, als wertvolles Geotp (Geotop-Nummer: 180R018) ausgewiesen. Geotope sind außerordentlich vielgestaltig: Es kann sich um markante, auffällige Felsformationen handeln, aber auch um eher unauffällige, versteckte Gesteinsaufschlüsse. Solche Aufschlüsse können Fundstellen von Mineralien und Fossilien sein. Sie können natürlich entstanden oder auch künstlich sein, d. h. vom Menschen angelegt. So hatte man ab der Höllentalklamm-Eingangshütte einstmals unter großem Aufwand einen sicheren Weg geschaffen, der zu großen Teilen durch in den Fels geschlagene Tunnel von etwa 1 m Breite und maximal 2 m Höhe führt.

Unten angekommen ereilte uns ein Gewitter. Aber warmer Regen macht bekanntlich schön, und so stellte dies kein Handicap für uns dar. In der besten Pizzeria im Ort konnten wir uns trocknen und verpflegen. Nachmittags besuchten wir den am Fuß der Alpspitze gelegenen Campus Alpin, eine Umweltforschungseinrichtung des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) bzw. des Instituts für Meteorologie und Klimaforschung (IMK).

  • Das IMK besteht aus vier Departments und beschäftigt sich in breitem Umfang mit der Atmosphärenforschung. Hervorgegangen aus dem Fraunhofer Institut für Atmosphärische Umweltforschung (IFU) und einer 60 jährigen Geschichte bildet das IMK-IFU in Garmisch-Partenkirchen seit 2002 das vierte Department. Es nennt sich passenderweise „KIT-Campus Alpin“ und beschäftigt sich mit den Veränderungen der Lebensbedingungen für Vegetation und Gesellschaft im globalen Klimawandel, dabei auch mit Fokus auf den alpinen Raum.

Dort bekam unsere Teilnehmergruppe nun exklusiven Einblick in den Forschungsbetrieb und wichtige Umweltprojekte. Der Institutsleiter Prof. Dr. Hans Peter Schmid (zugleich Professor am Lehrstuhl für Atmosphärische Umweltforschung, Zentrum für Lebens- und Lebensmittelwissenschaften Weihenstephan, Technische Universität München), bot zunächst einen Überblick über den Campus Alpin und im Weiteren einen facettenreichen Fachvortrag zum Meta-Thema Klimawandel und Klimaschutz. Beim anschließenden Institutsrundgang erläuterten uns seine wissenschaftlichen Mitarbeiter und Fachexperten einige interessante Einzelprojektierungen zu Interaktions- und Rückkopplungsprozessen zwischen Boden, Vegetation und Atmosphäre (Wasser, Energie, biogene Treibhausgase und flüchtige organische Verbindungen). Abschließendes „Highlight“ war ein Co-Referat von Dr. Gabriela Ratz, Mitglied in unserer DAV-Sektion und Teilnehmerin bei der UMWELTour. Gabriela ist beruflich am Landesamt für Umwelt in Augsburg engagiert und berichtete uns über das Forschungsprojekt „PureAlps 2016-2020“, bei dem es um den Schutz der Alpen vor Umweltchemikalien geht. Sie wird unsere Sektion ebenfalls bei den NUK-Theorieabenden in der kommenden Wintersaison unterstützen.

Fazit: Eine rundum gelungene UMWELTour 2019, den interessierten Teilnehmern*innen und Unterstützern sei herzlich gedankt!

Weitere Informationen:

Abschließend noch einige Bildimpressionen zur UMWELTour 2019:

UMWELTour 2019 Bildblock 1UMWELTour 2019 Bildblock 2UMWELTour 2019 Bildblock 3UMWELTour 2019 Bildblock 4UMWELTour 2019 Bildblock 5UMWELTour 2019 Bildblock 6UMWELTour 2019 Bildblock 7Titelbild: UMWELTour 2019 – Aufbruch zur Alpspitze

Bildblock 1: Aufstieg zur Alpspitzbahnstation

Bildblock 2: Besichtigung der Aussichtsplattform Alpspix

Bildblock 3: Rund um den Osterfeldkopf und Abstieg zur Höllentalangerhütte

Bildblock 4: Auf der Alpspitz-Ferrata hinauf zum Summit und hinab über den Nordwandsteig

Bildblock 5: Einkehr in der Höllentalangerhütte

Bildblock 6: Abwärts durch die Höllentalklamm

Bildblock 7:  Besuch im Campus Alpin

Alle Fotos von Dr. Jochen Cantner und Dr. Gabriela Ratz