Müllsammelaktion JT TitelbildEin weiteres Mal beteiligte sich unsere DAV-Sektion an einer Müllsammelaktion in der Augsburger Innenstadt. Zusammen mit unseren Partnerorganisationen Greenpeace Augsburg und Forum Plastikfreies Augsburg befreiten wir Anfang August in den Abendstunden die Straßen und Parkanlagen rund ums Jakobertor vom „Wilden Müll“, dabei mit besonderem Augenmerk auf die Zigarettenstummel.

Die Müllsammelaktion wurde von Greenpeace Augsburg organisiert und vom Abfallwirtschafts- und Stadtreinigungsbetrieb der Stadt Augsburg (AWS) mit der Bereitstellung geeigneter Utensilien wie Abfallzangen, Arbeitshandschuhen und Abfallgefäßen unterstützt. Mutige aus der 9-köpfigen Einsatztruppe der DAV-Sektion Augsburg brachten auch noch Wasserschuhe und Fischerstiefel mit, um gut gerüstet in den Fluten des Stadtgrabens nach Abfall zu suchen. Das Sammelergebnis war dementsprechend „reichhaltig“. Man fand zwei funktionsfähige Fahrräder, Unmengen an Glasflaschen und -scherben, und dann erwartungsgemäß zuhauf wild herumliegende Take-away Produkte, wie Einwegbecher, Tragetaschen, Verpackungen und anderes Littering-Material. Dominierende Materialfraktion war dabei Plastik – sehr zum Missfallen der Teilnehmer*innen vom Forum Plastikfreies Augsburg.

Aber auch eine andere Fraktion war ein Ärgernis. Bereits bei unserer Auftakt-Müllsammelaktion am 1. Mai – vgl. dazu nochmals die Newsmeldung unter https://www.dav-augsburg.de/aav/verein-berichte/1120-muellsammelaktion-in-der-augsburger-innenstadt – mussten wir feststellen, dass Zigarettenabfälle ein besonderes Problem sind. Sie liegen wirklich überall herum und passen überhaupt nicht zum Erscheinungsbild einer Umweltstadt. Zudem stellen sie eine hohe Umweltbelastung und Gesundheitsgefahr dar. Dies ist uns nun rund ums Jakobertor wiederum besonders negativ aufgefallen. Wir hatten dazu bereits Reiner Erben, den Umweltreferenten der Stadt Augsburg, in Kenntnis gesetzt und um Abhilfe gebeten, welcher dann umgehend seine Fachleute weiterinformierte. Seitens der Abfallexperten vom AWS haben wir jüngst nachstehende Informationen erhalten:

Verschmutzung in der Jakobervorstadt

  • Der städtische Ordnungsdienst führt, wie in allen anderen Stadteilen auch, regelmäßige Bestreifungen durch, bei denen u.a. das Wegwerfen von Zigarettenkippen kontrolliert und gegebenenfalls gebührenpflichtig geahndet wird. Nicht darstellbar ist die dauerhafte Präsenz der Ordnungsdienstkräfte an einem bestimmten Ort, da durch diese eine Vielzahl von Örtlichkeiten im gesamten Stadtgebiet zu kontrollieren ist. Es wird ein Bußgeld von 40 € pro achtlos weggeworfene Zigarette erhoben.
  • Der AWS reinigt in diesem Gebiet regelmäßig die Fahrbahnen. Dem AWS wurde gemäß Straßenreinigungssatzung die Reinigung der Fahrbahn übertragen. Die Jakoberstraße beispielsweise wurde eingestuft in Reinigungsklasse 1, die höchste Reinigungsklasse. Die Fahrbahn wird entsprechend ca. 5 Mal wöchentlich durch den AWS gereinigt. Dabei gibt es sicherlich Stellen, die stärker frequentiert sind und damit fallen dort vermehrt Zigarettenkippen an. Hier bittet der AWS um konkrete Nennung der besonders verschmutzten Stellen, dann kann im Einzelfall geprüft werden, ob weitere Aschenbecher oder Abfallkörbe notwendig und sinnvoll sind.
  • Auf Gehwegen hingegen führt der AWS keine Reinigung durch. Gemäß § 6 der Verordnung über die Reinhaltung und Reinigung der öffentlichen Straßen sowie der Sicherung der Gehwege in der Stadt Augsburg (Straßenreinigungs- und -sicherungsverordnung) haben die Anlieger auf ihre Kosten die öffentlichen Gehwege zu reinigen (Reinigungspflicht). Hier sind wir über Hinweise dankbar, an welchen Stellen dies der Fall ist, um die verantwortlichen Bürger zu informieren.

Wie bei unseren beiden Müllsammelaktionen ersichtlich wurde, sind die Maßnahmen des AWS leider nicht ausreichend. Weitreichendes könnte nun von übergeordneter Instanz erfolgen:

Unterstützung seitens BMU & Co

  • Das Bundesumweltministerium (BMU) will die Kommunen bei den Kosten für die Stadtreinigung zukünftig entlasten. Bundesumweltministerin Svenja Schulze und der Präsident des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) und Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling haben dazu kürzlich in Berlin ein gemeinsames Vorgehen angekündigt – basierend auf der EU-Einweg-Kunststoffrichtlinie, die im Mai 2019 von den EU-Mitgliedsstaaten verabschiedet wurde. Demnach sind Hersteller von Einweg- oder Wegwerfartikeln künftig an Reinigungs- und Entsorgungskosten im öffentlichen Raum zu beteiligen. Diese erweiterte Herstellerverantwortung gilt für Fast-Food-Verpackungen, Getränkebecher, leichte Kunststofftragetaschen sowie für Zigarettenfilter. Das BMU wird im ersten Schritt im Kreislaufwirtschaftsgesetz die Rechtsgrundlage für eine spätere Verordnung zur Kostenbeteiligung von Herstellern typischer Wegwerfartikel schaffen. Wie hoch ihr Anteil in den öffentlichen Abfallbehältern, auf den Straßen und Parks ist, will der VKU wiederum in einer deutschlandweiten Untersuchung ermitteln.
  • Mit Vorschlägen zur Reinhaltung der Städte steht auch die Deutsche Umwelthilfe (DUH) zur Verfügung. Sie schätzt den jährlichen Verbrauch von 74,5 Milliarden Zigaretten in Deutschland und deren Filter verdrecken Straßen, Parks und Strände. Zudem würde die Umwelt mit freigesetzten krebserregenden Chemikalien und Schwermetallen belastet. Kippenstummel gefährden Kinder und haben auf Spielplätzen nichts zu suchen – DUH fordert abschreckende Bußgelder, konsequente Kontrollen und bundeseinheitliches Rauchverbot auf Spielplätzen. Präventivmaßnahmen gegen Rauchen sollten ebenfalls verschärft werden, damit Zigarettenkippen als Abfall erst gar nicht anfallen. Die DUH denkt an ein Strafgeld in Höhe von 200 Euro je Kippe.
  • In diesem Zusammenhang sei auch auf die Berliner Initiative „Die Aufheber“ verwiesen, die ein Pfandsystem für Zigarettenstummel fordert und dabei bereits über 50.000 Unterschriften gesammelt hat. Der Vorschlag: Zu jeder verkauften Zigarettenschachtel sollte ein Taschenaschenbecher mitgegeben werden. Wenn dieser voll zurückgebracht wird, erhält der Käufer (bzw. Kippensammler) ein Pfand von mindestens 4 € zurück.
  • Wie wirksam ein pfandbasiertes Rückholsystem für Littering-Abfälle ist, hat das Pfandsystem für Einweggetränkeverpackungen gezeigt, welches vor 15 Jahren eingerichtet wurde. Herumumliegende Kunststoffflaschen, Getränkedosen und Glasflaschen sind seither eine Seltenheit bzw. der Zustand nur von kurzer Dauer.

Weitere Informationen

Bildimpressionen zur Müllsammelaktion

Abschließend noch einige Bildimpressionen zur gelungen gemeinschaftlichen Müllsammelaktion, die außerdem zum Team-Building mit unseren Partnerorganisationen einen weiteren erfreulichen Beitrag geleistet hat:

Müllsammelaktion JT Bildblock 1Müllsammelaktion JT Bildblock 2Müllsammelaktion JT Bildblock 3Müllsammelaktion JT Bildblock 4Titelbildbild: Das Müllsammel-Team. © Jana Kornely, Greenpeace Augsburg

Bildblock 1: Zielgebiet rund ums Jakobertor in Augsburg. © Google Maps

Bildblock 2: Zigarettenabfälle auf Schritt & Tritt. Fotos von Dr. Jochen Cantner

Bildblock 3: DAV-Special-Force. Fotos von Dr. Jochen Cantner

Bildblock 4: Sortieren des Sammelerfolgs. Fotos von Dr. Jochen Cantner