Podiumsdiskussion BAdW Vs2Das Thema Klimawandel beherrscht weiterhin die Schlagzeilen. Gerade haben wir die zweite große Hitzewelle dieses Jahres erlebt, eine der wettermäßigen Ausprägungen des Phänomens. Und „Fridays for Futures (FFF)“, also die Protestbewegung der Jugend für mehr Klimaschutz, ebbt trotz Schulferien nicht ab. Die Forderungen richten sich an die Verantwortungsträger unserer Gesellschaft. Auch der Deutsche Alpenverein ist dabei angesprochen, der sich nun verstärkt engagiert und zudem positioniert.

(1) Podiumsdiskussion in der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (BAdW)

So fand vor kurzem die Expertenrunde „Herausforderung Klimawandel“ in der Residenz in München statt – der Höhepunkt und Abschluss der Veranstaltungsreihe „Die Alpen. Der gefährdete Traum“ im Rahmen des 150-jährigen DAV-Jubiläums. Auf dem Podium saßen Rudolf Erlacher (Vizepräsident des Deutschen Alpenvereins), Thorsten Glauber (Bayerischer Staatsminister für Umwelt und Verbraucherschutz), Dr. Christoph Mayer (Bayerische Akademie der Wissenschaften) und Dr. Michael Staudinger (Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik, Wien).

Der Impulsvortrag „Status der Alpengletscher“ von Dr. Mayer zeigte auf, wie das Schwinden des Gletschereises und das Auftauen des Permafrostes die Auswirkungen des Klimawandels besonders dramatisch widerspiegeln. Die Folgen des Wandels für den gesamten Alpenraum und die notwendigen Klimaschutzmaßnahmen werden von Wissenschaftlern seit Jahren mit Nachdruck benannt. Unter der Moderation von Miriam Stumpfe (Bayerischer Rundfunk) diskutierten die Podiumsexperten anschließend, welche politischen Rahmenbedingungen für die erforderlichen Maßnahmen nötig sind und inwiefern die Politik ihre Handlungsspielräume nutzt, um die gesteckten Klimaziele zu erreichen. Einig waren sich die Experten alle, dass sofort und unmittelbar gehandelt werden müsse, Stichworte Energie- und Verkehrswende. Beim Wie ergaben sich jedoch Diskrepanzen.

Erlacher versinnbildlichte die Situation beim DAV mit dem unschönen Etikett „Bergsport ist Autosport“. Viele Sektionen hätten lange Wege ins Gebirge. Doch Alternativen zum Auto wären ungünstig oder gar nicht vorhanden. Man bräuchte eine umfassende Bahn- und ÖPNV-Infrastruktur wie in der Schweiz. Dennoch bliebe das Problem der „letzten Meile“. Immerhin hat sich der DAV frühzeitig mit der Problematik beschäftigt, so insbesondere mit dem vom Umweltministerium geförderten Projekt „Bergsport klimafreundlich“. Weiterhelfen könnte nun die die vieldiskutierte CO2-Steuer, damit Autofahren teuer und unattraktiv würde. Umweltminister Glauber befürwortet ebenfalls Regulierungen. So habe das Ordnungsrecht im Bereich Bauen und Erneuerbare Energien gewirkt. Insofern wäre auch für Autos die Vorgabe energetischer Standards sinnvoll, welche sich dann mit unterschiedlichen technischen Lösungen erreichen ließen. Die Automobilindustrie stünde nun am Scheideweg.

Aus dem Publikum kamen in diesem Zusammenhang Forderungen, alle verfügbaren Energietechniken zu nutzen. So wäre für Windkraft in Bayern die „10 H-Abstandsregel“ zu kippen. Mit Blick auf Frankreich und Schweden wurde sogar auch eine Renaissance der Kernenergie erwogen, was für Raunen im Saal sorgte. Erlacher gab zu Bedenken, die „Ästhetik der Natur“ nicht außer Acht zu lassen. Wind-, aber auch Wasserkraft wären hier äußerst problematisch. Er setze vielmehr auf Einsparen und Verzicht. Dr. Staudinger, der zwar von der Politik „Radikalität“ beim Klimaschutz einforderte, gab demgegenüber zu Bedenken, dass eine tragende Säule gerade des österreichischen Bruttosozialprodukts der Tourismus sei. Die aktuellen Erschließungsprojekte samt energie- und ressourcenintensiven Schneekanonen im Winter- und Sommerbetrieb wären daher wohl unverzichtbar. Zielkonflikte wären vorhanden, räumte auch Glauber ein. Er sei für Seilbahnprojekte, aber gegen Beschneiungsanlagen. Und bei einer CO2-freien Energiebereitstellung müsse man ebenso Kompromisse eingehen. In diesem Kontext gab es seitens des Publikums wiederum zahlreiche Wortmeldungen bzw. Einwendungen. Wichtige Schlagworte waren Lobbyismus, Nimby-Syndrom, FFF, Flugscham, auch Politikversagen und sogar Demokratiekritik.

In der Abschlussrunde wurden die Experten befragt, welche Botschaften sie als fiktive „Mitglieder des Klimakabinetts“ verkünden würden. Dr. Mayer postulierte hierbei ein Ende der Wachstumstheorie respektive -zwänge. Entsprechend empfahl Erlacher ein „Raus aus dem Hamsterrad“, denn weniger Arbeiten und Konsumieren produziere weniger CO2. Dr. Staudinger plädierte für eine umfassende Bepreisung auf Basis von „Vollkosten“, eine CO2-Abgabe wäre hier nur der Anfang. Und Umweltminister Glauber kündigte das „Bayerische Klimaschutzgesetz“ an, welches im Herbst korrespondierend zur Gesetzesinitiative auf Bundesebene verabschiedet werden soll. Dabei sei begleitend ein „Paket mit 100 konkreten Umsetzungsmaßnahmen“ vorgesehen. Die Durchführung von mitunter kostspieligen CO2-Einsparmaßnahmen wäre besser, als Strafzahlungen an die EU wegen Verfehlung der Klimaschutzziele zu leisten. Als wirksamsten Einsparbereich sieht Glauber derzeit die Wärmenergie.

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(2) Workshop der Bayerischen Klima-Allianz

Ganz im Sinne der Ankündigungen von Umweltminister Thorsten Glauber gestaltete sich auch die Grundsatzdiskussion beim 9. Workshop der Bayerischen Klima-Allianz. Dieser jährliche Workshop fand dieses Jahr Anfang Juli beim Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) in Augsburg statt. Um „konkreter“ zu werden, möchte die Klima-Allianz, bei welcher auch der DAV Mitglied ist, nun ihre Zusammenarbeit, Projektierungen und Präsenz in der Öffentlichkeit weiterentwickeln.

Gleichwohl wurde auf dem Workshop auch „Handfestes“ aus den Themenbereichen Energie und Klima-Anpassung geboten. So referierten beispielsweise. Dr. Anne Theenhaus und Corinna Steinert vom LfU/ÖIB über das Informationssystem „Energieatlas Bayern“, dem zentralen Internetportal zur Energiewende in Bayern mit Ansprechpartnern, Daten und Fakten, Förderinformationen und interaktiven Karten rund um Erneuerbare Energien. Adressaten des Portals sind Bürger, Kommunen und Unternehmen.

Dr. Theenhaus, die in der DAV-Sektion Augsburg aktives Mitglied ist, möchte den Energie-Atlas bei uns einmal im Rahmen der „Besonderen Theorieabende“ vorstellen. Ebenfalls förderlich für die Natur- und Umweltschutzarbeit des DAV könnten die aktuellen Neumitglieder in der Bayerischen Klima-Allianz sein. Dabei handelt es sich um den „Verband Deutscher Verkehrsunternehmen, Landesgruppe Bayern“ und die „Deutsche Bahn“ mit ihrem Qualitätsbeauftragten für Bayern. Zielsetzung wäre die Verbesserung von DB- und ÖPNV-Angeboten für Bergsteiger*innen.

Weitere Informationen wie folgt:

(3) Klimadialog 2020 der Stadt Augsburg

Auch auf kommunaler Ebene sucht die DAV-Sektion Augsburg den „Schulterschluss“. Erst kürzlich konnten wir eine neue Kooperation mit der Umweltstadt Augsburg vereinbaren.

Unsere Sektion ist nun Mitglied des „Klimadialogs 2020 der Stadt Augsburg“. Dieser Dialog umfasst Energiewendeveranstaltungen, Expertendialoge und Klimakonferenzen. Dabei streben wir regen Austausch und Unterstützung in Hinblick auf eine umweltdienliche Optimierung unserer alpinen und außeralpinen Infrastruktur an (Sektionshütten respektive  Geschäftsstelle und Kletterzentrum).

In diesem Zusammenhang ist auch auf die aktuell gestartete „Solarinitiative der Stadt Augsburg“ hinzuweisen. Hier ist die Sektion Augsburg bereits mit gutem Beispiel vorangegangen, ist doch das DAV-Kletterzentrum mit Photovoltaik auf dem Dach entsprechend gut ausgerüstet (siehe dazu nochmals unsere Newsmeldung vom 1.11.2018: https://www.dav-augsburg.de/aav/verein-berichte/950-umweltfreundliche-infrastruktur-berge-in-der-stadt-unser-neues-dav-kletterzentrum). Erweiterungen wären aber denkbar. Mit einer Einstiegsberatung vor Ort ist die Solarinitiative möglicherweise für manches DAV-Mitglied ebenfalls interessant.

Weitere Informationen wie folgt:

Bild: Herausforderung Klimawandel – Podiumsdiskussion in der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Vlnr: Dr. Christoph Mayer (Bayerische Akademie der Wissenschaften), Rudolf Erlacher (Vizepräsident des Deutschen Alpenvereins), Miriam Stumpfe (Bayerischer Rundfunk), Thorsten Glauber (Bayerischer Staatsminister für Umwelt und Verbraucherschutz), Dr. Michael Staudinger (Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik, Wien). Fotograf: Dr. Jochen Cantner