WeltkulturerbeUnser „Sektionsfluss“ Lech steht wieder einmal im Rampenlicht – dabei lauter positive Nachrichten! Die historische Wasserversorgung von Augsburg, insbesondere gespeist vom Lechwasser, wurde die Tage endlich zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt. Das seit geraumer Zeit beworbene und geplante Renaturierungsprojekt „Licca liber“ (freier Lech) steht kurz vor der Umsetzung. Und der Bau eines Luxushotels im Landschaftsschutzgebiet am Forggensee, dem vom Lech durchflossenen Stausee in der Nähe von Füssen, könnte bald durch einen Bürgerentscheid verhindert werden.

(1) Weltkulturerbe

Lange eine Vision, nun Wirklichkeit: Augsburg ist Welterbestätte. Die Kommission der UNESCO (Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation) hat am 6 Juli in Baku / Aserbaidschan für eine Aufnahme der historischen Augsburger Wasserversorgung in die Liste der besonders erwähnens- und schützenswerten Denkmäler gestimmt.

Acht Jahre lang hat Augsburg auf die Auszeichnung hingearbeitet und dafür knapp zwei Millionen Euro ausgegeben. Lechkanäle, Wasserwerke und andere Orte, die mit der Wasserversorgung zusammenhängen, wurden erforscht und dokumentiert, es gab ein internationales Symposium, Wissenschaftler förderten neue Erkenntnisse über die ehemalige Wasserversorgung zutage. Bei der Bewerbung fungierte übrigens auch unsere DAV-Sektion Augsburg als Partner.

Zum Weltkulturerbe in Augsburg zählen nun 22 Stationen, die sich über das ganze Stadtgebiet verteilen. Anhand der Stationen lässt sich der Weg des Wassers von den Quellflüssen im Augsburger Stadtwald, über die Kanäle und Prachtbrunnen in der Innenstadt bis zum Wasserkraftwerk am Zusammenfluss von Lech und Wertach verfolgen. Gleichzeitig zeigen die Stationen Augsburgs reiche Geschichte von den Römern über den wirtschaftlichen Aufstieg durch die Textilindustrie bis zur heutigen nachhaltigen Energiegewinnung durch Wasserkraft.

Darüber freuen wir uns als DAV-Sektion Augsburg ebenfalls sehr, bedeutet das schließlich auch eine Würdigung an den Alpenfluss Lech, der Lebensader, die uns über Generationen hinweg  mit der Energie und dem Wasser der Alpen versorgt. Und gerade für uns Augsburger Bergsteiger*innen ist der Lech doch ein besonderer Fluss. So entspringt er im Quellgebiet des Lechtals, mit dem wir durch viele erlebte Touren zu Fuß, auf Skiern oder Schneeschuhen sehr verbunden sind. Zudem liegt unser Kletterzentrum an der Sportanlage Süd in Nachbarschaft zum Wasserwirtschaftsysytem und Naturschutzgebiet von Hochablass und Siebentischwald. Wir gratulieren daher recht herzlich zu dieser Auszeichnung!

Detaillierte Informationen finden sich unter: https://www.wasserleben-augsburg.de/über-wasserleben/unesco__welterbe/ und https://wassersystem-augsburg.de/

(2) Licca liber

Ursprünglich schlängelte sich der Lech als voralpiner Wildfluss durch Augsburg und Umgebung – mit breitem Flussbett und ausladenden Kiesbänken. Von seinem ehemaligen Charakter ist nicht mehr viel übrig geblieben. „Licca liber“ soll dem Lech wieder seine Natürlichkeit zurückgeben.

Eine Studie der TU München belegt, dass sich der Lech aufgrund des früher begradigten Flusslaufs zu stark eintieft. Dies führt zu weitreichenden Problemen für Mensch und Natur. So stufte die EU-Wasserrahmenrichtlinie den Lech in diesem Bereich als „stark verändert“ ein und bewertete das ökologische Potenzial nur als „mäßig“.

Das Wasserwirtschaftsamt in Donauwörth ist seit geraumer Zeit damit befasst, diese Einstufung nach einem offenen und transparenten Planungsprozess nachhaltig zu verbessern und die Schäden der Kanalisierung zu beheben. Zudem soll dort, wo es möglich ist, der Lech an seinen natürlichen Zustand angenähert werden. In diesen Prozess hat sich insbesondere auch die Augsburger Lechallianz eingebracht, eine Gemeinschaft regionaler Naturschutzorganisationen, bei der auch unsere DAV-Sektion Augsburg Mitglied und Unterstützer ist.

Eingeteilt in mehrere Planungsabschnitte, soll das Projekt Licca liber zwischen Staustufe 23 und der Mündung in die Donau realisiert werden. Im Herbst möchte das Wasserwirtschaftsamt die nächsten Planungsphasen ausschreiben.

Weitere Informationen unter https://www.wwa-don.bayern.de/fluesse_seen/massnahmen/liccaliber/index.htm und https://www.lechallianz.de/home/

(3) Forggensee

Der Stadtrat Füssen hat am 9. Juli entschieden, dass das Bürgerbegehren gegen das geplante Luxushotel am Festspielhaus direkt am Ufer des Forggensees zulässig ist. Die Verwaltung der Stadt Füssen hatte das Bürgerbegehren gründlich geprüft und ist zu dem Entschluss gekommen, dass die formelle Zulässigkeit vorliegt. Von den am 25. Juni abgegebenen 1.777 Unterschriften waren 1.650 gültig – notwendig wären 1.078 gewesen.

Als Konsequenz aus der Stadtrats-Entscheidung wird es im Oktober zu einem Bürgerentscheid kommen. Der Kreisfischerverein Füssen und unsere Partnerorganisationen Bund Naturschutz in Bayern e.V. (BN) und Landesbund für Vogelschutz (LBV) hatten gemeinsam das Bürgerbegehren gegen das geplante 5-Sterne-Hotel initiiert. Die Gegner des Projektes befürchten, dass mit dem Bau die Landschaft verschandelt wird.

Siehe dazu nochmals unsere Newsmeldung vom 23.6.2019: https://www.dav-augsburg.de/aav/verein-berichte/1153-urlaubslandschaft-im-allgaeu-in-gefahr

Bild: Stolz zeigt Kaiser Augustus, der Stadtbegründer des römisch-antiken „Augusta Vindelicum“, dem heutigen Augsburg, auf die Weltkulturerbe-Ernennung! (Augsburger Rathausplatz: Augustusbrunnen und Weltkulturerbe). Fotograf: Dr. Jochen Cantner