Kondenzstreifen leider nur schön anzuschauenZu hohe CO2-Emissionen sind der Hauptgrund der globalen Erderwärmung und ein gesellschaftliches Problem. Und nach wie vor ist unser Mobilitätsverhalten einer der bedeutsamsten Faktoren der hohen CO2-Verbräuche. Gerade Flugreisen in ferne Destinationen gelten als besonders CO2-intensiv. Ein Flug von Frankfurt am Main nach Nepal und zurück beispielsweise erfordert gemäß DAV-Angaben 4.139 kg CO2 pro Person. Dies könnte vermieden werden, wie eine aktuelle Bevölkerungsumfrage des World Wide Fund for Nature (WWF) Schweiz zeigt. Zwei von fünf Schweizern möchten in Zukunft aus Rücksicht aufs Klima weniger oder gar nicht mehr fliegen.

Weniger fliegen liegt im Trend: Knapp 40 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer wollen in Zukunft weniger fliegen oder ganz auf Flugreisen verzichten. Ein Gesinnungswandel scheint im Gange, aber es bleibt noch ein langer Weg zu einer klimafreundlichen Mobilität. Dies ergibt sich aus einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des WWF Schweiz, der größten Umweltschutzorganisation in unserem Alpennachbarland. Passend zur Urlaubszeit hat das Marktforschungsinstitut GfK Switzerland dazu rund 1.000 Privatpersonen im Alter von 16-74 Jahren in der Deutsch- und Westschweiz online befragt. 27 Prozent der Befragten bestätigen zudem, bereits in den letzten zwei Jahren aus ökologischen Gründen auf Flugreisen verzichtet zu haben. Die Schweizer sind sich also zunehmend über die ökologischen Folgen ihrer Flugreisen bewusst.

Der WWF Schweiz zeigt sich erfreut über die Umfrageergebnisse. „Die Befragung deutet auf eine mögliche Trendwende hin“, sagt Patrick Hofstetter, Klimaexperte beim WWF Schweiz. „Ob aber tatsächlich eine anhaltende Verhaltensänderung in der Bevölkerung stattfinden wird, bleibt offen.“ Fakt ist: Die Schweiz ist ein Vielfliegerland. Ob Mallorca, Gran Canaria, Bali oder die Malediven – die Schweizer steigen rund drei Mal so oft in ein Flugzeug wie EU-Bürger. Und das, obwohl der übermäßige Flugverkehr verheerend für unser Klima ist. In der Schweiz ist er gar für über 18 Prozent der Treibhausgas-Emissionen verantwortlich.

In Schweden, dem Heimatland der berühmten Klimaschutzaktivistin und „Fridays for Future“-Begründerin Greta Thunberg, führte die Klimadebatte bereits zu sinkenden Passagierzahlen. Schwedische Flughäfen verzeichneten letztes Jahr ein Nullwachstum, dieses Jahr bereits einen Rückgang an Flugreisenden um fünf Prozent. Mit dazu beigetragen hat sicherlich auch der neue Öko-Trend „Flygskam“, zu deutsch „Flugscham“: Wer nicht ganz auf den Klimakiller Fliegen verzichten kann, der sollte sich wenigstens schämen!

Und so deuten auch in der Schweiz erste Anzeichen auf eine Verhaltensänderung hin. Am Flughafen Zürich gingen im April erstmals nach zwei Jahren die Lokalpassagierzahlen zurück. „Im Vielfliegerland Schweiz ist eine Stabilisierung des Flugverkehrs schon ein kleiner Erfolg. Aber das Klima braucht deutlich mehr Leute, die bewusst aufs Fliegen verzichten“, sagt Patrick Hofstetter. Informationen und Tipps für nachhaltiges Reisen finden sich unter: www.wwf.ch/reisen

Vergleiche außerdem die DAV-Informationen zur „Mobilität: Wieviel wiegt mein Freizeitreiseverhalten?“ unter: https://www.alpenverein.de/natur/klimaschutz/bergsport-klimaschutz/mobilitaet-wieviel-wiegt-mein-freizeitreiseverhalten_aid_28457.html

Um die eigene Verhaltensweise zu prüfen und zu optimieren, stellen verschiedene Institutionen und Organisationen sogenannte „CO2-Rechner“ zur Verfügung. Hier kann ein persönliches CO2-Profil angelegt und eine erste CO2-Bilanz ermittelt werden. Der jährliche CO2-Verbrauch eines Durchschnittsdeutschen liegt bei etwa 11 Gewichtstonnen CO2. Zum Erreichen der ehrgeizigen Klimaziele von Paris – die durchschnittliche globale Erwärmung soll auf deutlich unter +2 °C begrenzt werden – stünde jedem Menschen ein klimaverträglicher Ausstoß von durchschnittlich 2,3 t CO2 pro Jahr zu. Die „amtliche“ CO2-Rechner-Version bietet das Umweltbundesamt (UBA) an, verfügbar unter: https://uba.co2-rechner.de/de_DE/

Bild: Kondenzstreifen – leider nur schön anzuschauen … © Otto Domes - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=68482898