Wolf Kopf Nahaufnahme Ralph Frank b69650e391Wolf, Luchs und Bär in unserer Kulturlandschaft – dieses Thema bestimmt immer öfter die Schlagzeilen. Gerade durch Bayern streifen in zunehmendem Maße Wölfe. Dies löst auch unter uns Bergsteigern bei manchen Freude, bei anderen Unmut und Angst aus. Nun soll der Abschuss von Wölfen in bestimmten Fällen erleichtert werden. Zur Abwendung drohender „ernster landwirtschaftlicher Schäden“ durch Nutztierrisse sollen künftig „erforderlichenfalls auch mehrere Tiere eines Rudels oder auch ein ganzes Wolfsrudel entnommen werden können“, heißt es in einem aktuellen Gesetzentwurf der Bundesregierung.

Der Entwurf sieht dazu vor, im Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) einen neuen Paragrafen 45a („Umgang mit dem Wolf“) aufzunehmen. Darin will die Bundesregierung unter anderem regeln, inwiefern Wölfe nach Rissen von Nutztieren abgeschossen werden dürfen. So soll in Fällen, in denen Nutztierrisse nicht einem Einzeltier zugeordnete werden können, der Abschuss von einzelnen Mitgliedern eines Rudels „bis zum Ausbleiben von Schäden“ fortgesetzt werden dürfen.

Mit der Gesetzesänderung will die Bundesregierung auch den Ausnahmegrund im Paragraf 45 Absatz 7 Satz 1 Nr. 1 BNatSchG neu fassen. Künftig soll eine Ausnahme vom Zugriffsverbot des Paragrafs 44 BNatSchG zur „Abwendung ernster land-, forst-, fischerei- oder wasserwirtschaftlicher oder sonstiger ernster Schäden“ möglich sein. Bisher ist dies zur „Abwendung erheblicher land-, forst-, fischerei-, wasser- oder sonstiger erheblicher wirtschaftlicher Schäden“ vorgesehen. „Durch den Einbezug von sonstigen ernsten Schäden sollen insbesondere Schäden an durch ausreichende Herdenschutzmaßnahmen geschützten Weidetieren von Hobbyhaltern erfasst werden“, schreibt die Bundesregierung zur Begründung. Zudem soll die erweiterte Entnahmeregel auch im Sinne des Paragrafen 45 Absatz 7 Satz Nr. 4 BNatSchG („Im Interesse der Gesundheit des Menschen“) gelten. „Dies ist insbesondere in Fällen bedeutsam, in denen ein Wolf einen Menschen verletzt, ihn verfolgt oder sich ihm gegenüber unprovoziert aggressiv gezeigt hat“, schreibt die Bundesregierung.

Zudem soll das Füttern und Anlocken mit Futter von wildlebenden Wölfen verboten und als Ordnungswidrigkeit geahndet werden. Der Entwurf sieht weiterhin vor, dass Wolfshybriden durch die zuständigen Behörden zu entnehmen sind, und trifft Regelungen zur Mitwirkung von Jagdausübungsberechtigten. Die Bundesregierung hat dem Bundesrat den Entwurf als „besonders eilbedürftig“ zugeleitet.

Der Gesetzentwurf der Bundesregierung ist verfügbar unter: http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/19/108/1910899.pdf

Bereits im März 2019 hat die Bayerische Staatsregierung die Weiterentwicklung des „Aktionsplans Wolf“ vorgestellt. Dieser ist höchst umstritten: Naturschützer beklagen, der Abschuss der eigentlich streng geschützten Wölfe werde damit in Bayern deutlich erleichtert. Den Tierhaltern dagegen reicht der Aktionsplan zum Schutz ihrer Rinder, Schafe und Ziegen nicht aus. Dem Bund steht auf dem Gebiet des Naturschutzes indes die konkurrierende Gesetzgebungskompetenz nach 74 Absatz 1 Nr. 29 GG zu.

Der DAV ist derzeit damit befasst, ein Positions-Papier zum Thema „Wolf“ zu erstellen.

Unsere Partnerorganisation Bund Naturschutz Bayern e.V. (BN) gibt umfassende Informationen über den Wolf in Bayern: https://www.bund-naturschutz.de/tiere-in-bayern/wolf.html

Vergleiche zu allem auch nochmals unsere bisherigen Newsmeldungen:

Bild: Wolf in Bayern. © BN / Ralph Frank