Gesunde Luft Cover UBA MagazinUnlängst hatten wir auf einen Workshop zum Eigenbau von Feinstaub-Sensoren hingewiesen, der von unserer Partnerorganisation „Lokale Agenda 21 Augsburg“ initiiert wurde. Einige unserer DAV-Mitglieder haben an diesem Workshop teilgenommen und können sich nun mit ihren Messgeräten in „Citizen Science“-Projektierungen zur Messung der Luftqualität einbringen. Die Messdaten für Stickstoffdioxid (NO2) im Bundesgebiet für das Jahr 2018 liegen jetzt vor. Dazu hat das Umweltbundesamt das Magazin „Schwerpunkt: Gesunde Luft“ veröffentlicht.

Demnach überschritten im vergangenen Jahr noch 57 Städte den Luftqualitätsgrenzwert von 40 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter Luft (μg/m³) im Jahresmittel. Im Jahr 2017 waren noch 65 Städte betroffen. Maria Krautzberger, Präsidentin des Umweltbundesamtes (UBA): „Die Luft in den Städten wird besser und der Trend geht in die richtige Richtung. Dennoch sieht man: Die bislang beschlossenen Maßnahmen reichen nicht aus, damit wirklich überall der EU-Grenzwert für NO2 im Jahresmittel zum Schutz der Gesundheit eingehalten wird.“

Für die Deutsche Umwelthilfe (DUH) sind die veröffentlichten Werte des Umweltbundesamtes „ein Zeichen für das Scheitern der automobilindustrie-freundlichen Diesel-Förderpolitik der Bundesregierung“. Die Anzahl der besonders belasteten Städte ist gegenüber dem Vorjahr nicht wesentlich zurückgegangen. Die DUH fordert nun eine beschleunigte Durchsetzung von verbindlichen Hardware-Nachrüstungen für alle schmutzigen Diesel-Fahrzeuge als Sofort-Maßnahme, um die NO2 Belastung unter den Grenzwert bringen. Die zuständigen Behörden müssen alle nötigen Maßnahmen ergreifen, um die Einhaltung des NO2-Grenzwerts noch in 2019 sicherzustellen. Diesen Zeitrahmen hatte das Bundesverwaltungsgericht in seinem von der DUH erstrittenen Grundsatzurteil im Februar 2018 vorgegeben. Die DUH rechnet zudem mit einer Verschärfung der Grenzwerte für NO2 und PM10 durch die EU auf Basis der Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation.

Neben den Hardware-Nachrüstungen fordert die DUH von den betroffenen Städten und Ländern mehr Engagement bei der Nachrüstung von Bussen, Handwerkerfahrzeugen und Kommunalfahrzeugen. Zudem sollte die Förderungsfähigkeit auf alle Städte ausgeweitet und die Bürokratie für deren Beantragung dringend ausgebaut werden. „Citizen Science“-Messungen der DUH haben weitere 272 Stickstoffdioxid-Hot-Spots mit 40 und mehr μg/m3 NO2-Belastung aufgedeckt. Daher fordert die DUH eine Ausweitung des amtlichen Messnetzes zur Überwachung der Luftqualität an weiteren Hot-Spots.

Situation in Bayern

München ist weiterhin unter den drei am höchsten belasteten Städten Deutschlands. Bei der Landshuter Allee wurde ein Jahresmittelwert von 66 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft gemessen. Auch am Stachus wurde mit 48 Mikrogramm Jahresdurchschnitt der geltende Grenzwert von 40 Mikrogramm deutlich überschritten. „Eine verfehlte Verkehrspolitik und die Weigerung die Betrugsdieselautos nachzurüsten stellen eine Gefahr für die menschlichen Gesundheit dar“ gibt Richard Mergner, Vorsitzender des BUND Naturschutz in Bayern e.V. (BN) zu bedenken. „Den Stachus genießen besonders im Sommer viele Menschen, darunter auch Kinder, Schwangere und andere Risikogruppen, deren Gesundheit wissentlich weiterhin gefährdet wird. Der Ministerpräsident und sein Verkehrsminister müssen sich jetzt für gesunde Luft, anstatt für die Interessen der Autokonzerne einsetzen.“

Der BUND Naturschutz engagiert sich daher für eine Mobilität, bei der Rad- und Fußverkehr, öffentlicher Personennahverkehr sowie Bahn gestärkt werden. Dies ist auch für den DAV bzw. die DAV-Sektion Augsburg ein zentrales Thema, denn gerade die Verwirklichung einer umweltfreundlichen Mobilität zu unseren bergsportlichen Destinationen im alpinen Raum und auch in der Stadt (Stichwort: DAV-Kletterzentrum) gehört zu den besonderen Herausforderungen in naher Zukunft.

Das UBA-Magazin „Schwerpunkt: Gesunde Luft“ stellt in knapper und verständlicher Form die relevantesten Luftschadstoffe vor, erläutert Grundlagen der Luftreinhaltung und gibt einen Überblick zu Messverfahren und Berechnungsmethoden zur Krankheitslast. Es ist verfügbar unter: https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/schwerpunkt-1-2019-gesunde-luft

Bezüglich des Workshops zum Eigenbau von Feinstaub-Sensoren vgl. nochmals unsere Newsmeldung vom 9.5.2019: https://www.dav-augsburg.de/aav/verein-berichte/1122-workshop-zum-eigenbau-von-feinstaub-sensoren

Bild: Cover UBA-Magazin „Schwerpunkt: Gesunde Luft“. © Umweltbundesamt (UBA)