640px Musiktheater FüssenMit dem Lech, dem Füssener Forggensee und der nahe gelegenen Otto-Mayer-Hütte nebst Alpengarten ist die DAV-Sektion Augsburg sehr verbunden. Dort gibt es nun Ärger. Mit einem Fünf-Sterne-Hotel soll das „Musicaltheater“ am Forggensee wirtschaftlich stabilisiert werden. Doch gegen die Pläne formiert sich Widerstand. Naturschützer befürchten eine nachhaltige Veränderung der Lebensräume für heimische Pflanzen- und Tierarten. Zudem bestehe eine Gefahr für Übertourismus. Der Bund Naturschutz Bayern e.V. (BN) und der Kreisfischereiverein Füssen mobilisieren nun ein Bürgerbegehren.

Nach der Eröffnung im Jahr 2000 ist das Musicaltheater am Forggensee bereits dreimal in die Insolvenz gerutscht. Seit 2017 ist der Marktoberdorfer Unternehmer Manfred Rietzler, der vor allem in der IT-Branche durch die Produktion von Chips bekannt geworden ist, alleiniger Eigentümer des Festspielhauses und will diesem nun neuen Schub geben: Er plant im Nordosten des Theaters ein Fünf-Sterne-Hotel mit 149 Doppelzimmern und Suiten sowie einem Tagungszentrum. Laut Bauplänen soll ein Teil des Hotels in den See hineinreichen.

„Der Tourismus zerstört, was er sucht, indem er es findet“ erkannte schon früh der in Kaufbeuren geborene Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger. Daher starteten der BUND Naturschutz und der Kreisfischereiverein Füssen vor kurzem ein Bürgerbegehren mit dem Titel: „Wollen wir das: ein riesiges Hotel am Ufer des Forggensee?“ Im Zentrum des Begehrens steht die Frage, ob für einen weiteren Ausbau des Tourismus in Füssen das Forggenseeufer weiter bebaut werden soll. Für die Initiatoren des Bürgerbegehrens bringt eine weitere quantitative Steigerung des Tourismus keinen weiteren Mehrwert für die Bevölkerung. Der Arbeitsmarkt für die Hotellerie und Gastronomie ist leergefegt. Füssen erstickt im Verkehr. Die Übernachtungen in der Stadt Füssen sind in den vergangenen 15 Jahren ohnehin schon stark angestiegen, von knapp 700.000 im Jahr 2003 auf fast 1,2 Mio im Jahr 2017. Dazu kommt noch eine ständig steigende Anzahl an Tagesgästen. Auf der anderen Seite stehen die ständigen Eingriffe in Natur und Landschaft. Allein das Landschaftsschutzgebiet „Forggensee und benachbarte Seen“ wurde in den vergangenen Jahren an 14 Stellen verkleinert oder Ausnahmegenehmigungen wurden erteilt.

Dazu einige Statements der Initiatoren des Bürgerbegehrens:

  • „Die Landschaft ist das Kapital des Tourismus im Bayerischen und Allgäuer Alpenraum. Doch diese ist durch ein ständiges Tourismus-Wachstum in Gefahr. Daher braucht es einen Paradigmenwechsel in der Tourismuspolitik. Ein „Immer Mehr“ kann nicht mehr das Ziel sein. Stattdessen ist eine ökologische und qualitative Weiterentwicklung der Bestandseinrichtungen anzustreben“, sagt der BN-Landesvorsitzende Richard Mergner.
  • „Noch mehr Gäste bringen keinen Mehrwert für die einheimische Bevölkerung. Füssen erstickt heute schon im Verkehr. Zudem ist das überplante Gebiet ein ökologisches Kleinod mit einer reichen Pflanzen- und Tierwelt“, begründet Michael Käs, Vorsitzender der BN-Ortsgruppe Füssen das Bürgerbegehren. „Das Hotel wäre so wuchtig, dass es wie ein Kreuzfahrtschiff am Ufer des Forggensees wirkt.“
  • „Einmal mehr müsste für ein Bauvorhaben das Landschaftsschutzgebiet Forggensee verkleinert werden. Landschaftsschutzgebiete sind aber dazu da, um die Landschaft vor Eingriffen zu schützen. Wenn bei Investorenanfragen ständig Ausnahmen gemacht werden, wird der Sinn und Zweck eines Landschaftsschutzgebietes ad absurdum geführt“, so der Vorsitzende der BN-Kreisgruppe Ostallgäu-Kaufbeuren, Josef Kreuzer.
  • „Das Vorhaben würde auch wichtige Fisch-Lebensräume am Ufer der Füssener Ach in Mitleidenschaft ziehen. Solche Kiesufer gibt es um den gesamten Forggensee nur wenige. Eines der größten ist eben die Mündung der Ach. Es käme hier zum Verlust wertvoller Biotope für Kies-Laicher, Jungfische, Muscheln und Krebse“, begründet das Vorstandsmitglied des Kreisfischereivereins Füssen Alexander Beck das Engagement der Füssener Fischer.

Für ein erfolgreiches Bürgerbegehren brauchen BN und Kreisfischereiverein knapp 1300 Unterschriften von den Bewohnern Füssens. Dann kann bei der Gemeinde ein Bürgerentscheid beantragt werden. Wird dieser vom Stadtrat als zulässig erklärt, können die wahlberechtigten Füssener über den geplanten Hotelbau abstimmen.

Weitere Informationen unter: https://ostallgaeu-kaufbeuren.bund-naturschutz.de/

Bild: Musicaltheater Füssen. © Memorino - Own work, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8355908