Lechstaustufe 12 Lechmühlen mod kleinWasserkraft ist insbesondere in den Alpenländern ein Thema, bedingt durch Topographie und Wasservorkommen. Auch unser „Sektionsfluss“ Lech ist hier Anschauungsobjekt, reiht sich doch ab Füssen ein Wasserkraftwerk ans andere. Noch mehr im Fokus stehen aber die Alpenländer Schweiz und vor allem Österreich. Am Dienstag (14.5.) eröffnete in Paris der alle zwei Jahre stattfindende World Hydropower Congress, den die International Hydropower Association (IHA) organisiert. Die Interessenvertretung der Staudammindustrie nutzt die dreitägige Veranstaltung, um Staudämme als saubere und erneuerbare Energiequelle zu präsentieren, die für die Umsetzung des Pariser Abkommens zum Klimaschutz sowie zum Erreichen der UN-Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals – SDG) unerlässlich ist.

Eine breite Koalition von Umwelt- und Menschenrechts-NGOs und sozialen Bewegungen bezeichnen diese Darstellung jedoch als Behauptungen der Staudammindustrie und als Greenwashing-Kampagne. Im Vorfeld des Weltkongresses für Wasserkraft zeigte die Studie „Connected and Flowing“ der Natur- und Umweltschutzorganisationen WWF Österreich und The Nature Conservancy auf, wie eine globale Wende hin zu 100 Prozent erneuerbarer Energie gelingt, ohne dabei die letzten frei fließenden Flüsse zu verbauen. Demnach ist das Ausbaupotential für Wind- und Solarenergie weltweit bis zu zwanzigmal höher als im Bereich der Wasserkraft. Auch bezüglich der Wirtschaftlichkeit stellt die Studie deutliche Vorteile für Solar und Wind gegenüber Wasserkraft fest. Speziell in Österreich hat Wasserkraft mit 80 Euro pro Megawattstunde höhere Vollkosten als Wind- und Solarenergie.

Mit dem richtigen Energiemix an Erneuerbaren Energieformen können weltweit fast 165.000 Kilometer noch frei fließender Flüsse erhalten bleiben, etwa am Mekong oder Amazonas, und der globale Temperaturanstieg trotzdem auf 1.5 Grad begrenzt werden. Der Schlüssel dazu wird in der besseren Nutzung des enormen Potentials für naturverträgliche Wind- und Solarenergie gesehen. Die Wasserkraft könne durch Modernisierung bestehender Anlagen und – wo erforderlich – durch Pumpspeicher abseits von Flüssen immerhin eine unterstützende Rolle einnehmen. Durch die Nachrüstung bestehender Wasserkraftwerke könnten Effizienzsteigerungen von 10 bis 30 Prozent erreicht werden, ohne Gewässer zusätzlich zu belasten.

„Wasserkraft ist zwar eine erneuerbare Energieform, die Unterbrechung der Wasser- und Sedimentkreisläufe hat jedoch gravierende Folgen für die Wasserqualität, die Versorgung mit Lebensmitteln, und gefährdet weltweit den Lebensraum von Mensch und Natur“, erklärt WWF-Experte Gerhard Egger. „Weltweit sind nur noch 37 Prozent der großen Flüsse frei fließend. Mit der starken Verbauung gehen unschätzbare ökologische Funktionen für die Sicherung unserer Lebensgrundlagen verloren." Laut der Weltkommission für Dämme mussten allein bis zum Jahr 2000 bereits 40 bis 80 Millionen Menschen wegen Dämmen umgesiedelt werden. Das veränderte Fließverhalten der Flüsse hat auch Einfluss auf die gesamte wirtschaftliche Entwicklung. Die Wasserqualität verschlechtert sich, Flussdeltas schrumpfen und einige der produktivsten Fischbestände gehen verloren. Einen besseren Schutz von Flusssystemen sowie die Sanierung von Gewässern haben auch die Vereinten Nationen im Rahmen des IPBES (Intergovernmental Panel for Biodiversity and Ecosystems Services) als wirkvolle Maßnahme gegen das katastrophale Artensterben empfohlen. Der WWF Living Planet Index hat gerade bei Süßwasserarten seit 1970 einen besonders drastischen Rückgang von 83 Prozent festgestellt.

Studien-Downloads finden sich auf: www.wwf.at/presse

Für unseren „Sektionsfluss“ Lech setzt sich derzeit die die Augsburger Lechallianz ein, bei der auch die DAV-Sektion Augsburg Mitglied ist. Im Rahmen des Projektes „Licca Liber“ wird eine Renaturierung im Augsburger Raum angestrebt. Weitere Informationen unter: www.lechallianz.de

Bild: Lechstaustufe 12 – Lechmühlen von Westen. © https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Lechstaustufe_12_%E2%80%93_Lechm%C3%BChlen.jpg