kroete auto JFieberDen Hinweis „Achtung Krötenwanderung!“ sieht man nun immer öfter an Straßen und Wegen. Aufgrund der milden Witterung sind im Flachland inzwischen bundesweit Amphibien auf dem Weg zu den Laichgewässern. Also Autofahrer: bitte Vorsicht!

Molchen, Fröschen und Kröten mit ihrer empfindlichen Haut kommt bei der Wanderung die gegenwärtige Nässe entgegen. Starkwind weniger, so dass sich die Amphibien auf offenen und besonders ausgesetzten Strecken eher zurückhalten. Auch deshalb sind bundesweit Naturschutzgruppen aktiv. Sie stellen Leit- und Fangzäune auf, tragen Kröten über die Straße und legen Ersatzlaichgewässer an.

Ruhig ist es dagegen noch in den Mittelgebirgslagen, wo sich der Frost deutlich länger hielt. Und ebenso in der Bergwelt, wo weiterhin winterliche Bedingungen herrschen. Dort findet sich auch der Bergmolch. Im Wald fühlt er sich zwar am wohlsten. Seinen Namen trägt er dennoch zu recht, denn er wagt sich hoch hinaus – in den Alpen bis auf 2000 Meter Höhe und mehr. Anstelle von Wäldern lebt der Bergmolch dort in Wiesen und Mooren.

Lurch des Jahres 2019

Die Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) hat den Bergmolch zum „Lurch des Jahres 2019“ gekürt. Damit soll auf den schleichenden Bestandsrückgang vieler Amphibienarten aufmerksam gemacht werden. In der bundesweiten Roten Liste wird der Bergmolch derzeit als ungefährdet eingestuft, allerdings gilt auch für ihn wie für die meisten Amphibienarten, dass die Populationen schwinden und die Bestände zurückgehen.

20141009 nabu bergmolch frank derer10Im Frühjahr hat es der Bergmolch eilig – bei günstiger Witterung ab Mitte Februar, ab fünf Plusgraden und hoher Feuchtigkeit. Je später im Jahr, desto wenige achten die Tiere auf gute Bedingungen. Sie wollen dann einfach nur noch los, koste es, was es wolle. Schließlich geht es darum, sich erfolgreich fortzupflanzen und da bestraft „Zuspätkommer“ bekanntlich das Leben. Was das Laichgewässer betrifft, sind Bergmolche nicht sehr wählerisch. Sie benötigen Verstecke und sie brauchen Unterwasservegetation, an der sie ihre Eier anheften können. Das kann in Weihern sein, aber auch in wassergefüllten Wurzeltrichtern, in Pfützen ebenso wie an ruhigen Bachrändern. Auch Gartenteiche besuchen Bergmolche gern.

Einmal am Gewässer angekommen, haben es die Molche plötzlich gar nicht mehr eilig. Das hat zwei Gründe. Zum einen sind sie zunächst dabei, von der Land- in die Wassertracht zu wechseln. Dabei erneuern sie ihre Haut, auf die eher raue Landhaut folgt eine weiche Wasserhaut, außerdem bildet sich das farbenprächtige Balzkleid. Das kostet Kraft und die Energiereserven fressen sich die Molche erst im Wasser an, dort machen sie erfolgreicher Beute als an Land.

Zum andern sind Balz und Fortpflanzung bei Bergmolchen eine komplizierte Angelegenheit. Zunächst folgt das Männchen dem Weibchen, versucht Eindruck zu machen und betört die Angebetete mit Duftstoffen. Nach weiterer Balz setzt das Männchen schließlich seinen Samen in einer Kapsel am Boden ab. Geführt vom Männchen kriecht das Weibchen über das Samenpakt und nimmt es mit seiner Kloake auf.

Die Eier legt das Weibchen später an Unterwasserpflanzen oder ins Falllaub. Die Larven schlüpfen nach zwei bis vier Wochen und entwickeln sich innerhalb von drei Monaten zum fertigen Molch. Allerdings nicht immer. Vor allem in den Bergregionen kommt es zu öfters sogenannter Neotonie. Dabei behalten die Tiere Larvenmerkmale wie etwa die Kiemen, können dabei aber fortpflanzungsfähig werden. Diese speziellen Molche bleiben dann ganzjährig im Wasser, während die übrigen ab dem späten Frühjahr wieder an Land gehen.

Weitere Informationen zum Bergmolch finden sich unter: https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/amphibien-und-reptilien/amphibien/artenportraets/25926.html  

Titelbild: Erdkröte vor Auto. © NABU / Jonathan Fieber

Bild 2: Bergmolch © NABU / Frank Derer