2019 028 Weltweit20groesste20Senke20fuer20Kohlendioxid20in20nachwachsenden20Waeldern 7220dpiWälder sind die Filter unserer Erde: Sie reinigen die Luft von Staubpartikeln und produzieren Sauerstoff. Bisher galt vor allem der Regenwald als die „grüne Lunge“ des Planeten. Ein internationales Team, darunter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), fand jetzt heraus, dass sich die weltweit größten Kohlenstoffsenken in jungen, nachwachsenden Wäldern befinden.

Wälder gelten als wichtige Kohlenstoffsenke. Als solche bezeichnet man Ökosysteme, die große Mengen Kohlenstoff binden und so die CO2-Ansammlung in der Atmosphäre – und damit den Klimawandel – verlangsamen. Diese Senken sind dynamisch, ihre Kapazität kann regional wachsen, aber auch schrumpfen. Bisher ging man davon aus, dass der hauptsächliche Prozess dafür ein Verstärken der Photosynthese ist, das sich durch den Anstieg von Kohlendioxid in der Atmosphäre begründet. Dichte tropische Wälder in der Nähe des Äquators beispielsweise nehmen große Mengen CO2 auf.

Gemeinsam mit einem internationalen Forschungsteam hat Professorin Almut Arneth vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung – Atmosphärische Umweltforschung (IMK-IFU), dem sog. Campus Alpin des KIT (einem der Partner in der Bayerischen Klima-Allianz, bei welcher auch der DAV Mitglied ist), nun mit einer Kombination aus Daten- und Computermodellen die globalen Wälder neu analysiert. Anhand von Datensätzen über das Alter von Wäldern konnten die WissenschaftlerInnen nachvollziehen, wie viel CO2 „etablierte“ Waldflächen, d.h. mit einem Alter von mindestens 140 Jahren, zwischen den Jahren 2001 bis 2010 aufgenommen haben. Sie verglichen dies mit jüngeren Wäldern, die zum Beispiel auf vorherigen landwirtschaftlich genutzten oder abgeholzten Flächen nachwachsen.

Dabei zeigte sich, dass diese Gebiete nicht nur aufgrund der erhöhten Photosynthese große Mengen CO2 aus der Atmosphäre aufnehmen, sondern vor allen wegen ihres jungen Alters: Dieser Alterseffekt macht rund 25 Prozent der CO2-Aufnahme der Wälder aus. Das trifft vor allem auf die Wälder mittlerer und hoher Breiten zu. Dazu gehören beispielsweise Landflächen in den östlichen Bundesstaaten der USA, die Siedler bis Ende des 19. Jahrhunderts als Ackerland nutzten, oder Wälder in Kanada, Russland und Europa, die beispielsweise durch Waldbrände zerstört wurden. Aber auch große Aufforstungsprogramme in China leisten einen wichtigen Beitrag zu dieser Kohlenstoffsenke.

„Diese Senken, die vom Waldwachstum abhängen, sind grundsätzlich begrenzt. Erreichen die Wälder ein bestimmtes Alter, sinkt ihre CO2-Aufnahme und die so wichtigen Kohlenstoffsenken verschwinden – außer es kommt zu einer weiteren Aufforstung“, so Arneth. „Die Ergebnisse der Studie sind ein wichtiger Beitrag zum Verständnis des Klimasystems und helfen uns gleichzeitig, fundierte Entscheidungen über die Forstwirtschaft zu treffen.“ Denn sie zeige, wie viel CO2 nachwachsende Wälder in Zukunft binden könnten. „Allerdings ist die Menge an Kohlendioxid, die Wälder generell aus der Atmosphäre entfernen können, begrenzt. Deshalb müssen wir unsere Emissionen durch fossile Brennstoffe unbedingt reduzieren“, betont die Professorin.

In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass sich der Deutsche Alpenverein in konformer Weise in die Forstwirtschaft einbringt. So engagiert sich der DAV bereits seit 1984 für den alpinen Schutzwald. Die Teilnehmer*innen der „Aktion Schutzwald“ helfen unter fachlicher Anleitung in der alpinen Schutzwaldpflege und -sanierung mit: Sie pflanzen Bäume, pflegen Zugangswege, bauen Hochsitze, räumen Sturmflächen oder helfen in der Jungwaldpflege. Was mit einer bis zwei Aktionen pro Jahr begann, hat sich heute zu einem umfangreichen Programm mit bis zu 20 Aktionswochen entwickelt. 2007 wurde das Projekt mit dem Alpinen Schutzwaldpreis ausgezeichnet. Auch in diesem Jahr veranstaltet der Deutsche Alpenverein freiwillige, einwöchige Arbeitseinsätze im alpinen Schutzwald – von Oberstaufen im Allgäu über Bad Tölz bis nach Berchtesgaden. Wer sich hier beteiligen möchte, findet nähere Informationen unter: https://www.alpenverein.de/natur/projekte-aktionen/aktion-schutzwald_aid_31087.html

Details zur Studie und zum KIT-Zentrum Klima und Umwelt sind verfügbar unter: http://www.klima-umwelt.kit.edu; zum Campus Alpin unter: https://www.imk-ifu.kit.edu/

Der Campus Alpin wird von der DAV-Sektion Augsburg im Rahmen der „Besonderen Touren“ im Sommer 2019 besucht werden.

Bild: Wälder binden großen Mengen an CO2 – und wirken so der Klimaerwärmung entgegen. © Gabi Zachmann, KIT