DAV Werkstatt Entwicklung TitelbildAls Auftaktveranstaltung zum 150-jährigen Vereinsjubiläum lud der DAV-Bundesverband am letzten Wochenende (15./16.2.2019) zu einer zweitägigen Strategieentwicklung nach Leipzig ein. Im Fokus der Jubiläums-Werkstatt 2019, die allen DAV-lern zugänglich war, standen dabei die drei Zukunftsthemen „Digitale Entwicklung“, „Sport- und Verbandsentwicklung“ sowie „Nachhaltige Entwicklung“, welche den rasanten Wandel in unserer Gesellschaft aufgreifen und zentrale Herausforderungen für den Deutschen Alpenverein darstellen.

Mittels zahlreicher Informations- und Impulsvorträge und Podiumsdiskussionen wurde der Sachstand dargelegt und anschließend in acht themenspezifischen Foren (sprich Workshops) reflektiert sowie Chancen und Risiken identifiziert und mögliche Handlungsansätze skizziert. Die Arbeitsergebnisse der Werkstatt werden vom Bundesverband aufgearbeitet und demnächst publiziert. Für den Themenbereich „Nachhaltige Entwicklung“ können schon einmal folgende Perspektiven benannt werden:

  • Für die Belange des Vereinsziels „Natur- und Umweltschutz“ ist der DAV an und für sich gut aufgestellt. So gibt es bereits seit 1977 ein umfängliches Grundsatzprogramm zum Naturschutz (mittlerweile in der 3. und angepassten Auflage) und ein Praxisheft zur Umweltbildung, aus welchem die Sektionen entsprechende Handlungsmaximen und -empfehlungen für ihre Arbeit vor Ort entnehmen können. Dazu gehört auch die Institution des DAV-Naturschutzreferenten mit Querschnittsfunktion, welcher in der Sektion möglichst auf Vorstandsebene anzusiedeln ist. Des Weiteren wurden vom DAV-Bundesverband eine Vielzahl an Konzeptionen, Aktionen und Kampagnen ins Leben gerufen (z.B. Umweltgütesiegel für unsere Vereinshütten, Aktion Schutzwald, Lenkungskonzepte für Skitouren, Klettern und MTB oder die aktuelle Kampagne #machseinfach).

  • Dennoch besteht mannigfaltiger Handlungsbedarf. Das Grundsatzprogramm bedarf konsequenter Umsetzung in allen Sektionen. Im Bereich „Umweltfreundliche Mobilität“, in welchen sich auch die aktuelle Diskussion um das E-Mountainbike einordnen lässt, gibt es derzeit keine Lösung. In Hinblick Mitgliederwachstum und Werte besteht Abstimmungsbedarf. Hierzu gehört etwa auch Konsequenz bei Beschaffung und Ausstattung unserer alpinen Infrastruktur und Ausrüstung (Stichworte bio, regional, fair, recycled, upcycled). Beim gegenwärtigen „Hauptproblem“ für unsere bergsportliche Betätigung, dem Klimawandel, gibt es zu wenig Lobbyarbeit für eine nachhaltige Klimapolitik. Das sollte nicht anderen überlassen bleiben – mittlerweile geht sogar die Jugend auf die Straße (Stichwort „Fridays for Future“, d.h. Schülerstreiks für Klimaschutz). Insgesamt fehlt dem DAV eine Nachhaltigkeitsstrategie mit konkreten Zielen, Maßnahmen und Zeitplan der Umsetzung. Dabei geht es nicht nur um unsere Bergwelt, sondern auch um unseren urbanen Lebensraum und unsere Gesellschaft und Politik insgesamt.

  • Im Workshop wurde von den Teilnehmern*innen dementsprechend ein „Agenda-Baum“ entwickelt und mit Inhalten versehen, dabei mit Differenzierung zwischen der Basisarbeit des DAV-Bundesverbands (Wurzeln und Stamm) und der operativen Umsetzung in den Sektionen (Äste, Zweige, Blätter). Bei der abschließenden Priorisierung dieser Agenda-Vorschläge wurde sehr eindeutig dem DAV-Bundesverband das „Heft des Handelns“ zugewiesen. Erforderlich wäre nun Folgendes:
    (1) Stärkere und klare politische DAV-Positionierung zum Naturschutz,
    (2) mehr DAV-Lobbyarbeit zum Klima- und Naturschutz,
    (3) Entwicklung einer DAV-Nachhaltigkeitsstrategie.

  • Man merkt: Es gibt viel zu tun! Und man darf gespannt sein auf die Umsetzung. Gewisse erfolgversprechende Anfänge sind bereits zu verzeichnen, siehe dazu die DAV-Positionierungen im Problemkomplex Riedberger Horn und jüngst die Unterstützung des erfolgreichen „Volksbegehren Artenvielfalt“.

Nachstehend einige Bildimpressionen der gelungenen und produktiven Werkstatt-Veranstaltung "Entwicklung3", die auch durch den Jubiläums-Film „BERGE150 sowie die launige Moderation der beiden berühmten BR-„Bergauf-Bergab“-Macher „Micki und Michi“ (Urgestein Michael Pause und Nachfolger Michael Düchs) aufgelockert wurden:

DAV Werkstatt Entwicklung Bildblock 1DAV Werkstatt Entwicklung Bildblock 2DAV Werkstatt Entwicklung Bildblock 3Titelbild: Werkstatt-Eröffnung in der Kongresshalle am Zoo in Leipzig von Hanspeter Maier, DAV-Geschäftsbereichsleiter Alpine Raumordnung

Bildblock 1: Begrüßung und Fachvorträge von Josef Klenner (DAV-Präsident), Stefan Brangs (Sächsischer Staatssekretär des Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr), Dr. Joachim Bühler (Geschäftsführer Verband der TÜV e.V.), Veronika Rücker (Vorstandsvorsitzende DOSB) und Andreas Huber (Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft CLUB OF ROME) sowie Podiumsdiskussion (mit den Fachvortragenden und DAV-Vizepräsidentin & Bundesjugendleiterin Sunnyi Mews sowie Moderatorin Carmen Wegge)

Bildblock 2: Filmabend „BERGE150“ (u.a. Ausschnitte aus "Der Berg ruft" und "Nanga Parbat 1953", der deutsche Schicksalsberg)*) und Open Space Team „Micki und Michi“

Bildblock 3: Forum „Das richtige Maß im Bergsport“ (Leitung & Moderation Steffen Reich, Leitung DAV-Ressort "Natur und Kartografie", sowie Alpenjournalisten Axel Klemmer und Michael Pröttel), Podiumsdiskussion (Zukunftsrunde mit dem „Rat der Weisen“ und den „jungen Wilden“: Philipp Gerhard, DAV-Vizepräsident Roland Stierle, Sunnyi Mews, Martina Renner) sowie Verabschiedung durch Josef Klenner

Alle Fotos von Dr. Jochen Cantner

*) Verfügbar auf Youtube:
 
  Stürme über dem Mont Blanc (1930): https://www.youtube.com/watch?v=ZJGQjSqVxoc&t=5s
   Der Berg ruft (1938): https://www.youtube.com/watch?v=KDuJrN7e9S0&feature=youtu.be 
   Nanga Parbat 1953 (1953): https://www.youtube.com/watch?v=Xz5kOQWg7Vs&feature=youtu.be
   Feuer und Eis – Ausschnitt (1986): https://www.youtube.com/watch?v=1bNj7HlAps0&t=7s