DWD MessfeldGegenwärtig schneit es unaufhörlich. Mitunter wurde auch schon die bange Frage „Startet im Januar der Jahrhundertwinter?“ gestellt. Parallelen zur Schneekatastrophe vor 40 Jahren werden gezogen. Hierzu die Fakten des Deutschen Wetterdienstes (DWD):

Die Schneekatastrophe zum Jahreswechsel 1978/1979

Zum 28. Dezember 1978 lag bei hohem Luftdruck über Skandinavien und tiefem Druck über dem Rheinland eine scharfe Luftmassengrenze mehrere Tage lang über der Ostsee. Die Grenze trennte sehr milde, feuchte Luft im Süden von arktischer Polarluft mit Temperaturen von teilweise. unter minus 40 Grad Celsius. Nach anhaltenden heftigen Schneefällen kam schließlich am 30. Dezember die Polarluft Richtung Alpen voran. Während in Baden-Württemberg und Bayern anfangs noch Biergartenwetter herrschte, gab es nur 100 Kilometer nördlich der Luftmassengrenze Glatteisregen und heftige Schneefälle bei tiefem Frost. In Hof und Weiden fiel die Temperatur innerhalb 24 Stunden um 28 Grad. Die Küstenbereiche an Nord- und Ostsee litten tagelang unter Nordoststurm, Hochwasser und weiteren Schneefällen. Auf beiden Seiten der innerdeutschen Grenze kam es zu Schneeverwehungen bis zu sechs Metern Höhe.

Die Auswirkungen der Kälte und insbesondere der andauernden Schneefälle waren vor allem in Nord- und Ostdeutschland gravierend. Der Straßen- und Eisenbahnverkehr kam zum Erliegen. Rund 150 Ortschaften waren von der Außenwelt abgeschnitten. Eine Versorgung aus der Luft war wegen des starken Sturmes zunächst nicht möglich. Strom- und Telefonnetze fielen aus. Räumfahrzeuge blieben stecken, Panzer von Bundeswehr bzw. Nationaler Volksarmee versuchten steckengebliebene Züge und Hilfesuchende zu erreichen. Viele der Inseln waren auf sich selbst gestellt. In der Bundesrepublik starben in der Kälte 17 Menschen. Zahllose Rinder, Schweine und Hühner verendeten. Die Schäden überstiegen 140 Millionen D-Mark.

Für große Teile Europas leitete die Wetterlage zum Jahreswechsel 1978/79 einen langen, kalten und schneereichen Winter ein. Die geschlossene Schneedecke hatte großen Anteil an weiteren Kältewellen über Nord- und Nordosteuropa, beispielsweise Mitte Februar 1979 mit neuen Schneefällen von 60 bis 80 cm Höhe in Bremen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Vergleichbar harte Winter gab es 1928/29, 1962/63 sowie 1984/85 und zuletzt 1986/87. Mit 67 Tagen geschlossener Schneedecke, nämlich vom 28. Dezember 1978 bis 4. März 1979, ist dieser Winter nur mit dem Nachkriegs-Hungerwinter 1946/47 vergleichbar.

Deutschlandwetter im Jahr 2018

Ein Kontrastprogramm konnten wir mit dem vergangen Sommer 2018 erleben. Das Schlagwort „Heißzeit“ kursierte in den Medien. „Das Jahr 2018 stand ganz im Zeichen des Klimawandels“, sagt DWD-Pressesprecher Andreas Friedrich. Es präsentierte sich als das wärmste und sonnigste Jahr seit Beginn regelmäßiger Aufzeichnungen. Auch gehörte es zu den niederschlagsärmsten Jahren seit 1881. Von April bis November verliefen alle Monate ausnahmslos zu warm, zu trocken und sonnenscheinreich.

Das Jahr 2018 begann mit einem ungewöhnlich milden und sehr niederschlagsreichen Januar, wobei im Südwesten gebietsweise große Regenmengen auftraten. Im Februar und März zeigte sich der Winter nur kurz, aber mit zwei markanten Kaltlufteinbrüchen. Anfang April schaltete das Wetter innerhalb weniger Tage von Winter auf Sommer um. April und Mai waren sogar die wärmsten seit dem Beginn regelmäßiger Messungen. Im Mai und in den ersten beiden Juniwochen entluden sich vor allem im Süden und Westen zahlreiche schwere Gewitter, oft mit Hagel und sintflutartigem Regen. Doch von diesem blieben die meisten Regionen verschont, so dass nun eine der größten Trockenheiten der deutschen Klimageschichte folgte. Dazu erlebten die Menschen im Juli und August eine der längsten und gewaltigsten Hitzeperioden. Sommerlich warme Tage mit viel Sonnenschein und katastrophale Regenarmut zogen sich bis in den November hin. Erst im Dezember ging die Dürre mit ergiebigen Niederschlägen zu Ende.

Mit 10,4 Grad Celsius lag im Jahr 2018 der Temperaturdurchschnitt um 2,2 Grad über dem Wert der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990. Gegenüber der Vergleichsperiode 1981 bis 2010 betrug die Abweichung nach oben 1,8 Grad. 2018 übertraf damit den bisherigen Rekordhalter 2014 um 0,1 Grad und ist das wärmste Jahr seit Messbeginn 1881. Heißester Ort war Bernburg an der Saale mit 39,5 °C am 31. Juli. Die kälteste Nacht meldete Reit im Winkl am 28. Februar mit -22,1 °C.

Bayernwetter im Jahr 2018

Speziell für Bayern stellt der DWD fest (in Klammern stehen jeweils die vieljährigen Mittelwerte der intern. Referenzperiode): Obwohl Bayern das kühlste Bundesland war, stellte es mit 9,9 ° C (7,5 °C) einen neuen Temperaturrekord auf und überbot den alten von 2014 um 0,3 Grad. Bei gut 745 l/m² (940 l/m²) Niederschlag lag die Sonnenscheindauer bei mehr als 2030 Stunden (1595 Stunden). Die im Jahr 2018 tiefste Temperatur und die größte 24-stündige Niederschlagsmenge registrierte der DWD in Bayern: Am 28. Februar meldete Reit im Winkl -22,1 °C, und am 12. Juni fielen in Mauth-Finsterau im Bayerischen Wald 166,5 l/m². Sturmtief „Fabienne“ tobte am 23. September besonders in Franken und hinterließ dort große Schäden.

Bild: Wettervorhersage – An rund 2000 Stellen in Deutschland hat der DWD moderne Messfelder eingerichtet. Die Sensoren arbeiten überwiegend automatisch und unabhängig von Wind und Wetter. © DWD